Auch wenn es spektakulär aussieht: So etwas wie diese Grube meistern
Nissan Pathfinder,
Land Rover Discovery,
Toyota Land Cruiser und
Mitsubishi Pajero (von links) locker. Die vier sind eben keine weichgespülten SUVs, sondern waschechte Geländewagen – mit starken Dieseln. Welcher ist die beste Wahl?
Platz vier geht mit 309 von 500 möglichen Punkten an den
Mitsubishi Pajero. Im Vergleich wirkt der Japaner inzwischen etwas altertümlich. Besonders die Bremsen enttäuschen. Unter der Haube werkelt ein kräftiger, aber ungehobelter Diesel.
Lang ist es her. Der 1982 geborene Pajero war eine große Nummer, 1990 meistverkaufter Geländewagen in Deutschland, später Seriensieger der Rallye Paris–Dakar. Die aktuelle vierte Generation wird seit 2007 gebaut, ...
... stammt im Ursprung bereits aus dem Jahr 2000. Gut, dass der Mitsubishi damals mit selbsttragender Karosserie und Einzelradaufhängung ein moderner Allradler war. Sein Alter sieht man ihm kaum an. Außen zumindest ist er ein markanter, eigenständiger Typ.
Anders innen: Die Einrichtung wirkt leicht antiquiert, das Lenkrad lässt sich nur in der Höhe verstellen, der Fahrer sitzt weit weg von den Armaturen und zu hoch.
Etwas bequemer fühlen sich Passagiere im Fond, wo es ausreichend Platz für die Knie gibt. Nachteil: Lange Lulatsche müssen den Kopf einziehen, sonst gibt es Beulen. Der Pajero Instyle hat sieben Sitze – doch die Klappstühle in der letzten Reihe empfehlen sich nur Kindern.
Für den Antrieb sorgt ein gewaltiger 3,2- Liter-Vierzylinder-Diesel mit 200 PS und 441 Nm Drehmoment. Brummig, bullig, bärenstark, ...
... die schaltfaule Fünfstufenautomatik kommt kaum hinterher. So ist der Pajero bei glatten zwölf Sekunden von 0 auf Tempo 100 im Sprint auch der Langsamste, verbraucht mit 10,7 Litern auf 100 Kilomter im Testdurchschnitt dabei am meisten.
An dem schwerfälligen Fahrverhalten und dem eingeschränkten Komfort ist dem Pajero sein Alter durchaus anzumerken. Querfugen zum Beispiel lösen ein mittelschweres Erdbeben aus. Fürs Gelände indes ...
... ist er gut gerüstet mit seinem permanenten Allradantrieb über ein sperrbares Zentraldifferenzial sowie der Differenzialsperre hinten.
Der Preis von 52.290 Euro für den Pajero 3.2 DI-D Instyle kündet von starkem Selbstbewusstsein. Dafür liefert
Mitsubishi aber eine umfangreiche Ausstattung – und einen ehemaligen Paris–Dakar-Seriensieger. Wer kann das schon von sich behaupten?
Auf dem dritten Platz landet mit 318 von 500 Punkten der
Pathfinder. Mit seinem Design fällt der
Nissan auf, bleibt ansonten eher Mittelmaß. Zum Beispiel mit seinem ruppigen Motor. In diesem Vergleich ist er am preiswertesten.
Im Unterschied zu den anderen Geländegängern dieses Vergleichs ist die Historie des Pathfinder ein wenig unübersichtlich. Es gibt ihn eigentlich seit 1987, da hieß er aber in Europa noch Terrano, ...
... nur in den USA Pathfinder. Seit 2005 läuft das aktuelle Modell vom Band. Nissans Pfadfinder liebt den auffälligen Auftritt mit seinem betont kantigen Heck.
Sieben Sitze bietet der Nissan serienmäßig an, wir empfehlen die dritte Reihe aber wie im Mitsubishi nur dem Nachwuchs.
Vorn sitzt man erhöht, wenn auch nicht ganz so hoch wie im Pajero – und auch hier ist das Lenkrad nur höhenverstellbar.
Im geräumigen Fond hocken Reisende mit stark angewinkelten Beinen auf der flachen Bank.
Mit 2,5 Liter Hubraum setzt Nissan auf einen vergleichsweise kleinen Diesel, der Vierzylinder wirkt mit seinen 190 PS und 450 Nm Drehmoment jedoch ganz und gar nicht schmalbrüstig. Er läuft zwar recht rau, ...
... tritt nach einem kleinen Turboloch aber kraftvoll an (0–100 km/h: 11,4 s) und verbraucht mit 9,9 Litern auf 100 Kilometer deutlich weniger als der Pajero. Auch im Nissan überzeugt die Fünfstufenautomatik nicht komplett, ...
... sie schaltet zögerlich und unentschlossen. Auf der Straße fährt sich der poltrig federnde Nissan genauso vierschrötig, wie er aussieht, ....
... er ist dabei aber eine Spur handlicher als der Mitsubishi, und seine Lenkung spricht einen Hauch direkter an.
Der Allradantrieb des Nissan hat eine zentrale Mehrscheibenkupplung. Sperren sind nicht vorhanden.
49.570 Euro verlangt Nissan für den ordentlich ausgestatteten Pathfinder 2.5 dCi LE. Damit ist er der preisgünstigste Wagen im Vergleich – und rettet sich so auf Platz drei.
Der zweite Platz geht mit 341 von 500 Punkten an den
Toyota Land Cruiser. Die neueste Auflage des Klassikers schlägt sich bravourös. Üppiges Raumangebot, ausgeruhter Motor mit akzeptablem Verbrauch. Er ist allerdings nicht billig.
