Das erste Auto aus China ist da. Der Brilliance BS 6 (vorne), vollmundig angekündigt als "Individualist", "Qualitätsprodukt", ja sogar "Spitze in der Mittelklasse", enttäuschte im ersten Vergleichstest mit VW Passat und Kia Magentis.
Weder Verarbeitung noch Preis (rund 23.000 Euro) können überzeugen. Doch vor allem wegen seiner Sicherheitsmängel kurvt sich der China-Import ins Aus und landet auf dem dritten Platz. Testsieger ist der VW, Preis-Leistungs-König der Kia.
Blender: Auf den ersten Blick ist der BS 6 eine stattliche Stufenheck-Limousine (Länge: 4,88 Meter). Das Design stammt von Giugiaro, und der chromgerahmte Grill, die großen Scheinwerfer sowie das sauber gezeichnete Heck wirken elegant und schnörkellos.
Auch beim Platzangebot kann der Chinese mithalten. Vorn wie hinten gibt es reichlich Bewegungsfreiheit. Die Sitzposition für große Fahrer ist aber zu hoch. Erschwerend kommt hinzu, dass das Lenkrad nur in der Höhe verstellbar ist. Dass der Mittelplatz ...
... im Fond nur mit Beckengurt ausgerüstet ist, degradiert die Limousine nach deutscher Gesetzeslage vom Fünf- zum Viersitzer. Bis zum Verkaufsstart will Brilliance für eine Sondergenehmigung sorgen.
Sicherheit: ein dunkles Kapitel für den Brilliance. Nur zwei Airbags (Kia und VW haben je sechs), kein ESP lieferbar (Serie bei VW und Kia) sowie fehlende Dynamik-Kopfstützen beweisen, dass der China-Import weit weg ist vom aktuellen Stand der Technik.
Die Serieneinrichtung ist komplett: Brilliance lockt mit Lederbezügen (im Plastik-Look), Klimaautomatik, Sechsfach-CD-Wechsler, E-Fensterhebern und einem elektrischen Schiebedach, Einparkhilfe, Metallic sowie Alurädern.
Qualität: außen hui, innen pfui. Nach dem Einsteigen nerven penetranter Chemiegeruch, große Spaltmaße (Foto), scharfkantiges Hartplastik, nachlässig verklebte Abdeckungen und besonders ...
... das schlampig verarbeitete Billigleder. Auch schlecht: die manuelle Sitzverstellung und zu wenig Seitenhalt. Sitzheizung oder Navigationssystem gibt es übrigens ebenso wenig wie einen Diesel.
Das hat den Namen Klimaautomatik nicht verdient: Im Testwagen spendete die Anlage in höchster Heizstufe glühende Hitze, alle anderen Einstellungen ließen die Insassen frösteln.
Krampfig: Die Fenstertasten liegen so weit hinten in der Tür, dass sich die linke Hand krampfhaft krümmen muss, um sie zu drücken. Über einen Einklemmschutz (im Kia und VW Standard) verfügen die Scheiben nicht.
Gut: große Leseleuchten für die Fondpassagiere und gedämpfte Haltegriffe.
Das Kofferraumvolumen ist mit 550 Litern üppig. Ganz und gar nicht großartig ...
... fällt aber die Zuladung aus: Gerademal 400 Kilo dürfen an Bord. Der VW (rechts) kann 490 Kilo zusätzlich schleppen, der Kia (Mitte) 485.
Selten: Statt Tirefit oder Notrad gibt's einen vollwertigen 205er-Reifen mit Alurad.
Kein Ruhm auch im Motorkapitel: Im Brilliance arbeitet ein veralteter Mitsubishi-Vierzylinder, der weder bei Beschleunigung und Elastizität noch im Verbrauch überzeugt. Der Magentis ...
... ist stärker, schneller und sparsamer; der VW schwächer, in der Spitze schneller und ebenfalls sparsamer. Mit 11,1 Sekunden von null auf 100 km/h, 11,4 Litern Verbrauch und 195 km/h Topspeed fährt der BS 6 deutlich hinterher.
Auch beim Fahrgefühl: Daumen runter. Laut und rau dreht der 2,4-Liter hoch, Motorvibrationen übertragen sich in Kupplungspedal und Lenkrad. Beides wirkt schwergängig, das ganze Auto dadurch ungelenk. Bei voller Beschleunigung ...
