Zum ersten Treffen mit Seats neuem Zwerg
Mii hat AUTO BILD den Zwillingsbruder
VW Up mitgenommen. Wobei schon das erste Rendezvous klarmacht, dass hier nicht eineiige Twins an den Start rollen.
Klar, die Einlitermotoren mit 60 oder 75 PS gehen im Mii, ...
... wie auch im Up mit knurriger Entschlossenheit ans Werk und taugen im Fall des stärkeren Triebwerks auch für die Autobahn. In 13,2 Sekunden wetzen unsere Kandidaten auf Tempo 100, 171 m/h schaffen die maximal. Der Verbrauch liegt bei durchschnittlich 4,7 Litern.
Die Federung macht ihre Sache trotz kurzen Radstands sehr ordentlich. Die Lenkung zeigt sich ebenso verbindlich wie die Bremsen. Und die Schaltung flutscht willig durch die fünf Gänge.
Doch das Bemühen, jeder Marke einen eigenständigen Auftritt zu gewähren, lässt sich nicht übersehen – übrigens auch nicht beim Dritten im Bunde, dem
Skoda Citigo.
Trotz fast identischer Traummaße für den urbanen Laufsteg (der Seat ist lediglich 17 Millimeter länger und elf Millimeter flacher als der Up) wirkt der Mii unbekümmerter, frecher, cooler. Dazu trägt vor allem die dynamische Front bei.
Wo der Up freundlich lächelt, funkeln die Scheinwerfer ...
... des Mii sogar ein ganz klein bisschen aggressiv.
Beim Heck setzt dagegen der VW die Zeichen. Die schwarz verglaste Kofferraumklappe wirkt edel, die auffällige Leuchtengrafik ...
... kommt nicht so beliebig daher wie beim Spanier. Aber das bleibt am Ende Geschmackssache.
Die Heckklappe ist beim Up unter Glas, beim Mii hat sie unterhalb der Scheibe einen Knick. Der VW wiederum ...
... hat einen Aufwärts-Knick in der hinteren Fensterlinie, die sich im Fond unangenehm bemerkbar macht. Was von außen nämlich noch ganz flott aussieht, ...
... raubt den Hinterbänklern Licht und Sicht. Vor allem Kinder fühlen sich im Up eher eingesperrt ...
... als im Mii, der freiere Sicht nach draußen beschert. Unter diesem Aspekt...
... hat die etwas langweiligere Seitenansicht des Spaniers also durchaus ihre Berechtigung.
Widmen wir uns den inneren Werten, die auch bei Autos wichtig sind. Trotz eines gefühlt bis auf den Millimeter gleichen und für so einen Großstadt-Gnom ausgesprochen erwachsenen Raumangebots sowie eines vergleichbar hohen Sitzkomforts fühlen sich Mii und Up doch unterschiedlich an.
Beide Knirpse versuchen zudem mit hochwertigen Ausstattungslinien und Aufpreis-Extras zu punkten. Der Up stellt sich dabei aber geschickter an. Wo der Seat eine schlichte graue Plastikblende über den Armaturenträger spannt, ...
... glänzt im VW der Außenlack und setzt so fröhliche Farbakzente.
Wo um das Bedienfeld der Mittelkonsole beim VW Klavierlack glänzt, ...
... trägt der Mii schlichten Kunststoff. Verarbeitungsqualität und die verwendeten Materialien unterscheiden sich übrigens nicht. Genarbte Kunststoffe und die gewissenhafte Fertigung lassen beide Minis gut dastehen.
Das Kofferraumvolumen beider Minis beträgt 251 bis ...
... maximal 951 Liter.
Das nette Ambiente lässt sich zumindest der VW gut bezahlen. Bei 9850 Euro geht der Up erst los, für unser Foto-Modell werden schon 14 000 Euro fällig. Ein teurer Spaß, der kleine Volkswagen. Und genau da ...
... könnte die größte Chance des Mii lauern. Weil das Debüt in Deutschland erst im April 2012 stattfindet, verrät Seat zwar noch keine Preise – die Spanier versprechen aber, ausstattungsbereinigt drei bis fünf Prozent unter dem deutschen Bruder zu bleiben.
So könnte der Mii-Einstieg mit 60 PS um 9000 Euro gelingen – zumindest in Deutschland wohl auch mit ESP, das die Spanier analog zum VW-Bruder ins Serienpaket stecken dürften.
Dennoch bedient sich Seat eines Tricks: Hintere Kopfstützen und eine Gepäckraumabdeckung kosten nämlich extra. Aber wer ist schon neugierig auf so was?
Fazit von Redakteur Gerald Czajka: "Mii und Up fahren beide gut, bei der Optik entscheidet der persönliche Geschmack. Für den Seat spricht allerdings ...
... der geringfügig günstigere Preis. Ausstattungsbereinigt spart der Mii-Kunde etwa 500 Euro – ob der VW die beim Wiederverkauf wieder reinholt, bleibt erst mal abzuwarten."
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