Kia Rio und
Toyota Yaris schieben sich formatfüllend nach vorn. Können sie den
VW Polo tatsächlich in den Hintergrund drängen? Ein erster Fahrvergleich, noch ohne Messungen und Punkte, soll zeigen, wo die Neuen stehen. Beide sind auf jeden Fall größer und besser als zuvor ...
... und komplett neu eingekleidet. Besonders dem sehr ansehnlichen Rio hat Kia-Chefdesigner Peter Schreyer ein paar scharfe Züge ins Blech gebügelt, kein Vergleich mehr mit dem farb- und gesichtslosen Vorgänger.
Der Toyota wirkt glatt und modern, trägt jetzt einen auffälligen Grill mit vorgestrecktem Markenemblem. Aber beim Yaris hat Toyota nicht nur die Nase gerichtet, ...
... sondern auch das Cockpit aufgeräumt. Hier gibt es jetzt endlich kein albernes Mitteldisplay mehr, sondern ordentliche Instrumente vor dem Fahrer, ...
... und für einige Kunststoff-Oberflächen haben die Japaner interessante (aber staubsammelnde) Strukturen gefunden.
Das tolle Multimedia-Audiosystem ist ab Life Serie, das Navi kostet nur 550 Euro. Kann viel, mit Klasse-Grafik und logischer Bedienung.
Der Yaris-Fahrer sitzt etwas sehr weit weg von den Armaturen, der Verstellbereich des Lenkrads ist zu klein.
Vorn und hinten gibt es ordentliche Platzverhältnisse, bei großen Leuten wird aber die Luft über dem Scheitel knapp. Die Lehne ist ziemlich flach, außerdem ist die Rückbank nicht mehr verschiebbar.
Besonders im Fond zeigt der Kia Größenvorteile gegenüber den beiden anderen. Auch stattliche Europäer wie Redakteur Dirk Branke (1,93 Meter) fühlen sich hier anständig aufgehoben, eher wie in einem Kompakt- als in einem Kleinwagen.
Das gilt auch für das Kia-Cockpit. Der Rio ist chic und modern eingerichtet, vielleicht ein bisschen verspielt, mit vielen soften Oberflächen und wenig grauem Hartplastik. Das kommt einem Polo schon ziemlich nahe, die Koreaner haben – mal wieder – riesige Fortschritte gemacht.
Sehr zu empfehlen ist das Sieben-Zoll-Navi, im Paket für 990 Euro zu haben, aber leider nur ab Spirit-Ausstattung. Es überzeugt mit einfacher Bedienung und schöner Optik.
Der VW bleibt mit seiner geschmacksneutralen Nichtangriffs-Einrichtung und der sorgfältigen Verarbeitung der Maßstab. Klar, aufregendes Design sieht anders aus, aber bei Feinschliff und Funktionalität macht VW in dieser Klasse vorerst niemand was vor.
Ärmliche Grafik, weniger Funktionen: Das RNS-310-Navi fällt hinter Toyota und Kia deutlich zurück. Und ist mit 1175 Euro viel zu teuer.
Der Polo hat die bequemsten Sitze des Vergleichs, mit seinem Platzangebot sortiert er sich zwischen Rio und Yaris ein. Großzügig, ...
... aber im Fond eben enger als der Rio.
Beim Kofferraumvolumen liegen die drei Konkurrenten auf einem Niveau. Der VW Polo schluckt zwischen 280 und 952 Liter, ...
... ins Heck des Kia Rio passen zwischen 288 und 923 Liter, ...
... und der Toyota Yaris verpackt immer 286 Liter. Hier fällt das Maximalvolumen mit 768 Litern allerdings deutlich kleiner aus, als bei Rio und Polo.
Angetrieben wird der VW in diesem Vergleich von einem heiseren 1,2-Liter-Dreizylinder mit 70 PS und 112 Nm. Lebhaft, drehfreudig und nicht unsympathisch, ...
