Familientreffen im kalifornischen Santa Monica: Der neue VW Bulli (links) trifft seinen Urahnen, den T1-Fensterbus (rechts). Der darf übrigens entgegen der weit verbreiteten Meinung nur dann Samba-Bus heißen, wenn es das Sondermodell mit Faltdach und zusätzlichen Fenstern im Dach ist.
Schau mir in die Augen, Kleiner. Aber in welche? Oben machen vier LED-Leuchten die Nacht zum Tag, unten blinzelt der Bulli aus runden Retro-Rundscheinwerfern nach Vorbild des T1. Beide Autos treten im creme-roten Outfit auf, so als würde es die 48 Jahre Zeitunterschied nicht geben.
Während der 44 PS starke 1,5-Liter-Boxer im T1 seinen unverwechselbaren Bob-Dylan-Joe-Cocker-Singsang blubbert, ...
... bleibt der neue Bulli stumm wie ein Fisch. Sein Lithium-Ionen-Batteriekit wurde vom Zoll konfisziert, deshalb müssen wir den theoretisch 115 PS starken Van zu den Fotostandorten schieben.
Aber erst mal hat das Original seinen Auftritt: Der schmalbeinige Heckmotor-Klassiker mit Käfer-Genen und dem 15-Fenster-Aufbau sorgt nicht nur bei den Althippies für Szenenapplaus. Auch Surfer, Skater, Boarder und Biker sind begeistert, ...
... bis sie den neuen Bulli entdecken und ihr Herz an den Newcomer verlieren. Sie stellen Fragen: Wann kann man den Wagen kaufen, was kostet er, und welche Antriebe sind vorgesehen?
Die Antworten, leider noch ohne Gewähr: ab Mitte 2015 ab circa 15.000 Euro mit Elektromotor oder Verbrenner, später vermutlich auch als Hybrid. Besser fahren als der Ur-Bulli mit der geteilten Windschutzscheibe und der O-beinigen Pendelachse wird der Neue auf jeden Fall, ...
... denn der Motor des T1 droht immer wieder an seinen überlangen Atemwegen zu ersticken, der Schalthebel stochert im schlecht synchronisierten Viergang-Getriebe, das fast waagerechte Steuerrad ...
... befehligt eine schwergängige Wünschelruten-Lenkung mit riesigem Wendekreis, das kippelige Fahrwerk neigt schon auf kleinen Bodenwellen zu großen Gesten. Trotzdem ist der luftgekühlte Knatterbruder ...
... ein unvergessliches Erlebnis, das nach afri cola schmeckt und noch heute herrlich nach verbleitem Kraftstoff duftet.
Neben dem Oldie wirkt der neue Bulli reduziert, kompakt, pragmatisch, eine Spur unterkühlt. Der Wagen, der innen so geräumig wie ein
Golf ist und außen so kompakt wie ein
Polo, misst kurze 3990 Millimeter in der Länge, ...
... 1750 Millimeter in der Breite und 1700 Millimeter in der Höhe.
Auf 2620 Millimeter Radstand verteilen sich sechs Sitze, drei vorn und drei hinten, ...
... deren patentierter Klappmechanismus aus dem Kleinbus ein über zwei Meter langes Doppelbett macht.
Im neuen Bulli sitzt der Fahrer wie in einem
Touran – nur luftiger. Die Rundumsicht bietet die Panoramaqualität eines Wintergartens, ...
... die Zwei-Pedal-Bedienung – der Bulli kommt immer mit DSG – dürfte ein Kinderspiel sein, ...
... das minimalistische Cockpit ist eine Verbeugung vor der Generation iPad. Das Starten und Gangeinlegen geht über einen Drehknopf am Kombiinstrument, das mit verschiedenen Zahlen, Bildern und Piktogrammen bespielt werden kann.
Ein iPad ist serienmäßig an Bord, auf einem Schwenkarm zwischen Fahrer und Beifahrer. Am unteren Rand der Halterung befinden sich die berührungsempfindlichen Schieberegler der Klimaautomatik. Statt Radio und CD-Spieler hat der Bulli ein mittig auf dem Armaturenbrett platziertes Dock für iPod und iPhone.
Als erste Variante des VW Bulli ist 2015 ein emissionsfreies E-Modell vorgesehen, das trotz 1450 Kilo Leergewicht in 11,5 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen, 140 km/h schnell sein und 300 Kilometer weit kommen soll, ...
... in einem zweiten Schritt sind drei 1,4-Liter-Verbrenner mit 110 bis 140 PS vorgesehen, ein Full Hybrid soll 2016 das Angebot abrunden.
Das Fazit von AUTO BILD-Autor Georg Kacher: "Der neue VW Bulli verströmt genauso viel Flair wie das Original von 1963, ist mit 370 bis 1600 Liter Kofferraum und der vielfachen Sitzverstellung aber viel variabler und praktischer. Dazu kommen ...
... die drei modernen Antriebs-Alternativen. Der Bulli hat das Zeug zum klassenlosen Lifestyle-Stromer, der in den Reihen der eher pragmatischen Modelle
Toyota Prius,
Nissan Leaf sowie
Opel Ampera und
Chevrolet Volt für ausgeprägte Spannungsschwankungen sorgen dürfte."
Hätten Sie’s gewusst? Für einen perfekten VW T1-Samba-Bus werden schon über 50.000 Euro verlangt. Ob diese Summe je bezahlt wird, steht auf einem anderen Blatt, ...
... sie zeigt aber deutlich, frühe VW-Busse sind längst Kult. Auch ihre Nachfolger T2 (1967–1979) ...
... und T3 (1979–1992) haben schon viele Fans gefunden. Was sie eint: Alle drei fahren mit Heckmotor, treiben die Hinterräder an. Kein Wunder, greift der Ur-Bus, ...
... der T1 (1951–1967), doch weitgehend auf Käfer-Technik zurück.
Der T4 markiert 1990 beim VW Bus dann die Technikwende: Antrieb und Motor wandern nach vorn, ...
... was natürlich auch beim T5 immer noch so ist. Seit 2003 ist die jüngste Generation des VW Bus zu haben, seit dem Facelift 2010 trägt sie das aktuelle Markengesicht.
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