Der unumstrittene Bestseller bei den kompakten SUVs war bisher der
VW Tiguan (vorne). Um diese Position auch in Zukunft zu sichern, gab es jüngt ein Facelift. Reicht das aus, um gegen
Ford Kuga,
BMW X1 und
Honda CR-V (hinten, von links) an der Spitze zu bleiben?
Zum Vergleich treten die vier Konkurrenten mit Dieselmotoren und Allrad an. Für den 4x4-Antrieb entscheidet sich bei Tiguan und X1 nur noch jeder zweite Käufer. Beim Kuga liegt die Quote bei 72 Prozent, den CR-V gibt es ausschließlich mit vier angetriebenen Rädern.
Mit 328 von 500 Punkten auf Platz vier: Der
Honda CR-V lockt vor allem mit einem tollen Platzangebot. Leider ist der spritzige Motor auch recht durstig, das Fahrwerk unausgewogen.
2010 gab es ein Facelift und den neuen Diesel, dennoch wirkt der schon 2006 eingeführte CR-V inzwischen angestaubt. Anders als die Konkurrenz ...
... bietet Honda sein SUV nicht als 2WD-Variante an, und das rächt sich doppelt – denn bei diesem Auto bedeutet Allrad im Wesentlichen hohes Gewicht ...
... und hohen Verbrauch. Schwerer (1762 Kilo) und vor allem durstiger (7,7 l/ 100 km) ist in diesem Vergleich keiner. Hinzu kommt das nur durchschnittliche Fahrwerk. Auf welligen Pisten ist der Fahrkomfort zwar durchaus befriedigend, ...
... Absätze, Fugen oder Schwellen klopfen aber direkt im verlängerten Rücken des Fahrers an. Straffe Dämpfer und weiche Federn ...
... lassen den Wagen in Kurven zudem ordentlich Schlagseite aufbauen. Gefahr besteht dabei dank des ESP allerdings nicht.
Die droht eher von den schwachen Bremsen: Bei der ersten Kaltbremsung noch gerade so unter 40 Meter, erfordert der Stopp aus 100 km/h bei warmer Bremse schon 41 Meter – über eine Wagenlänge mehr als beim BMW. Aber der Honda hat auch gute Seiten, ...
... der 150 PS starke 2,2-Liter-Diesel ist nicht nur geschmeidig und gut gedämmt, er sprintet mit 10,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 auch am schnellsten. Die 350 Nm Drehmoment machen Überholvorgänge zum Vergnügen.
Außerdem hat der CR-V viel Platz im Fond und fürs Gepäck: Mit 524 bis 1532 Litern Fassungsvermögen markiert der Japaner den Bestwert im Vergleich – die bescheidenen 398 Kilo Zuladung setzen dem allerdings dann wieder enge Grenzen.
Der Japaner bietet ein solide gefertigtes Interieur mit DVD-Navi (ab 2600 Euro) ...
... und günstig platziertem Schalthebel, die Oberflächen sind aber recht kratzempfindlich
Teurer ist in diesem Vergleich keiner: Für den Honda CR-V 2.2 i-DTEC in der Ausstattungslinie Elegance werden 33.950 Euro fällig. Im Preis eingerechnet ist das Advantage-Paket für 1600 Euro.
Platz drei geht mit 333 von 500 Punkten an den Ford – der X1 aus Köln: eher straff gefedert und nicht sehr geräumig. Bei Bremsen, Fahrleistungen und Qualität erreicht der
Kuga aber nicht BMW-Niveau.
Außen chic, innen schlicht – der Kuga macht richtig, was beim neuen
Focus und Co gründlich danebenging. Im Klartext: Die designorientierte Verspieltheit der Karosserie ...
... wiederholt sich im Cockpit nicht. Im Gegenteil, im Kuga herrscht wohltuende funktionale Schlichtheit.
