Dreieinhalb Jahre nach dem Start des
Tiguan lässt
VW dem erfolgreichen SUV eine Modellpflege angedeihen. Nötig wäre das eigentlich nicht gewiesen, denn der Tiguan führt noch immer die 4x4-Hitliste an. AUTO BILD ALLRAD hat überprüft, was die Frischzellenkur gebracht hat. Zum Vergleich ...
... treten an: der
BMW X1 18d, der
Ford Kuga 2.0 TDCi, der
Honda CR-V 2.2 i-DTEC und der VW Tiguan als 2.0 TDI.
Neu beim Tiguan ist vor allem die Optik der Frontpartie mit Touareg-ähnlichem Kühlergrill, modischen Scheinwerfern und neu gestaltetem Frontstoßfänger. Am Heck beschränkte sich VW auf Heckleuchten mit anderer Grafik.
Dazwischen findet der aufmerksame Betrachter im Innenraum ein neues Lenkrad und anders kolorierte Lüftungsdüsen.
Die Tastenreihe füllt sich per Aufpreis. 1070 Euro kostet die einstellbare Stoßdämpfung. VW hat mit der Modellpflege auch auf Kundenwünsche reagiert. Und deshalb gibt es ...
... zusätzliche Versionen: vor allem die (hier auch getestete) Allradversion mit spritsparender BlueMotion-Technik. Sie verspricht per Normverbrauch 0,2 Liter/100 km Ersparnis durch ihr Start-Stopp-System vor der roten Ampel und eine Lichtmaschine, die möglichst nur beim Verzögern ihrer Ladetätigkeit nachkommt und dadurch Energie spart.
Ebenfalls ein Kundenwunsch war die Kombination der Offroad-Front mit 28 Grad Böschungswinkel (statt 18 Grad) mit dem Chromschmuck und der gehobenen Inneneinrichtung des Sport & Style-Pakets. Diese neue Kombination nennt sich Track & Style. Sicher gern angekommen wird auch die neue Fahrwerksabstimmung. Sowohl ...
... das serienmäßige Normalfahrwerk als auch das elektronisch an den Stoßdämpfern geregelte Fahrwerk (1070 Euro Aufpreis) bringen nun spürbar mehr Federungskomfort für den Tiguan. So reist man im VW jetzt komfortabler als in den anderen drei Kandidaten dieses Vergleichstests. Am deutlichsten spürt man den Unterschied ...
... beim Umstieg in den BMW X1. Der federt zwar auf langen Bodenwellen nicht unkomfortabel und belästigt die Insassen nur selten mit üblen Stößen. Aber auf kurzen Unebenheiten wird der Unterschied zum VW sofort klar. Der BMW rumpelt hier untalentiert über solche Wellen und macht aus seiner sportlichen Gesinnung keinen Hehl.
Der Lohn der straffen Fahrwerksabstimmung ist das sehr agile Kurvenverhalten. Auch wegen der fast schon nervös wirkenden Lenkung wirft sich der BMW mit Hingabe in schnell gefahrene Kurven. Dabei kommt ihm auch sein niedrigerer Schwerpunkt zugute. Minus 15 Zentimeter Dachhöhe gegenüber der Konkurrenz ...
... positionieren ihn quasi zwischen SUV und Pkw. Doch die Auswirkungen bleiben dem Fahrer nicht verborgen. Bereits bei Ein- und Ausstieg kann der BMW nicht die Bequemlichkeit der höher gebauten Konkurrenz bieten. Auch ...
... das Raumgefühl lässt wegen des kupierten Daches zu wünschen übrig. Vorn reicht der Platz für lange Beine, der Fond ist allerdings knapper geschnitten.
Die niedrige Dachlinie kostet unweigerlich Maximalvolumen beim Laderaum. Dass der BMW nicht für größere Transportaufgaben gedacht ist, beweisen auch die nur durchschnittlichen Werte für Zuladung (436 kg) und Anhängelast (1800 kg).
Hauptsache dynamisch. Da erscheinen die Bemühungen des 18d- Turbodiesels fast rührend. Der vor allem im Leerlauf vernehmlich tuckernde Vierzylinder zieht wie auch die Motoren der Konkurrenz ab rund 1500 Touren ordentlich an.
Immerhin beschleunigt der BMW ein wenig besser als Ford und VW. Und er gefällt mit besonders niedrigem Verbrauch. Mit 6,5 Liter/100 km unterbietet der BMW die Werte der drei anderen um immerhin einige Zehntelliter.
