VW hat den
Tiguan renoviert. Offiziell wird das aufgefrischte SUV als "neuer Tiguan" verkauft. Wie er sich fährt, klärt der erste Fahrbericht.
Hinter dem Begriff "neu" versteckt sich aber aber nur eine Modellpflege, die so vorsichtig ausfällt wie beim
Golf: zwischen behutsam und banal. Das Facelift geht gerade so weit, diesen Begriff zu rechtfertigen. Den wichtigsten Fortschritt trägt der
Tiguan weithin sichtbar vor sich her.
Das neue Gesicht verabschiedet das Gute-Laune-Grinsen des Urmodells. Ernst statt lustig – steht ihm gut. Mit den Zügen des größeren Modellbruders
Touareg sieht er erwachsener aus, dafür muss er die Mode mit den stechenden Tagfahr-LEDs mitmachen. Und das immergleiche VW-Markengesicht bekommt bereits etwas von uniformer Langeweile.
Hinter der neuen Nase blieb der Vielseitigkeits-Künstler unangetastet. Türen, Dach, Kotflügel, Griffe – frei nach dem Motto: am besten nichts Neues.
Am Heck fallen die neu gestalteten Rückleuchten auf, sie strahlen jetzt im Golf-Stil.
Bedauerlich: Der Wunsch, etwa den Allradantrieb einzusparen, wird weiter enttäuscht. Warum gibt es keine Benziner mit Frontantrieb und Automatik? "Wir überprüfen den Bedarf", heißt es bei VW. So werden Käufer ...
... weiterhin zum teuren Diesel (ab 30.000 Euro) gedrängt. Unter der Haube trifft VW ...
... den guten Ton schon besser: Der Zweiliter-TDI mit 140 PS (mit 54 Prozent Kaufanteil beliebtester Motor im Tiguan) geht akustisch erfreulich dezent zu Werke. Sportliche Ambitionen kommen in keiner Situation auf, allein die hohe Sitzposition legt sich besänftigend wie eine gütige Hand auf jeden Anflug von Vettel-Feeling.
Das Cockpit ist so einfach zu bedienen, dass man viele Knöpfe mit geschlossenen Augen findet. Gut so, weil das viele Grau nun wirklich keine Freude bereitet. Spiegelt dieses Interieur etwa den deutschen Geschmack wider?
Schluss mit Nackenschmerzen und dem Geierhals: Diese neuen Kopfstützen vorn stammen aus dem Passat und lassen sich nicht nur in der Höhe ...
... sondern auch längs zum Kopf hin verstellen. Was uns besonders gefällt: Im Tiguan sind sie bereits ab der Basisversion Serie.
Im geräumigen Fond des Tiguan sitzt es sich kommod. Wer Kinder durch die Gegend fahren muss, wird von den Fahrgästen auf der längs verschiebbaren Sitzbank kein Murren, sondern eher ein Friedensangebot hören: "Papa, eigentlich ist deine Musik doch ganz nett!"
Die Preisliste startet bei 24.175 Euro (1.4 TSI, 122 PS). Wer jetzt den "neuen Tiguan" bestellt, bekommt sein Auto leider frühestens im November – klingt irgendwie nach Golf, oder?
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