Der Klassiker zeigt auch in seiner aktuellen Generation keine Anzeichen von Verweichlichung. Er bleibt, was er immer war: ein Geländewagen ...
... von echtem Schrot und Korn. Mit einem stabilen Leiterrahmen, natürlich einer stabilen Starrachse hinten und ...
... einem permanenten Allradantrieb inklusive Torsen-Zentralsperre. Wer auch das Differenzial der Hinterachse sperren will, zahlt dafür 1500 Euro (im Paket).
Der Land Cruiser ist nicht unbedingt der Schönste im Land, aber ein Typ, der mit inneren Werten glänzt. Zum Beispiel ...
... mit erstaunlich viel Komfort, einem riesigen Raumangebot vorn und hinten, ...
... fünf gemütlich weichen Sesseln und einer überraschend soliden Verarbeitungsqualität. Wer sieben Passagiere auf einen Streich transportieren möchte, muss allerdings 2250 Euro zahlen (als Executive).
Der mächtige Dreiliter-Vierzylinder-Diesel brummt kräftig und stampft mit dem bulligen Gemüt eines Wasserbüffels los, ...
... unermüdlich, nie nachlassend, so dass Tempo bereits nach 11,7 Sekunden auf dem Tacho steht. Und er bleibt dabei ähnlich sparsam wie das genügsame Tier: 9,6 Liter Diesel aus 100 Kilometer sind Bestwert im Vergleich.
Nur die übereifrige Automatik, die manchmal hektisch durch die Gänge schaltet, wirkt in diesem beruhigenden Umfeld ein wenig deplatziert. Erstaunlich: Obwohl der Toyota gar nicht der schwerste Geländewagen im Vergleich ist (der Land Rover wiegt über 260 Kilogramm mehr), ...
... fährt er sich wuchtig, massiv. Dabei wirkt er allerdings nicht unhandlich – das liegt an der leichtgängigen Lenkung.
Mit 54.350 Euro ist der Toyota Land Cruiser 3.0 D4-D Life das teuerste Auto in diesem Vergleich. Fans, Abenteurer und UNO-Truppen wird das sicherlich nicht schrecken.
Auf Platz eins mit 354 von 500 Punkten: der
Land Rover Discovery. Hinter seinem gediegenen Auftritt stecken ordentlich Platz, der mit Abstand beste Antrieb, hoher Fahrkomfort, zuverlässige Bremsen. Und viel Charme.
Auch Land Rover ist der Tradition verpflichtet, legendäre Geländewagen zu bauen. Genau wie Toyota. Doch den Discovery gibt es tatsächlich erst seit 1989. Die aktuelle vierte Generation ähnelt erstaunlich stark dem feinen Bruder
Range Rover, ...
... und das nicht nur äußerlich. Die kantige Karosserie bringt viel Platz, ein luftiges Raumgefühl und eine erstklassige Übersicht mit. Eingerichtet ist der Landy so elegant und stilsicher wie kein Zweiter – fast wie ein Range.
Das sollten sich die Japaner gelegentlich mal anschauen: Vorn und hinten sitzen die Passagiere angenehm aufrecht, entspannt auf langen Strecken – und vor allem im Fond mit Abstand am besten. Zwei zusätzliche Sitze für die dritte Reihe liefert Land Rover für faire 1570 Euro
Motortechnisch fährt er in einer anderen Liga als Pajero, Pathfinder und Land Cruiser. Sein Dreiliter-V6 mit 211 PS und 520 Nm, der den bisher eingesetzten 2,7-Liter mit 190 PS ersetzt, ...
... läuft im Vergleich lebhafter als die Vierzylinder der Konkurrenz, vor allem viel geschmeidiger. Er beschleunigt den Wagen in 10,4 Sekunden auf Tempo 100, verbraucht allerdings auch 10,5 Liter auf 100 Kilometer im Testdurchschnitt.
Ab September gibt es eine Achtstufenautomatik, doch schon die aktuelle Sechsstufenversion ist besser als die Automaten der Vergleichsgegner. Sie schaltet weich und schnell, ...
... passt bestens zum gediegenen Fahrkomfort. Darüber hinaus fährt sich der Landy vergleichsweise agil, federt harmonisch und bremst besser als die drei Japaner – trotz seines hohen Gewichts von 2,6 Tonnen. Respekt.
Gut gewappnet: Wer sich mit dem Land Rover abseits befestigter Pisten bewegt, ...
... kann auf einen permanenten Allradantrieb, Zentraldifferenzial mit elektrischer Sperre sowie eine Differenzialsperre hinten vertrauen.
Mit 51.440 Euro inklusive 19-Zoll-Bereifung (540 Euro) ist der Land Rover Discovery 4 3.0 TDV6 SE das zweitgünstigste Angebot in diesem Vergleich. So wird der Engländer am Ende auch noch Preis-Leistungs-Sieger.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Vier sympathische Typen, diese Kies-Größen. Weil sie so ganz anders sind. Anders zum Beispiel als die derzeit angesagten SUVs. Nicht handlich, ...
... sondern sperrig. Autos mit Charakter, vertrauenerweckend und beruhigend. Schon gut, die Sahara werden wohl die wenigsten damit durchqueren – aber möglich wäre es eben. Die technisch feinste Klinge schlägt der Discovery, ...
... auch der aufwendig gemachte Land Cruiser überzeugt. Pathfinder und Pajero können nicht mehr ganz folgen."
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.