Allerdings wirkt das Interieur nicht besonders solide: Die Box zwischen den Vordersitzen wackelt stark, und der Handschuhfachdeckel aus sprödem, kratzempfindlichem Hartplastik enttäuscht.
Immerhin fährt sich der Ford bemerkenswert lebendig und bietet dabei noch ordentlichen Komfort, ...
... auch die erstaunlich direkte Lenkung lässt viel Fahrspaß aufkommen.
Im Kuga sorgt ein zwei Liter großer Vierzylinder mit 140 PS und 320 Nm für Vortrieb. Der Motor tritt ausreichend gleichmäßig und laufruhig auf, ...
... könnte angesichts der großen Fahrwerkqualitäten allerdings mehr Feuer vertragen. So geht es in 11,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und bis auf 184 km/h Spitze – bei der Höchstgeschwindigkeit fährt er den anderen hinterher.
Familien und Freizeitsportler erwarten von so einem Kompakt-SUV viel Platz. Und da muss der Kuga passen. Vorn bietet er auf zu kurzen und zu hoch montierten Polstern das geringste Platzangebot, im Fond kneift nur der X1 noch stärker.
Dazu kommt mit 410 Litern auch noch der kleinste Kofferraum, schon ein Focus schluckt 363 Liter. Immerhin lässt sich das Volumen ...
... auf 1405 Liter vergrößern. Unser Eindruck: Hier frisst eindeutig die Form die Funktion. Als Trostpflaster drucken die Kölner ...
... aber auch in der Preisliste die kleinsten Zahlen ab: Im feinen Titanium-Trimm kostet der Kuga 2.0 TDCi 4x4 31.250 Euro – die Konkurrenz verlangt ein bis zwei Tausender mehr.
Das tolle Handling des
BMW X1, das einem Pkw kaum nachsteht, wird mit zu viel Fahrwerkhärte erkauft. Und im Fond geht es beengt zu – deswegen reicht es für den Münchner nur zu Rang zwei mit 350 von 500 Punkten.
Ja ja, wissen wir doch. BMW verkauft Freude am Fahren. Sogar bei seinem Kompakt-SUV X1 mit dem kleinen Zweiliter-Diesel. Entsprechend fährt sich der Bayer auch, ...
... zielgenaue Lenkung, kurvenhungriges Fahrwerk, sauber rastende Sechsgangschaltung, Bremswege um die 35 Meter. Lecker, so agil und handlich fährt sich hier sonst keiner.
Doch warum müssen wir für diesen sportlichen Spaß mit unseren Bandscheiben bezahlen? Schlecht geflickte Straßen oder Ausflüge auf Waldwegen quittiert der X1 jedenfalls mit schroffen Schlägen und nachhaltigen Erschütterungen.
Für Familien ist der sauber verarbeitete X1 zudem nur eingeschränkt empfehlenswert, ...
... während vorn erstklassige Sportsitze und ein tolles Raumangebot locken, ...
... behandelt BMW den Fond mehr als stiefmütterlich. Ausladende Radhäuser erschweren den Zugang, die tief montierte Sitzbank zwingt zur leichten Froschhaltung, große Gäste kriegen ihre Füße kaum untergebracht und scheuern mit den Knien an den zwar ausgeformten, aber harten Lehnenverkleidungen.
Dann also lieber die dreigeteilte Lehne umklappen und zu zweit in den Abenteuerurlaub? Im Prinzip ja, das maximale Ladevolumen beträgt aber nur 1350 Liter, ...
... der Kofferraum fällt mit 420 Litern ebenfalls eher mickrig aus.
Punkten kann der X1 dann wieder beim Motor. Der Zweiliter-Diesel mobilisiert 143 PS und 320 Nm, ...
... glänzt mit gleichmäßiger Kraftentfaltung, guten Fahrleistungen (0–100 km/h: 10,6 s; Spitze: 195 km/h) und dem niedrigsten Verbrauch (6,5 l/100 km). Überhaupt die Kosten: Sowohl Unterhalt ...
