Drei feine Kleine für die Stadt:
Mini Clubman (links),
Citroën C3 (rechts) und
Lancia Ypsilon (Mitte). Hat der schicke Italiener am Ende wie auf dem Bild die Nase vorn? Nein, ...
... hat er nicht, mit 286 von 500 Punkten reicht es nur zu Platz drei – zu einem guten dritten Platz. Der
Ypsilon ist schmal und hoch, sieht aber schick aus, er ist klasse in der Stadt und ...
... luxuriös ausstaffiert. Nur der Zweizylinder hinter dem Grill im Ritterschild-Format wirkt unpassend rustikal. Auch am Fahrwerk muss noch gefeilt werden.
Auftritt Lancia Ypsilon, vierte Generation, der Edelfünftürer im Taschenformat. So, wie hier zu sehen, in der Deluxe-Variante namens Platinum, besitzt der 3,84-Meter-Zwerg sogar Lederbezüge, ...
... MP3-fähiges CD-Radio und Klimaautomatik. Serienmäßig. Dazu gibt es ...
... originelle, gut ablesbare Zentralinstrumente. Ein Hauch von Noblesse weht durch den Italiener, selbst wenn bei näherem Hinsehen klar wird, ...
... dass gespart werden musste. Die kurze Sitzfläche auf dem Fahrerplatz fühlt sich an wie ein Fußball. Die Kunst, bequeme Sitze zu bauen, muss Lancia/Fiat noch lernen, ...
... das zeigt sich auch im Fond: Hier hockt es sich wie auf einer Hühnerstange – schmale Sitzfläche, steile Lehne, der Kopf stößt an die Decke. Sicher, ein bis zwei Kinder passen rein, das kann ja schon reichen.
Auch hier kneift es in diesem Vergleich am schnellsten: Das Gepäckabteil des Ypsilon schluckt zwischen 245 und 820 Liter. Die Zuladung liegt bei schmalen 351 Kilogramm.
Starten, unter dem Häubchen poltert und vibriert der Zweizylinder. Lustig, Erinnerungen an den alten 500 werden wach. Entfernt gilt das auch für die Kraftentfaltung: Beim Gasgeben surft der 900-Kubik-Turbo (85 PS, 145 Nm) nicht auf einer Drehmomentwelle, ...
... stattdessen herrscht Permaflaute. Und bei knapp über 5500 Touren dreht die Elektronik abrupt den Hahn ab. Doch die Werte zeigen: So lahm ist der Kleine nicht. In 12,9 Sekunden geht es auf Tempo 100, maximal sind 176 km/h drin. Seine Heimat ist die Stadt, da fühlt er sich wie die Sprotte im Wasser.
Ein paar Tricks hat er auch auf Lager: Drücke den "City"-Knopf, und die Lenkkräfte gehen gegen Null. Drücke "Eco", und zusätzlich geht's mit reduzierter Leistung in den Stadtmodus, beim Sparen hilft Start-Stopp. Wähle "Magic Parking" (Option), dann kurvt der Lancia automatisch in die Lücke – ein Novum in dieser Klasse.
Nicht so schön: Abseits urbaner Gefilde, auf Landstraßen und Autobahnen, hält sich die Freude am Lancia in Grenzen. Zwar bemüht sich der feine Kleine mittels weicher Abstimmung um Komfort. Aber spätestens beim Überfahren welliger Straßen ist die Mühe vergebens, ...
... eine Unterhaltung mit dem Beifahrer gelingt dann nur noch mit zitternder Stimme. Ebenso wenig vermag er mit sportlichem Talent zu glänzen: In Kurven entlastet das schmalspurige Gefährt früh das kurveninnere Antriebsrad, worauf die ESP-Regelung sofort das Tempo drosselt.
Derweil verweigert die Lenkung dem Fahrer hartnäckig Informationen über den Fahrzustand, während er beim Sortieren der Gänge mit einer hakeligen Schaltung kämpfen muss. Alles in allem also kein Spaßauto, der Italiener.
Preislich sortiert sich der Lancia zwischen seinen beiden Konkurrenten ein: Für den Ypsilon 0,9 Turbo V8 in der Ausstattung Platinum müssen 17.150 Euro angelegt werden – die 300 Euro für die 16-Zoll-Bereifung sind da bereits eingerechnet.
Platz zwei geht mit 301 von 500 Punkten an den
Mini Clubman: Fast gleichauf mit dem Citroën, aber im Charakter das glatte Gegenteil, ...
