Drei Münchner im Formationsflug: Die Technik des
BMW 5er (rechts) steckt auch im
5er GT und im
7er (links). AUTO BILD hat die drei miteinander verglichen.
Drei Autos, ein Motor: Alle drei
BMW setzen auf den drei Liter großen Sechszylinder-Diesel mit Turboaufladung, der jeweils 245 PS und 540 Nm Drehmoment an die Hinterräder schickt – mit durchaus unterschiedlichem Ergebnis.
Die wichtigste Frage: Was können 7er und 5er GT, das der neue 5er nicht kann? Die Antwort nach diesem Vergleich: weniger als erwartet.
Was ist ein GT? Laut BMW ein hoher, 2,2-Tonnen-5er mit Laderaum und Hecktür. Das macht ihn praktisch, ...
... aber unhandlich und träge. Angenehm der Aufenthalt im Fond, ansonsten: besser ein 5er ohne GT. Am Ende reicht es für den Schrägheck-BMW zu 381 von 500 Punkten – Platz drei.
Im
5er GT muss der Sechszylinder exakt 2132 Kilo schleppen. Das prägt. Der Sprint von 0 auf Tempo 100 gelingt in glatten sieben Sekunden, maximal sind 240 km/h drin. Auf den Holperpisten, vom Frost gezeichnet, zittert und knistert die Karosserie des GT wie ein Schiff in rauer See.
Der GT (ohne Aktivklenkung) lenkt träger ein als die Test-Konkurrenz, Kurven nimmt er stärker untersteuernd, bisweilen torkelnd, ...
... ein Eindruck, den die hohe Sitzposition verstärkt. Und nebenbei ...
.. reagiert er auch stärker als seine Brüder auf Seitenwind. Keine Offenbarung also, zumal für einen BMW.
Das GT-Cockpit verströmt durchaus luxuriöses Ambiente. Für gemasertes Eschen-Edelholz werden 590 Euro Aufpreis fällig, auch das Zehn-Zoll-Festplatten-Navi kostet mindestens 3050 Euro extra.
Serienmäßig an Bord: die schnelle und völlig ruckfrei schaltende Achtstufen-Automatik.
Guter Platz: Im
5er GT thront der Fond-Passagier in luftiger Höhe und kann sich auf verstellbaren Einzelsitzen ausstrecken.
Der 5er GT verpackt zwischen 440 und 1700 Liter. Ob der variable Laderaum und die zweigeteilte Heckklappe im Alltag nützen, hängt von den Umständen ab.
Preislich zwischen dem 7er und dem normalen 5er: Für den 530d GT verlangt
BMW 59.700 Euro. Im Preis inbegriffen sind "Adaptive Drive" für 3000 Euro und 19-Zoll-Bereifung für 1500 Euro.
Leiser, besser ausgestattet und im Fond viel bequemer, das sind die Vorteile eines
BMW 7er. Aber der Federungskomfort enttäuscht und ...
... für den erheblichen Mehrpreis bietet er nicht mehr BMW-Dynamik, sondern weniger. Das macht am Ende 390 Punkte – Platz zwei.
Wo der 5er behände und aufgeweckt voranprescht, muss sich der 7er strecken. Die zwei Tonnen Gewicht beschleunigt der dicke Diesel aber immerhin in 7,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, ...
... 245 km/h Spitze lassen ihn in Sachen Vmax knapp vor dem GT landen. Der 7er wirkt querdynamisch träger als die 5er Limousine, gibt sich weniger kurvenwillig und deutlich unhandlicher, ...
... und dass seine Sechsstufenautomatik im Vergleich zu den Achtstufenboxen der Test-Konkurrenz nicht mehr ganz up to date ist, kann er ebenfalls nicht verheimlichen.
In einem Punkt kann er aber glänzen: Der Test attestiert ihm kürzere Bremswege als dem dürftiger bereiften 5er. Aus Tempo 100 steht der
7er mit warmen Bremsen nach glatten 35 Metern. Die 5er Limousine braucht für die gleiche Disziplin 36,9 Meter, der schwere GT beachtlich kurze 35,7 Meter.
Im 7er gibt es im Vergleich zur Konkurrenz keinen Feudal-Bonus, kein bisschen mehr Glitter – bitter für den Besitzer, der für die Top-Baureihe der Münchner gerade über 20.000 Euro mehr hingeblättert hat als für den 530d. Wenigstens bietet die Ausstattung eine Extradosis Luxus, ...
