Mobilität ist wichtig – und sollte für jeden erschwinglich sein.
VW Up,
Kia Picanto,
Renault Twingo oder
Nissan Pixo (von links) – wer bewegt die Massen am besten? AUTO BILD hat die vier Minis zum Vergleich gebeten.
Platz vier mit 253 von 500 Punkten: Erst mal weckt der Nissan Pixo Interesse. Wo sonst gibt es einen vollwertigen Fünftürer so günstig? Leider wurde an einigen Stellen aber zu sehr gespart.
Beim Anblick des Pixo keimt ein Verdacht. Besonders in diesem Vergleich, wo er in Rot vorfährt wie der Up – da fallen Gemeinsamkeiten noch stärker ins Auge. Lieferten die Japaner etwa die Designvorlage für den VW, der den kecken Aufwärtsschwung der Fensterlinie dreist kopiert ...
... und auch gleich noch das Sparkonzept mit nur einem Fensterheberschalter pro Tür übernimmt? Bevor jetzt jemand empört in Wolfsburg anruft: Schon die erste Probefahrt sorgt für Klarheit. Der Pixo ist baugleich mit dem Suzuki Alto ...
... und hat mit dem VW außer den optischen Anleihen nur wenig gemeinsam. Leider! Im Nissan geht es vergleichsweise eng zu, große Fahrer haben keine Freude. Familien – trotz der vier Türen – schon gar nicht. Auch weil laut Fahrzeugschein nur vier Plätze zur Verfügung stehen ...
... und mit 129 bis 774 Liter gleichzeitig am wenigsten Gepäck mitgeht, die Ladeluke eher mickrig ausfällt, ...
... ein Öffner außen an der Heckklappe fehlt und die Hutablage tatsächlich nur auf einer Seite von einem dünnen Bändchen gehalten wird. Ob das im hektischen Alltag lange hält? Ohnehin bietet die Qualität im Pixo wenig Grund zur Freude: Materialien und Verarbeitung erreichen kaum den Klassenstandard.
Das Fahrerlebnis schickt uns gefühlte zehn Jahre in die Vergangenheit zurück. Mindestens. Die hoppelige Federung scheint den Pixo von einer Bodenwelle zur nächsten zu katapultieren, ...
... die Lenkung reagiert verzögert und erfordert häufige Korrekturen, das elektronische Stabilitätsprogramm (590 Euro im Safety-Paket) regelt spät und dann ruppig.
Immerhin schafft der Dreizylinder, der aus einem Liter Hubraum 68 PS und 90 Nm Drehmoment holt, ...
... mit 13,5 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und 155 km/h Spitze ganz manierliche Fahrleistungen und bleibt mit 5,4 Litern pro 100 Kilometer recht bescheiden. Dramatisch wird es beim Bremsen: Der Pixo braucht aus 100 km/h fast 45 Meter bis zum Stillstand.
Sein Preis scheint attraktiv zu sein. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn der mit 11.020 Euro günstigste Knirps in diesem Feld geizt auch bei der Ausstattung. Immerhin bringt der Nissan Pixo More ...
... zwar eine Klimaanlage ab Werk mit, Bordcomputer und Außentemperaturanzeige gibt es aber gar nicht, die Außenspiegel müssen von Hand verstellt werden.
Platz drei mit 267 von 500 Punkten: Der Renault Twingo ist ein Sympathieträger, dem die Kunden sicher viele seiner Schwächen nachsehen. Im harten Test werden diese aber mit Punktabzug bestraft.
Bei seiner Geburt 1992 war er einfach nur süß und quasi auf Anhieb der Liebling aller Frauen. Doch 2007 sollte er nach dem Willen seiner Väter endlich erwachsen werden, ...
... Twingo Nummer zwei guckte also ernsthafter bis langweilig – und die Mütter wandten sich enttäuscht ab.
Jetzt gibt es ein Facelift, mit großen runden Nebelleuchten wie einst und geteilten Rückleuchten – was die Kunden wieder zum Knuddeln animieren soll.
Der geräumige Innenraum mit der genialen Rückbank zum Hin- und Herschieben weckt da Hoffnung – auch wenn die fehlenden Türen hinten trotz des guten Easy-Entry-Systems nicht ganz kompensiert werden können.
Immerhin fährt im Twingo wahlweise die Familie oder alternativ die Waschmaschine mit – das kann in diesem Vergleich nicht jeder für sich reklamieren. Hinter die Heckklappe passen immer mindestens 165 Liter, ...