6,9 Liter/100 km verbraucht der Ford im Test – ein guter Wert und praktisch auf dem Niveau des VW Tiguan mit seinen 6,8 Liter/100 km liegend. In mehrerlei Hinsicht bildet der Ford sozusagen die Mitte zwischen dem betont sportlichen BMW und dem angenehm komfortablen VW.
Auch beim Fahrgefühl nimmt der Ford eine Mittelstellung ein: in Kurven nicht ganz so tatendurstig wie der BMW, aber auf der anderen Seite noch etwas agiler als der VW.
Der Zweiliter-Turbodiesel des Kuga läuft unauffällig und bringt kräftigen Schub ab 1500 Touren; darunter allerdings weniger als die Motoren der Konkurrenten.
Der Kuga federt spürbar besser als der BMW und bietet zudem wegen des höheren Daches ...
... mehr Komfort beim Ein- und Ausstieg; der Fond allerdings fällt ähnlich knapp aus wie beim BMW. Das Lederlenkrad ist übrigens Serie, ein Radio kostet allerdings extra.
Extravagant: Die Klappe lässt sich in zwei Teilen nach oben schwenken. Ansehnlich für die Klasse ist die freigegebene Anhängelast ...
... von 2100 Kilogramm. Passend zum – wie beim BMW – eher knappen Laderaum kann der Ford allerdings auch nur 432 Kilogramm effektive Zuladung vorweisen. Immerhin, denn mit ...
... wirklich mageren 398 Kilogramm enttäuscht hier der Honda – nicht weit von der Zulassungsgrenze als Fünfsitzer entfernt. Die dürftige Zuladung steht zudem im Widerspruch zum besonders geräumigen Kofferraum des CR-V: großzügige 524 Liter – BMW und Ford kommen auf gut 100 Liter weniger.
Auch wegen des angenehmen Platzangebots bietet sich der Honda als Reisewagen an. Die vielfach einstellbare Rücksitzbank erlaubt ...
... einen bequemen Aufenthalt im Fond für zwei Erwachsene. Ein dritter Passagier klagt – wie beim BMW – über die in diesem Bereich harte Lehne.
Im Honda sitzt man tiefer und mit weniger Übersicht als in Ford und VW, die sich insgesamt als angenehmere Fünfsitzer erweisen. Das Interieur ist solide und hat ...
... einen ungewöhnlichen Hebel für die Handbremse zu bieten.
Dafür zieht der Honda-Motor besonders kräftig an, auch in den großen Gängen. Allerdings behelfen sich die Japaner hier mit dem Trick einer kürzeren Übersetzung. Dadurch kommt der Motor flotter in einen Bereich mit mehr Leistung. Die Kehrseite: Der Verbrauch steigt an.
Auch wegen des etwas höheren Leergewichts kommt der Honda auf einen Testverbrauch von 7,7 Liter/ 100 km und damit auf immerhin 1,2 Liter/100 km mehr als der besonders sparsame BMW.
Auch beim Federungskomfort erzielt der Honda keine Bestnoten. Er rollt nicht unkomfortabel ab, doch der VW Tiguan kann das deutlich besser. Überhaupt fällt es schwer, ...
... dem VW Übles nachzusagen. Er leistet sich einfach keine gravierenden Schwächen. Denn zum guten Federungskomfort passt der wirkungsvoller als bei der Konkurrenz gedämmte Diesel gut. Weniger Fahrwerksgeräusche runden den Komforteindruck ab.
Der Vorsprung des VW liegt auch im durchdachten Innenraum begründet. Denn auf der gleich kompakten Parkfläche wie BMW und Ford bietet der VW einfach mehr Platz für Passagiere und Gepäck. Und die ...
... zusätzlich längs verschiebbare Rücksitzbank hat der VW seinen beiden deutschen Konkurrenten ebenfalls voraus.
Auch der Dieselmotor des Tiguan überzeugt. Er zieht schon ab 1200 Touren spürbar an und bietet die gleich guten Fahrleistungen wie der Ford, wirkt nur beim Gasgeben im langen sechsten Gang etwas müder. Dafür erreicht er mit nur 6,8 Liter/ 100 km den zweitniedrigsten Testverbrauch in diesem Vergleich.
Überhaupt erfreuen beim VW die niedrigen Betriebskosten. Kfz-Steuer und die Einstufungen bei der Versicherung bewegen sich auf niedrigstem Niveau, dazu kommen lange Wartungsintervalle.