... als auch Anschaffung fallen beim BMW überraschend moderat aus. Inklusive Servortronic (250 Euro) und Performance Control (150 Euro) kostet der X1 xDrive 18d 32.400 Euro – das sichert den Preis-Leistungs-Sieg in diesem Vergleich.
Der
VW Tiguan federt dank (optionaler) Elektronik-Dämpfer geschmeidig, bietet ausreichend Platz und Leistung – unterm Strich genug für 360 Punkte und den Sieg.
Man sieht es kaum, und der Tiguan hätte es auch nicht unbedingt nötig gehabt. Dennoch steht das Facelift dem Bestseller gut: etwas modernere Erscheinung, sparsamere Motoren und mehr Assistenzsysteme.
Ansonsten bleibt der Tiguan sich treu und zeigt kaum ernsthafte Schwächen. Das beginnt beim überdurchschnittlich großzügigen Platzangebot und hört bei der gefühlvollen Lenkung noch lange nicht auf.
Der Tiguan bremst mit einem Mittelwert von 37 Metern gut, verbraucht dank Start-Stopp (wie BMW) wenig (6,8 l/100 km) und belästigt seine Insassen kaum mit Dieselknurren.
Das Beste am Wolfsburger SUV bleibt aber auf jeden Fall der Komfort. Oder genauer: das elektronische verstellbare Fahrwerk DCC für 1070 Euro. Im Comfort-Modus ...
... lässt es den Tiguan fast über die Straße schweben, nur schwere Fahrbahnfehler dringen bis in die bequemen Polster vor.
Unter der VW-Haube warten 140 PS und 320 Nm Drehmoment auf Gaspedalbefehle. Der Zweiliter-TDI könnte allerdings temperamentvoller auftreten, ...
... 11,7 Sekunden bis Tempo 100 sind kein Ruhmesblatt und wohl dem recht hohen Gewicht von 1720 Kilogramm geschuldet.
Außerdem hätten wir uns gewünscht, dass die tolle Qualitätsanmutung aus Reihe eins auch im Fond fortgesetzt wird: Während die Türtafeln vorn weich geschäumt sind, ...
... ruht unser Ellbogen hinten auf hartem Plastik. Bedenkt man, dass der Testwagen mindestens 30.000 Euro kostet, ist das keine Bestleistung.
Das Gepäckabteil des Tiguan hat die höchste Ladkante und reicht nicht ganz an die Größe des Honda CR-V heran, aber 470 Liter Minimalvolumen, ...
... die sich auf maximal 1510 Liter erweitern lassen, sollten für normale Transportaufgaben locker reichen.
Das teuerste Auto in diesem Vergleich kommt aus Wolfsburg: Für einen Tiguan 2.0 TDI 4Motion BMT Sport & Style verlangt VW 33.835 Euro – das adaptive Fahrwerk (DCC) für 1070 Euro, 18-Zoll-Bereifung für 610 Euro und die Differenzialsperre XDS für 205 Euro eingerechnet.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka: "Über 30.000 Euro kosten die kompakten Diesel-SUVs – trotz hoher Anhängelasten um zwei Tonnen und ...
... erträglicher Verbräuche um sieben Liter ist das schmerzhaft. Neben dem Honda verschreckt vor allem der Tiguan mit seinem Preis von 33.835 Euro (mit DCC und weiteren Extras). Dass er gewinnt, ...
... verdankt er seinem fast fehlerlosen Auftritt. Aber der Zweifel bleibt: Der Tiguan ist 1435 Euro teurer als der zweitplatzierte BMW, der Preis-Leistungs-Sieger wird – das soll ein Volks-Wagen sein?" Mehr Kompakt-SUV:
Renault Koleos gegen Skoda Yeti, Nissan Qashqai und Hyundai iX35.
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.