Eine Frage des Stils: Der BMW 5er GT will eine neue Fahrzeuggattung erschaffen, das frische E-Klasse T-Modell knüpft nahtlos an die erfolgreichen Vorgänger an. Mit welchem der beiden ist man besser unterwegs?
Ein kleines Stück Weltanschauung fährt immer mit im Kombimodell der E-Klasse. Der große Frachter gibt traditionell den Luxus-Laster, gilt als Prestige-Bomber und Reisespezialist. Diese teure Mischung kauft man bewusst, aus Überzeugung – man braucht kein Mode-Motiv. Wer T sagt, ...
... zieht sich modern, aber trendfrei an. Und nun kommt BMW, lockt mit dem Neuen, dem Besonderen. Der schicke 5er GT macht alles anders – ist aber trotzdem ein Alleskönner.
Reisen, packen, mit Luxus umschmeicheln wie das große T? Schafft der variable Gran Turismo auch. Dazu bietet er eine Heckklappe mit aufwendiger Zweiteilung, lockt mit fürstlichem Platzangebot – und natürlich mit BMW-typischem Fahrgefühl. Taugt diese neue Mischung zu einer eigenen Philosophie? GT statt T? Die Antwort nach Punkten ...
... sieht den 5er GT hinten. Er erreicht 348 von 500 möglichen Punkten und landet damit auf Platz zwei. Sportlich wie eh und je, stark im Auftritt – so festigt der GT den typischen Ruf als BMW, ...
... aber die Dynamik ist teuer erkauft, der Nutzwert (allein die Übersicht!) sinkt drastisch.
Die Maschine unter der BMW-Haube holt aus sechs in Reihe angeordneten Zylindern mit Turboaufladung und insgesamt drei Litern Hubraum 245 PS und satte 540 Nm Drehmoment. So gerüstet, ...
... geht der große Wagen mit ordentlich Dampf nach vorne: Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 ist in glatten sieben Sekunden erledigt, maximal sind 240 km/h drin.
Beim Thema Fahrspaß demonstriert BMW, dass Gran Turismo nicht automatisch für gediegenes Fernreisen stehen muss. Der 5er kann nämlich auch anders. Zackig und willig ...
... macht der bayerische Brocken genau das, was der Fahrer will. Rund 2,2 Tonnen Hüftspeck versteckt der 530d GT lässig unter einem adaptiven Fahrwerk inklusive ...
... Aktiv-Stabilisator (3000 Euro) und einer Lenkung mit variabler Übersetzung (1750 Euro). Nur sauber geradeaus laufen klappt nicht.
Der BMW federt zwar sanft und weit durch (in "Comfort"-Stellung seiner Luftfederung sogar viel zu sanft und viel zu weit). Querfugen oder Gullydeckelkanten ...
... mag er dagegen nicht. Häufig geht ein feinnerviges Zittern durch den Wagen, das auf Dauer nervt. Das ist aber ...
... Meckern auf hohem Niveau, wie die E-Klasse schmiegt sich auch der 5er GT souverän an die Straße, Langstrecken sind ein Genuss, ...
... mit einer Einschränkung: Dem BMW fehlt im Fahrerfußraum Breite, der Pilot sitzt leicht eingedreht, braucht so eher eine Pause, ...
... ganz im Gegensatz zu den Fondpassagieren, die extrem entspannt auf den verstellbaren Polstern lümmeln. Sogar die Lehnen-Neigung lässt sich verstellen. Insgesamt verwöhnt der 5er GT aber nicht mit mehr Luxus. Sitzheizung oder Lederpolster beispielsweise kosten ebenso einen satten Aufpreis wie im Mercedes.
Das Cockpit verströmt Luxusflair auf 7er-Niveau. Für gemasertes Eschen-Edelholz werden 590 Euro Aufpreis fällig, auch das Zehn-Zoll-Festplatten-Navi kostet mindestens 3050 Euro extra.
Serienmäßig an Bord: die schnelle und völlig ruckfrei schaltende Achtstufen-Automatik. Das System erbt der GT aus dem 760i.
Da können sich die kleinen Jungs lange die Nase an der Scheibe plattdrücken: Die Frage "Wie viel hat der denn auf dem Tacho?" ...
... beantwortet der 530d GT erst bei eingeschalteter Zündung.
Ganze Koffer liegen zwischen GT und E-Klasse T-Modell, wenn es um die Lastesel-Qualitäten geht. Hinter die Heckklappe des großen 5er passen zwischen 440 und 1700 Liter – deutlich weniger als in den Mercedes. Bei der Variabilität ...