Viele Punkte sammelt der VW schließlich als Lastenschlepper. Mit 530 Kilogramm Zuladung nimmt er einen einsamen Spitzenplatz ein. Das gilt auch für die Anhängelast von 2200 Kilogramm, die sich sogar auf 2500 Kilogramm steigern lässt, wenn man eines der beiden Track-Pakete mitbestellt. Nicht einmal beim Preis ...
... kann man dem VW große Vorwürfe machen. Inklusive BlueMotion-Paket (400 Euro) kostet er glatte 30.000 Euro. Zwar erscheint der Ford Kuga zunächst 750 Euro billiger, aber er kommt serienmäßig ohne Radio, das im günstigsten Fall schon abschreckende 805 Euro Aufpreis kostet; letztlich sind Ford und VW preisgleich.
Etwas billiger ist nur der Honda, der im Grundpreis von 30.500 Euro bereits feine Dinge wie 17-Zoll-Aluräder mitbringt. Als Einziger spendiert der Honda überdies auch aufpreisfrei wenigstens ein Notrad. Zahlen muss man dafür bei Ford (50 Euro) und VW (225 Euro), beim BMW erhält man auch für Geld und gute Worte keines.
Der BMW ist erwartungsgemäß der teuerste Kandidat. Rund 2000 Euro beträgt der ausstattungsbereinigte Preisnachteil gegenüber Ford und VW, 2500 Euro gegenüber dem Honda. Dass der Honda letztlich doch nicht so günstig ist, ...
... liegt nicht am Preis, sondern an den Unterhaltskosten. Nicht nur sein Dieselverbrauch liegt über dem der deutschen Konkurrenten, auch die Kosten für Kfz-Steuer und vor allem die Beiträge bei der Versicherung fordern wegen der höheren Vollkaskoklasse mehr Geld. Zudem weist Schwacke dem Honda einen höheren Wertverlust zu.
Und noch ein Nachteil des Honda: Seine Schlechtwege- und Schneetauglichkeit liegt deutlich unter der der deutschen Kandidaten. Daran ist zum einen seine geringe Bodenfreiheit schuld. Aber selbst im Straßenbetrieb fällt auf glattem Untergrund der nur mäßig wirksame Allradantrieb auf. Die vorderen Räder neigen zum Durchdrehen.
Der Zieleinlauf: Platz vier gibt's für den HondaCR-V. Das ist positiv: großer Kofferraum, angenehmes Platzangebot, flotte Fahrleistungen, Einziger mit Dreijahresgarantie. Das ist negativ: mäßige Bremsen, schwach bei Allrad und Bodenfreiheit, höchste Unterhaltskosten, dürftige Zuladung. 485 Punkte von 800 möglichen Punkten.
Mit 512 Punkten landet der Ford Kuga auf dem dritten Platz. Positiv: günstiger Preis, ordentliche Bodenfreiheit, leichtfüßiger Fahreindruck, niedrigste Einstufungen bei der Versicherung. Negativ: magere Grundausstattung, mäßige Garantieleistungen, relativ kleiner Laderaum, mäßige Übersichtlichkeit.
514 Punkte und Platz zwei für den BMW X1. Positiv: sehr agiler Fahreindruck, niedrigster Verbrauch im Vergleich, ordentliche Bodenfreiheit, sehr kurze Bremswege. Negativ: hoher Preis, weniger Anhängelast, sehr straffe Federung, kleinster Gepäckraum im Vergleich.
Mit 537 Punkten gewinnt der VW Tiguan diesen Vergleich. Positiv: höchste Anhängelast/Zuladung, leiser, kultivierter Dieselmotor, bester Federungskomfort im Vergleich, niedrige Unterhaltskosten. Negativ: magere Grundausstattung, hohe Ladekante, ESP für Gelände nicht abschaltbar, lange Lieferzeiten.
Fazit von Redakteur Martin Braun: Auch nach der Modellpflege siegt der VW nach Punkten. Er vermeidet die Schwächen der anderen. Bei Zuladung, Anhängelast, Raumausnutzung, Komfort und Unterhaltskosten liegt er vorn. Sogar der Preis stimmt.
Der BMW setzt andere Schwerpunkte: mehr Sportlichkeit und weniger Nutzen zum höheren Preis. Der Ford schlägt einen Mittelweg ein. Nur der Honda zeigt echte Schwächen: bei Bremsen, Allradantrieb und Unterhalt.
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