... fasziniert er beim Kurvenfahren und durch sein Aussehen. Aber teuer ist er, Komfort wird ganz kleingeschrieben und ...
... auf längeren Strecken lässt die harte Federung den Wunsch aufkeimen, lieber die Bahn genommen zu haben. Zudem machen laute Fahrgeräusche, ab 3500 Touren mit Exkursionen ins Dröhnland, selbst zähe Passagiere auf die Dauer fertig.
Cool Britannia: Das Mini-Cockpit muss man mögen, typisch sind ...
... der riesige Tacho und ...
... die tief liegenden Schalter. Nein, wirklich praktisch ist so ein Mini Clubman nicht, ...
... trotz Kombianmutung. Die einzelne Fondtür lässt sich nicht separat öffnen, beim Einstieg nach hinten stolpert man über den Gurt, ...
... und ins Ladeabteil passt bei einem Fassungsvermögen von 260 bis 930 Liter kaum mehr als in einen Ypsilon. Und dennoch, ...
... eines ist dem Engländer zugute zu halten: Er kann Laune machen. So extra dry, wie er umherwetzt, wie er aus dem Handgelenk Kurven umrundet, ...
... wie seine Elektronik das Letzte aus dem Fahrwerk kitzelt, das stimmt immer wieder milde. Auf Tempo 100 geht es in 11,6 Sekunden, bei 185 km/h ist Schluss mit Vortrieb.
Passend zur knackigen Abstimmung hat der Mini kräftige Bremsen und eine exakte Sechsgangschaltung, die freilich auch häufig betätigt werden muss. Schuld ist weniger ...
... mangelnder Mumm des 1,6-Liter-Vierzylinders (98 PS, 153 Nm) als die zu langen Übersetzungen in den verschiedenen Gängen.
Der mit Abstand teuerste Wagen in diesem Vergleich ist der Engländer: Inklusive der 16-Zoll-Bereifung für 1150 Euro schlägt ein Mini One Clubman mit 19.750 Euro zu Buche.
Platz eins mit 305 von 500 Punkten: Der
Citroën C3 ist recht originell, ziemlich praktisch und relativ preisgünstig. Sie merken schon, kein Auto der Superlative, ...
... aber guter Durchschnitt, weich gefedert und auch sonst mit einer Prise französischen Flairs.
Erster Eindruck im Citroën: Die Materialqualität ist mäßig, das Radio zu tief angeordnet. Er ist größer, aber vorn nicht geräumiger, ...
... nur hinten bietet er mehr Platz als der Lancia, ...
... ebenso im Kofferraum. Der ist sehr ordentlich, mit 300 bis 1121 Litern Fassungsvermögen der größte in diesem Vergleich.
Unbequeme Sitze gibt es auch (im
2CV saß es sich besser), das Ambiente ist weniger stilvoll als im Lancia, aber keineswegs abstoßend.
Das Beste am C3: Die Federung strahlt noch französisches Flair aus, Tendenz: weich wiegend (mit Schwächen bei kurzen Stößen). Besonders handlich ...
... ist er hingegen nicht, wälzt sich in Kurven auch kräftig in den Federn.
Sein 1,4-Liter-Motor (95 PS, 136 Nm) hält ihn wacker auf Trab (0–100 km/h: 11,3 s; Spitze: 184 km/h), ...
... unterstützt von einem Fünfganggetriebe, das offenbar für Bergrennen ausgelegt wurde: Bei Tempo 130 liegen im Fünften bereits 4000 Umdrehungen an. Dann ist es aus mit der Ruhe, lautes Wummern bohrt sich in die Ohren. Dennoch: In dieser Runde stellt der C3 die angenehmste Art der Fortbewegung dar.
Inklusive Klima-Design-Paket für 790 Euro kostet der Citroën C3 VTi 95 in der Ausstattungslinie Tendance 16.690 Euro. Das beste ist auch das billigste Auto – so wird man Preis-Leistungs-Sieger.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Warum baut Lancia/Fiat nicht endlich eine Schaltung, die nicht hakelt, eine Lenkung mit Rückmeldung oder ...
... einen bequemen Autositz? Andere können das doch auch! Hätte der Ypsilon den Feinschliff, der andernorts üblich ist, träfe er als Luxus-Mini ins Schwarze. So aber gilt: Knapp daneben ist auch vorbei. Schade, ...
... zumal die Konkurrenz erfolgreich in dieselbe Nische drängt – der Mini wie immer mit sportlichem Profil, der Citroën mit Nutzwert, aber von der etwas originelleren Sorte."
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