... durch Vorklappen der beiden Rücksitze entsteht der mit 959 Litern größte Laderaum dieses Vergleichs.
Der laufruhige Motor, einziger Vierzylinder und mit 75 PS und 107 Nm auch der stärkste im Test, ...
... zeigt eine gewisse Spurtfreude. Mit 13 Sekunden auf Tempo 100 und 169 km/h Spitze ist der Twingo der Schnellste im Test. Doch trotz Drehmomentvorteils verdirbt der zu lang übersetzte fünfte Gang die Elastizität, ...
... während die langen Schaltwege den Gangwechsel auch nicht gerade zum Vergnügen machen. Also bummeln wir gemütlich über Land und wundern uns, dass dennoch 6,0 Liter pro 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen rauschen.
Noch viel mehr erstaunt uns aber das knappe, weich gepolsterte Gestühl im Twingo. Seit dem ersten Franzosen-Floh scheint sich hier wenig getan zu haben, das Sitzgefühl schwankt immer noch zwischen durchgesessenem Ikea-Sessel und schlankem Campingstuhl.
Weil zudem auch die Federung keine Glanztaten vollbringt und schlimme Verwerfungen in der Straße auch als solche an die Passagiere weiterreicht, kommt im kleinen Renault reichlich Unruhe auf.
Verstärkt wird diese übrigens noch, weil ein ESP nicht zur Serienausstattung gehört und das Heck bei Lastwechseln durchaus eigene Wege zu gehen versucht.
Die im ersten Moment erstaunlich direkte, dann aber sehr entkoppelt wirkende Lenkung hilft da auch nur bedingt.
Farbige Knöpfchen und Blenden sollen den Innenraum pfiffiger machen
– nur dumm, dass Pistaziengrün nicht so recht zur Außenfarbe Blau passt.
Ziemlich sportlich zeigt sich der Twingo 1.2 LEV 16V 75 beim Preis. Als Liberty mit (zugegeben genialem) elektrischem Faltschiebedach und zusätzlicher 15-Zoll-Bereifung stehen gar nicht so bescheidene 12.400 Euro auf der Rechnung.
Platz zwei mit 305 von 500 Punkten: Der Korea-Knirps Kia Picanto ist ausgesprochen erwachsen. Fünf Türen, fünf Plätze, tolle Ausstattung. Zwar nicht ganz frei von Fehlern, aber ein guter Tipp.
Korea überrascht an der Kasse. Der frische Picanto kommt auf stramme 13.150 Euro – so viel verlangt in diesem Testfeld keiner. Aber er trägt für diese Summe bereits die sehr umfangreiche Spirit-Ausstattung, ...
... bei der CD-Radio mit USB-Anschluss sowie Knieairbag und aktive Kopfstützen mit drin sind. Obendrauf kommt das Komfort-Paket mit Start-Stopp-System und Klimaautomatik für 760 Euro extra.
Generell klotzt der Kia, wo die anderen mitunter nur kleckern. VW und Renault hat er die hinteren Türen voraus, ...
... als Einziger bietet er fünf Sitzplätze, in der Fahrertür lassen sich alle vier (!) elektrischen Fensterheber bedienen – vorn links sogar mit Automatik. Dazu noch ordentliche Platzverhältnisse ...
... und ein wirklich schicker Innenraum, der mit sauberen Passungen und ansehnlichem Softlack erfreut, zudem funktional einwandfrei daherkommt – das kann VW nicht besser.
Muss wegen des Schrebergartens doch mal ein Baumarkt-Anhänger mit, dann kommt am Kia ohnehin keiner vorbei. Mit 700 Kilo darf er ein Vielfaches von Pixo (200 Kilo) und Twingo (350 Kilo) ziehen, dem Up mag VW gar keine Anhängelast bescheinigen. In den Kofferraum passen immer 200 Liter, ...
... die umgeklappten Rücksitzlehnen vergrößern das Volumen auf maximal 870 Liter.
Der Picanto hätte fast als Erster durchs Ziel gehen können – wären da nicht Schwächen bei Motor und Bremsen. Der Einliter-Dreizylinder schickt eigentlich ausreichende 69 PS und 95 Nm an die Vorderräder und knurrt sich fröhlich in unsere Herzen, ...
... die unglückliche Getriebeabstufung lässt den kleinen Koreaner aber immer wieder in tiefe Drehzahllöcher stürzen. So geht es in 14,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis auf maximal 153 km/h.
