Mit dem
Up (links) bekommt der
VW Polo Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Zumindest beim Preis hat der Neue die besseren Argumente. Und sonst? Zwei kleine Wolfsburger im Vergleich.
Endlich mal wieder eine kurze, knackige Nase. Der Up (links) hat den 25 Zentimeter kürzeren Überhang vorn und entlarvt den Polo als optischen Biedermann.
Der Polo (links), satte 43 Zentimeter länger, wirkt stattlicher, vollständiger. Insgesamt vertrauter, ...
... und gerade deshalb könnten Trendkäufer auf den Up fliegen, der aussieht wie ein Polo nach der Fettabsaugung. Straffer, jünger und dennoch mit allen Schlüsselreizen, die sagen: ein VW. Er verlangt halt ein bisschen Gewöhnung, ...
... was noch mehr für die Einrichtung gilt. Dass der Up in seiner erschreckend nackten Basisversion (mit Einzeltacho, offenem Handschuhfach und Fensterkurbeln) auf Studentenfutter machen kann, ...
... wollen wir mal bewusst ausblenden. Zumal der Testwagen als "High Up" vorfährt, der mit lackierter Cockpitblende, dreifarbigen Polstern und aufgesetztem Navi-Monitor (355 Euro extra) zeigt, was dem Polo fehlt: ein Schuss Farbe, ein Schuss Frische und Jugend.
Der Polo spielt mit viel schwarzem Plastik und der hinterschäumten Armaturentafel gern den Mini-
Golf. Seriöses Schrankwand-Design, Wolfsburger Barock im Jugendstudio: Da ist der Hebel zur Sitzverstellung kein Rohr, sondern ein Hebel, die Kopfstütze vorn höhenverstellbar, das Handschuhfach größer.
Aber der Polo bietet – hoppla, die größte Überraschung – zumindest gefühlt nicht mehr Platz: egal ob vorn für die Schultern ...
... oder auf der knappen Rückbank für die Knie. Ein Vollwert-Viersitzer für alle Tage sieht deutlich anders aus.
Der Up erscheint subjektiv sogar luftiger, weil die Insassen vier Zentimeter höher sitzen und die Fensterkante tiefer liegt.
Reihe zwei, eine Qual für Mensch und Auto. Mit vier Passagieren ist die Zuladung ausgeschöpft.
Der Kofferraum des Up ist 30 Liter oder eine Tasche kleiner als im Polo, ...
... er fasst immerhin 251 Liter, ist kurz aber hoch. Liegt die Rückbank flach, schluckt der Up 951 Liter, ...
... was ziemlich genau dem Maximalvolumen des Polo entspricht (952 Liter). In fünfsitziger Konfiguration bietet der Kofferraum (280 Liter) mehr Ladetiefe.
Gleichstand herrscht unter der Haube nur bei den drei Zylindern. Die klingen unter Last grundsätzlich immer etwas kaputt, was VW aber ganz ordentlich wegdämmt. Der neue Einliter im Up (75 PS, 95 Nm) ist rein technisch betrachtet der modernere, leichtere Motor, ...
... der nicht nur fünf PS mehr leistet, bei 13,2 Sekunden eine knappe Sekunde schneller auf Tempo 100 kommt, sondern (auf dem Papier) auch 0,8 Liter/100 km weniger verbraucht.
Unter der Haube des Polo holen die drei Zylinder aus 1,2 Litern Hubraum 70 PS und 112 Nm Drehmoment, ...
... was für 14,1 Sekunden auf Tempo 100 reicht. Verbrauch: 5,5 l/100 km. Im Alltag gehören beide Motoren zur Liga der Geduldsmaschinen. Heißt: Wenn der Fahrer aufs Gas tritt, hat er genug Zeit, ...
... über die Vorzüge solcher Sparzwerge nachzudenken. Ungeduldige werden die Dreizylinder drehen, um ihnen jenseits der 4000 Touren Leistung abzuquetschen – solche wenig artgerechte Haltung wird mit Benzinverbrauch von mehr als sechs Litern bestraft. Mehr Leistung verkraften die VW-Brüder problemlos, ...
... auch der wendigere Up, der mit seiner leichtgängigeren Lenkung und der weicheren Federung gern den springlebendigen Stadtfloh heraushängen lässt. So taucht er tiefer in die Federn ...
... und neigt sich in Kurven stärker, weshalb das fürsorgliche ESP früher eingreift als im Polo, ...
... der die Schläge an der Vorderachse besser schluckt und in Kurven die standfesteren Sportlergene zeigt. Zudem verspricht der Polo im Ernstfall ...
... den besseren Unfallschutz, wie seine fünf Sterne im Euro NCAP-Crashtest beweisen. Der Up peilt vier Sterne an, die Prüfung steht noch aus. Doch das dürfte die meisten Kunden weniger interessieren ...
... als ein Vergleich der Preislisten. Im "High Up" sind Aluräder, Klimaanlage, CD-Radio und Zentralverriegelung serienmäßig an Bord, auch Nettigkeiten wie Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer oder der höhenverstellbare Ladeboden erleichtern das Leben. Die 13.050 Euro sind viel Geld, aber wir sind schließlich bei VW.
Der vergleichbare Polo 1.2 kostet als Comfortline 14.525 Euro, dazu kommen Aluräder (435 Euro), Lederlenkrad (165) und Radiosystem (ab 490). Da geht's beim Polo erst los, ...
... bietet doch der Händler verlockenden Luxus aus der nächsthöheren Auto-Etage: Xenonscheinwerfer, Benzinmotoren bis zu satten 180 PS oder tolle Multifunktionslenkräder. Aber wer braucht das wirklich?
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat: "Rund 40 Prozent aller Käufer wählen den Polo mit Dreizylinder – die kriegen jetzt den günstigeren VW, ...
... denn wer zu zweit und viel Kurzstrecke fährt, kann mit dem Up ohne großen Verzicht 2600 Euro sparen. Der kleinste Wolfsburger ist flotter, umweltschonender ...
... und wird mit seinem Können auch bei anderen Marken räubern. Nur wer das Vollwert-Auto sucht, braucht den sicheren, dynamischeren Polo."
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