... klappt's im BMW ebenfalls kaum. Das Gepäckabteil vergrößert sich nur, wenn die Lehnen der Fondbank und gleichzeitig die beiden Rückwandelemente flach gelegt werden – umständlich, schwergängig und zeitraubend.
Die geteilte Heckklappe kann auf zwei Arten geöffnet werden. Als große Fließhecktür oder als lächerlich kleiner Heckdeckel. Das kennen wir vom Skoda Octavia, doch der Vorteil der komplizierten Technik ist schwer nachzuvollziehen.
Einen 530d GT lässt BMW sich mit 61.450 Euro bezahlen. Im Preis eingerechnet sind Adaptive Drive für 3000 Euro, Integral-Aktivlenkung für 1750 Euro und 19-Zoll-Bereifung für 1500 Euro.
Der Lademeister und Langstreckenkönig holt 378 Punkite und macht das Rennen. Dabei hängt der Mercedes E 350 CDI T ...
... den stärkeren BMW sogar bei den Fahrleistungen ab und gönnt sich nicht einmal mehr Sprit.
Der Mercedes-Motor holt seine Kraft aus drei Litern Hubraum, verteilt auf sechs Zylinder. Der Turbo presst 231 PS und ebenfalls 540 Nm Drehmoment aus den Brennräumen. Zwar hat das BMW-Aggregat 14 PS mehr, aber bei ...
... den Fahrleistungen fällt das nicht ins Gewicht: Bis Tempo 100, das auch der Mercedes in sieben Sekunden erreicht, herrscht unentschieden, danach nimmt der Mercedes dem BMW sogar Zehntel um Zehntel ab. Gleichzeitig zieht der E 350 im Durchzug davon. Sptze: 240 km/h – wie der 530d GT.
Der V6 des Mercedes schnurrt leiser, tuckert höchstens im Stand etwas herber als der Reihensechser im BMW. Vor allem aber läuft der CDI viel sparsamer und ...
... nimmt auf unserer Testrunde mit 7,7 Litern auf 100 Kilometer fast 1,3 Liter Diesel weniger als der Münchner Konkurrent. Obwohl er sogar auf einem höheren Drehzahlniveau unterwegs ist.
Und die Querdynamik? Die 200 Kilogramm leichtere E-Klasse ist zwar ebenfalls kein träger Bursche, der Stuttgarter Kombi zeigt in Kurven aber mehr Seitenneigung als der GT, schiebt in engen Kehren früher über die Vorderräder.
Die Vorderachse des T-Modells stößt etwas unsensibel gegen Unebenheiten, und auf derben Wellen taucht der Wagen nicht sanft genug ein, woran auch ...
... die Luftfederung (an der Hinterachse Serie, 1285 Euro für alle vier Räder) nichts ändern kann. Wie bei BMW ist das aber auch hier Meckern auf hohem Niveau.
Bekanntes Bild: Den Arbeitsplatz im Willkommen-zu-Hause-Stil kennen wir aus der Limousine. Mercedes zeigt in der E-Klasse ein klares Cockpit mit Wählhebel für die Siebengang-Automatik am Lenkrad, ...
... die auch über eine manuelle Schaltoption mittels Wippen hinterm Lenkrad verfügt.
In der zweiten Reihe geht es geringfügig enger zu als im BMW, der vielseitig nutzbare Laderaum fasst dafür deutlich mehr Gepäck.
Das T-Modell ist eindeutig der Lademeister in diesem Vergleich. Mit 695 bis 1950 Litern bietet es nicht nur den größeren Stauraum, ...
... es hat auch die durchdachteren Detaillösungen. Die geteilte Rücksitzlehne lässt sich per Zughebel vom Kofferraum aus flach legen, ...
... um den Platz hinter der Heckklappe in eine nahezu ebene, riesige Ladefläche zu verwandeln.
Preis-Leistungs-Sieger: Inklusive Elegance-Ausstattung (1922 Euro) und Luftfederung (1285 Euro) kostet der Mercedes E 350 CDI 7G-Tronic 57.412 Euro. Damit ist das vergleichbar ausgestattete T-Modell rund 4000 Euro billiger als der BMW GT.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: "Der 5er GT von BMW fährt leichtfüßiger als das Stuttgarter T-Modell – das überrascht bei seiner Größe. Schneller, komfortabler oder luxuriöser ...
... kann er sich hier aber nicht in Szene setzen. Bei den Transportaufgaben muss er sogar klein beigeben, meistert sie durchweg schlechter ...
... als der Daimler. Was bleibt? Ein souveräner Sieg für den Mercedes. Der Alleskönner ist dabei sogar günstiger und sparsamer. Es mangelt dem neuen T-Modell allenfalls an Originalität – ein Vorwurf, mit dem Mercedes sicher gut leben kann."
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