Diese werksseitige Dynamik-Drosselung verhilft dem Picanto leider nicht mal zu einem Verbrauchswunder. 5,9 Liter sind angesichts verheißungsvoller Start-Stopp-Technik nicht wirklich wenig, der Up bleibt auch ohne dieses System fast einen Liter sparsamer.
Ordentlich dagegen, wie der Picanto die Fahrt über die Straßen der Republik absolviert. Die Federung ist eher straff, aber mit ausreichenden Reserven, ...
... zusammen mit den festen Polstern sind auch längere Strecken problemlos zu ertragen.
Dafür verspüren wir beim Bremstest aus 100 km/h Unbehagen: 40,8 Meter im Durchschnitt sind schlecht, besonders für einen noch nicht mal ganz ein Jahr alten Mini. Auch an dieser Stelle überraschen uns die Koreaner.
Platz eins mit 313 von 500 Punkten: Trotz braven Motors und magerer Ausstattung ist der VW Up spitze. Er bietet Platz, Komfort und hohe Sicherheit – und kostet als Move kein Vermögen.
Nanu, sehen wir hier die neue Bescheidenheit von VW? Den Einstiegs-Up mit gerade so noch ausreichendem 60-PS-Dreizylinder ...
... schicken uns die Wolfsburger in der recht ärmlichen Move-Ausstattung – neben dem ESP gehört hier nicht mehr viel zum Serienumfang. Selbst Bordcomputer (590 Euro) ...
... und Klimaanlage (895 Euro) kosten extra, eine Anzeige für die Außentemperatur gibt es nur im "Drive Pack Plus" für weitere 590 Euro – inklusive City-Notbremsfunktion, Tempomat, Parkwarner hinten und Multifunktionsanzeige.
Doch dafür bleibt der Move Up mit 11.260 Euro vergleichsweise günstig, die 610 Euro teuren 15-Zoll-Räder sind da schon mit eingerechnet. Und dank exzellenter Wiederverkaufschancen ...
... gewinnt VW tatsächlich das Kostenkapitel – obwohl die Garantie mit zwei Jahren lausig ist und der Up alle 15.000 Kilometer zur Wartung muss.
Beim Fahren wird der kleine Wolfsburger zu einem ganz Großen. Für diese Knirps-Klasse macht die Feder-Dämpfer-Abteilung einen wirklich guten Job, ...
... nur derbe Dellen im Asphalt versetzen den Up in den Hoppel-Modus. Die Passagiere murren trotzdem kaum, ...
... denn sie sitzen auf passgenauen, festen Polstern und genießen ein ziemlich erwachsenes Platzangebot.
Auch das annähernd sportliche Handling, die tadellose Fahrsicherheit, das angenehme Geräuschniveau und die bissfesten Bremsen lassen den Up über sich und seine Gegner hinauswachsen, ...
... wenngleich er im Sprint von 0 auf Tempo 100 mit 14,7 Sekunden der Langsamste ist. Bei 160 km/h Spitze muss er sich aber nur dem Twingo geschlagen geben. Testverbrauch: 5,1 l/100 km – sparsamer ist in diesem Vergleich keiner.
Selbst ausreichend Gepäck darf der Up mitnehmen: Mindestens 251 ...
... bis maximal 951 Liter sind nicht nur Bestwert in diesem Vergleich, sondern fast schon Polo-Niveau (280 bis 952 Liter). Die Hutablage dürfte allerdings ruhig mit der Heckklappe nach oben schwingen – im Up will sie von Hand angehoben sein.
Verbesserungsvorschlag Nummer zwei: Zum Einsteigen nach hinten sollte wie beim Twingo ein Handgriff reichen – im Up muss die Lehne nach dem Zurückschieben des Sitzes separat wieder in Position gebracht werden.
Und drittens: Statt eines per Zündschlüssel abschließbaren Tankdeckels erwarten wir diese Funktion per Zentralverriegelung. So bescheiden muss der Up nicht auftreten.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka: "Auch mit Basismotor und Einfach-Ausstattung fährt der Up an die Spitze der Knirps-Klasse. Und die Erklärung dafür ist recht simpel, ...
... der VW fährt einfach besser als alles, was sonst in diesem Segment antritt. Das muss auch der starke Kia Picanto anerkennen, der sich bis auf wenige Punkte an den Wolfsburger heranrobbt.
Der Twingo bleibt französischer Filou – nicht perfekt, aber sympathisch. Dem Pixo empfehlen wir eine gründliche Überarbeitung, vor allem der Bremsen."
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