BMW fordert Ferrari: V10 hinter breiter M6-Niere, V12 unter langer 575M-Haube – welche Fahrmaschine macht mehr an?
Der Italiener – schön klassisch, schön ausgewogen: Auf 4,55 Metern Länge verteilt der Maranello sein Gewicht optimal – Motor vorne, Getriebe hinten.
Dezenter Herausforderer aus Bayern: Der M6 ist erst auf den zweiten Blick von seinen zivilen Brüdern zu unterscheiden.
Sport trifft Luxus: Ferrari zeigt, daß bemerkenswerte Fahrleistungen nicht immer mit Komforteinbußen bezahlt werden müssen. Das gilt natürlich auch für den BMW.
Zwei Überautos auf der Rennstrecke: Wie immer haben wir die beiden Kontrahenten zum Vergleichstest in den Motopark Oschersleben gebeten und ordentlich um den Rundkurs geprügelt.
1022 PS auf einem Bild: Die beiden Sportler geizen wahrlich nicht mit Pferdestärken.
Heckansichten: Der Ferrari ist zehn Zentimeter niedriger als der BMW und macht sich acht Zentimeter breiter.
Rücken an Rücken zum Duell, die Waffen sind gewählt: Zwölf Zylinder auf der linken, zehn Zylinder auf der rechten Seite.
Seite an Seite in rasender Fahrt: Das geht, solange es nicht allzu kurvig wird – dann zeigt der Italiener dem Deutschen das Heck.
Von 0 auf Tempo 200 liegt der M6 klar in Führung: 8,7 zu 9,3 Sekunden stehen im Protokoll. Die Zeit verliert der Maranello in seiner Getriebebox, die die Gänge nicht ganz so kompromißlos einlegt wie der BMW.
Große Schnauzen: Beide Autos können sich forsches Auftreten leisten, schlummern unter ihren Hauben doch echte Kraftwerke.
Klingt genauso authentisch, wie er aussieht: Der Zwölfzylinder holt aus 5,7 Litern Hubraum 515 PS und 589 Nm Drehmoment.
Der BMW-Motor hat zwei Zylinder weniger, kann es aber in Sachen Leistung durchaus mit der Ferrari-Maschine aufnehmen. 507 PS und 520 Nm Drehmoment sind auch nicht gerade schwachbrüstig.
Weißer Rauch garantiert – egal ob zehn oder zwölf Zylinder im Bug zur Vollgasorgie blasen.
Im Motopark Oschersleben ist der Maranello in seinem Element. Der kompromißlos abgestimmte Sportler ...
... scheint wie von selbst einzulenken, bleibt selbst im Grenzbereich neutral und ...
... brennt eine Zeit von 1:45,55 Minuten in den Asphalt – Platz zwölf in der ewigen Bestenliste von AUTO BILD (Stand Juni 2005).
Sportabzeichen: Der 575M stammt aus der Gattung der konsequenten Fahrmaschinen. Ein echter Fighter mit großem Herzen, der in der Grundausstattung ...
... ein Loch von 196.000 Euro in die Kasse reißt. Der von uns geteste Maranello mit F1-Getriebe (8000 Euro Aufpreis) kostete inklusive Extras 225.850 Euro.
Teures Paket: Der Sportauspuff kostet in Verbindung mit einem strafferen Fahrwerk und ...
... einer beherzt zupackenden Keramik-Bremse satte 22.620 Euro. Die 19-Zöller im Fünfspeichen-Design verschlingen noch einmal 3460 Euro.
Schraubstock mit Lederbezug: Die Kohlefaser-Sitze spannen den Fahrer regelrecht ein.
So funktioniert der Raketenstart im Maranello: Bei eingelegtem ersten Gang ...
... wird per Taste die Anti-Schlupf-Funktion deaktiviert und das Sportprogramm aktiviert.
Während der linke Fuß auf der Bremse steht, sorgt der linke ...
... für eine Drehzahl zwischen 5000 und 6000 Touren, und wenn dann die Bremse gelöst wird, ...