... elektrische Sitzverstellung und Leder gibt es ohne Aufpreis. Der 7er ist weicher abgestimmt als der 5er, aber heftigere Stöße erschüttern den ganzen Vorderwagen. Das zeigt sich – ungeachtet der gewählten Dämpfereinstellung – sogar auf der Autobahn.
Im Fond des 7er sitzt es sich tiefer als im GT, aber auf bequemeren Polstern. Der Gesamtkomfort ist noch bekömmlicher, zumal seine Federungsschwächen hinten weniger auffallen.
Mit 500 Litern bietet der
7er-Kofferraum das kleinste Volumen. Dafür darf der Wagen mit 511 Kilogramm von allen drei Testkandidaten am meisten zuladen.
Wenig Spaß macht der 730d, wenn es ans Bezahlen geht: BMW will für seine Luxusklasse mit Diesel 80.520 Euro haben – Dynamic Drive (2670 Euro), Aktivlenkung (1950 Euro) und 19-Zoll-Bereifung (2600 Euro) schon eingerechnet.
Der
BMW 5er landet mit 393 von 500 möglichen Punkten auf dem ersten Platz dieses Vergleichs. Er bietet die beste Federung – das überrascht. Er ist der Schnellste, ...
... Agilste und Preisgünstigste, das überrascht nicht. Wenn es auf Rücksitze mit Fünf-Sterne-Komfort nicht ankommt, dann ist er der Richtige.
Wer in diesem Trio die werksseitig versprochene Freude am Fahren sucht, der findet sie vor allem im
5er. Zwar bewegt der 245-PS-Diesel auch hier 1,9 Tonnen, aber mit 6,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und 250 km/h Spitze ...
... hängt der 5er seine Konkurrenten ab. Seine Federung entpuppt sich als die Überraschung des Tages. Das Schluckvermögen der Limousine ...
... ist selbst unter erschwerten Bedingungen so ausgewogen, dass die hausinterne Nobelkonkurrenz alt aussieht. Auch sonst überzeugt der einfache 5er ...
... im täglichen Gebrauch mit echten Vorteilen. Er ist handlicher, im Vergleich erinnern die zehn (GT) und 17 Zentimeter (7er) längeren und vier Zentimeter breiteren Stallgenossen im Verkehrsgewühl an Pottwale.
Am Arbeitsplatz des
5er gibt es keine Überraschung – aus der Fahrerperspektive sehen die drei Kontrahenten halt ziemlich gleich aus.
Im 5er weiß der Fondpassagier, dass er mit einem der billigeren Plätze dieses Vergleichs vorliebnehmen muss. Es geht erheblich lauter zu, die Sitze sind knapper bemessen, und enger ist es auch.
Wie der 5er GT setzt auch die Limousine beim Sortieren der Kraft auf acht Fahrstufen. Die sogenannte "Sport-Automatic" kostet allerdings 2350 Euro Aufpreis.
Das größte Minimalvolumen: Im Normalfall dürften die 520 Liter im Stufenheck des Normal-5er vollauf genügen, und ...
... umklappbare Rücksitzlehnen können ebenfalls bestellt werden.
Sieg auf ganzer Linie: Am Ende wird der 530d auch noch Preis-Leistungs-Sieger. Für 47.440 Euro gibt es den Wagen inklusive Sport-Automatic (2350 Euro), Adaptive Drive (3000 Euro), Aktivlenkung (1750 Euro), Sportlenkrad (140 Euro) und 18-Zoll-Bereifung (900 Euro).
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Geahnt habe ich es ja, der Vergleich legt nun offen: Der neue 5er ist der Sparsamste, Spritzigste und Günstigste in diesem Trio – der rundum beste große
BMW. Es sei denn, ...
... man sitzt hinten. Und dass er auch noch den besten Federungskomfort bietet, rundet das Bild ab. Höchste Zeit für BMW, die Welt wieder in Ordnung zu bringen. Der 7er ...
... muss innen nobler werden und besser federn können. Und der GT – an sich keine schlechte Idee – muss abspecken und Dynamik gewinnen." Wie sich der 5er gegen die
Mercedes E-Klasse schlägt, erfahren Sie
hier.
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