... aber stets auch angestrengt und bemüht. In 14,1 Sekunden ist der Polo (der nur für die Fotos als Dreitürer dabei war) auf Tempo 100, erreicht maximal 165 km/h. Für den nächstgrößeren Vierzylinder (1,4 Liter, 85 PS) verlangt VW übrigens einen Aufschlag von 975 Euro.
Der Polo rollt weicher und satter ab als die beiden Asiaten, ...
... federt gerade im direkten Vergleich am komfortabelsten.
Mit seiner präzisen Lenkung fährt er sich angenehm handlich und zielgenau. Genau da kommt, trotz allen Fortschritts, ...
... der Kia nicht mit. Seine Lenkung spricht zäher an, wirkt schwammig.
Größter Vorteil des Rio: Er hat einen Topf mehr unter der Haube als Toyota und VW mit ihren Dreizylindern. Dieser 1,2-Liter mit 85 PS und 121 Nm stammt bestimmmt nicht von Vollblütern ab, ...
... tritt aber kräftiger an als die anderen Motörchen, zieht fülliger durch. Das passt zur gelassenen Abstimmmung, ...
... auch wenn der Kia nicht ganz so souverän liegt wie der Polo. Die Fahrleistungen in Zahlen: Von 0 auf Tempo 100 sprintet der Rio in 13,1 Sekunden, maximal sind 172 km/h drin.
Der Yaris rollt steifer ab als der Rio, seine Lenkung wurde offenbar von einem Spielkonsolen-Hersteller zugekauft, so leichtgängig und gefühllos arbeitet sie. Alles aber nicht wirklich schlimm, ...
... der Toyota wiegt rund 100 Kilo weniger als VW und Kia und fährt sich genau so: leicht und locker. Bei den Fahrleistungen (0–100 km/h: 15,3 s; Vmax: 155 km/h) liegt er trotzdem hinten.
Angetrieben wird er von einem schmalbrüstigen Einliter-Dreizylinder mit 69 PS, einem aufgeregt hechelnden und knurrenden Aggregat. Er dürfte am wenigsten verbrauchen, Toyota gibt 4,8 Liter auf 100 Kilomter an. Kia (5,0 Liter) und VW als BlueMotion Technology (5,2) liegen knapp drüber.
Und die Preise? Kia wirbt für den Rio gerade mit einem Einstiegspreis von 9990 Euro, liefert dafür den 1,2-Liter als Dreitürer in der Grundausstattung Attract. Ein Schnäppchen. Der hier gefahrene Fünftürer mit Spirit-Ausstattung kostet schon 15.190 Euro – inklusive kompletter Ausstattung und sieben Jahren Garantie.
Davon dürfen sowohl Toyota- als auch VW-Fahrer bis auf Weiteres nur träumen. Der Yaris steht als 1.0 mit Life-Ausstattung für 14.750 Euro in der Liste, ...
... der VW Polo als fünftüriger 1.2 BlueMotion Technology (BMT) Comfortline für 15.685 Euro. Hier ist der Polo Spitze. Und bleibt es auch in der ersten Endabrechnung. Noch jedenfalls. Der Vorsprung wird knapper.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Bemerkenswert, was die Koreaner aus dem Kia Rio gemacht haben. Was jetzt noch fehlt, ist der letzte Schliff, die Feinarbeit an Motor, Fahrwerk, Lenkung, ...
... und dieser Schritt wird schwer werden. Noch eine Erkenntnis: Super-Sonder-Billig-Angebote kommen auch von den Koreanern ganz bestimmt nicht mehr. Toyota zeigt mit dem neuen Yaris weniger Mut, setzt auf zurückhaltendes, unauffälligeres Design. Gerade ein Auto wie der Yaris ...
... wird es angesichts der erstarkten Korea-Konkurrenz schwer haben. Das gilt natürlich auch für den Polo. Doch der – ausgewogen, komfortabel, ohne große Schwächen – bleibt erstmal vorn. Noch."
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