... verschluckt er sich schon mal und ruckelt. Die hakelige Schaltung und der glitschige Schaltknauf verderben den Spaß am Schalten zusätzlich (Automatik nicht lieferbar). Entspanntes Gleiten dagegen funktioniert gut.
Heiße Sache: Den Brems-Extremtest aus 130 km/h bestand der Brilliance – mit glühenden Scheiben! Aus Tempo 100 benötigte die China-Limo grenzwertige 40 Meter.
Kritisch: Die Griffplatten sind zwar aerodnamisch, erschweren aber den Zugang bei Unfällen.
Kostenkiller kaufen Koreaner: Der Preismeister heißt Kia. In üppiger EX-Ausstattung kostet der Magentis 2.0 mit 144 PS 21.900 Euro. Heißt: Er ist 1100 Euro billiger, dafür 14 PS stärker ...
... und mit Verwöhnelementen wie elektrischen Sitzen, Sitzheizung, Bordcomputer und Heckklappen-Fernentriegelung ausgerüstet. Nur Metalliclackierung (400 Euro) und Leder (nicht bestellbar) fehlen.
Gemütlich: Die bequemen Sitze mit ...
... regelbarer Heizung sorgen für viel Behaglichkeit. Verarbeitung und Materialqualität sind ohne Tadel.
Warmer Popo, kühler Kopf: Die Klimaautomatik gehört ebenfalls zur Serienausstattung.
Die Stärke des Koreaners ist sein hoher Komfort. Über schlechte Straßen gleitet er souverän und poltert nur leicht mit den Achsen. Ansonsten verwöhnt er seine Insassen mit der tollen Ausstattung und guter Bedienbarkeit. Hier ist alles am richtigen Ort.
Starkes Stück: Mit dem 144 PS starken Zweiliter ist der Kia deutlich besser motorisiert als die Konkurrenten. Das macht sich ...
... beim Sprintwettbewerb bemerkbar: Der Magentis 2.0 rennt in 10,3 Sekunden auf Tempo 100, fast eine Sekunden schneller als der Passat.
Der Kia ist ein sturer Untersteuerer, deshalb sehr sicher, sodass sein Serien-ESP selten eingreifen muss. Leider bleibt durch diese Auslegung die Handlichkeit auf der Strecke. Bei schnellen Richtungswechseln wirkt die Lenkung träge und verhärtet.
Mit 4,74 Metern Länge ist der Magentis der kürzeste Wagen im Vergleich. Auch deshalb fehlen beim Kofferraum einige Liter Stauraum: Es gehen nur 496 Liter hinein. Knapp 60 Liter mehr ...
... schluckt der 4,77 Meter lange VW. Das ist hier die Bestmarke! Und der Wolfsburger ...
... lieferte noch in anderen Disziplinen den Topwert. Zum Beispiel beim Verbrauch: Der Passat begnügt sich mit 7,8 Litern Super (Kia 9,0, Brilliance 11,4). Dann wäre da ...
... der Bremsweg: Er fällt mit 37,8 Metern am kürzesten aus. Noch eine Höchstmarke setzt der Mittelklassen-Primus ...
... leider auch beim Preis (23.600 Euro): Beim VW kostet fast alles extra. Schon in magerer Trendline-Version liegt der 115 PS starke 1.6 FSI 600 Euro über dem Brilliance. Um auf ein ...
... vergleichbares Ausstattungsniveau zu kommen, zahlt der VW-Käufer noch mal 6450 Euro drauf.
Qualität hat seinen Preis: Die Materialanmutung beeindruckt.
Trotz seines viel kleineren Hubraums (1,6 Liter; 115 PS) ist der VW elastischer als der China-Import. Sportlich abgestimmt, glänzt er ...
... mit seiner präzisen Lenkung, reichlich Rückmeldung und beeindruckender Handlichkeit. Dank ESP ist der Wolfsburger jederzeit sicher.
Drei hübsche Hintern, doch der markanteste ist eindeutig der des Wolfsburgers. Geschmückt wird der Charakter-Popo ...
... von den runden LED-Lampen. Und auch an der Seite ...
... blitzt es: In den Außenspiegeln sitzen Blinker.
Als einziges Modell hat der Passat einen Außengriff zum Öffnen.
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