... sieht man den Ferrari nur noch aus dieser Perspektive.
Der feurige Italiener beschleunigt in 4,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und boxt mit 325 km/h Spitze locker in der "Über-300-Liga".
Bei der Spitzengeschwindigkeit des Ferrari kann der potente Bayer nicht mithalten – er wird bei 250 km/h elektronisch eingebremst. Schade eigentlich, denn theoretisch wären beim M6 320 km/h drin.
Auf der Rennstrecke schlägt sich der M6 ganz ordentlich, er umrundet den Kurs in 1:46,90 Minuten mit ...
... einer Durchschnittsgeschindigkeit von 123,49 km/h – das bringt ihn auf Platz 18 der Bestenliste.
Sportfanfaren: Bei Vollast bläst der Zehnzylinder ein bestialisches Rennwagen-Trompeten in die Landschaft.
Garant für erstklassige Fahrleistungen: Mit diesem Logo am Heck wird das BMW-Coupé zum Luxus-Sportler.
Und Papi hat keinen Pfennig dazu bezahlt: Die 19-Zöller gehören zur Serie. Dahinter sorgen die Bremsen für erstklassige Verzögerungswerte: Nach 33,2 Metern (warm) kommt der Wagen aus Tempo 100 zum Stehen.
Böser Blick aus Bayern: Auf Wunsch und gegen Aufpreis lenkt das Bi-Xenon-Licht mit.
Vergleichsweise billiges Fahrvergnügen: Mit einem Basispreis von 106.500 Euro ist der M6 ungefähr halb so teuer wie ein 575M Maranello F1 in der Grundausstattung.
Im M6 kommen wegen der weicheren Lagerung der Aufhängung und der eher fließenden Reaktionen im Grenzbereich auf der Rennstrecke nicht die ganz euphorischen Gefühle auf. Dafür ist er absolut alltagstauglich.
Der M6 hat diverse technische Leckereien im Angebot: Türen und Hauben aus Aluminium, Dach aus Carbon. Es spart Gewicht und senkt den Schwerpunkt für mehr Fahrdynamik.
Bunter Arbeitsplatz: Die Lederfarbe ist Geschmacksache. Die drei Knöpfchen neben dem Schalthebel regeln Leistungsentfaltung, Fahrwerk und DSC.
Das paßt: Elektrische Sitze mit Wangenverstellung und gutem Seitenhalt.
Launch-Control à la BMW: Bei ausgeschaltetem DSC und voller Leistungsstufe ...
... wird die schnellste von sechs Schaltzeiteinstellungen gewählt (65 Millisekunden).
Am Ganghebel den ersten Gang antippen und halten, voll aufs Gaspedal treten und ...
... die Drehzahl pendelt sich bei 4000/min ein. Schalthebel loslassen und dann ...
... schießt der M6 wie von der Tarantel gestochen nach vorne. 4,4 Sekunden vergehen beim Sprint von 0 auf 100 km/h.
Tarnung ist alles: Der feuerrote Ferrari-Anzug steht dem BMW M6 ausgezeichnet. Zu verstecken braucht sich der bayrische V10-Dampfhammer ...
... in Gegenwart des italienischen V12-Renners keineswegs. Lediglich auf der Rennstrecke kann der Ferrari deutlich punkten.
Alltags-Ferrari: Der BMW M6 ist schnell, er macht an, sein bulliger Zehnzylinder und das brachial schaltende Getriebe liefern erstklassige Fahrwerte.
Der Bayer bleibt im Kern ein Luxus-Coupé, trotz bissiger Leistung geeignet als Alltagsauto und langstreckentauglicher Reisebegleiter. Der Ferrari dagegen ist eine reine Fahrmaschine, ein Pulsbeschleuniger par excellence.
Die kompromißlose Lenkung, das renntaugliche Fahrwerk und ein animalischer Motor machen den 575M zu einem Auto, das die Hormone in Wallung bringt. Kaufentscheidend ist, was man von einem sportlichen Auto erwartet.
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.