Klassisch knapper Roadster kontra neue Größe unter den Traumautos: Der
Mazda MX-5 (links) trifft auf das
Maserati CranCabrio – unterschiedlicher lässt sich das Thema Offenfahren wohl kaum interpretieren, und ...
... das führt AUTO BILD-Autor Wolfgang Blaube zu der Frage: "Wieviel Cabrio braucht der Mensch?"
Ich bin grad mal weg – entschwebt im Ambiente des GranCabrio. Umgeben von Carbalho-Holz, wie Maserati stolz wirbt, ...
... und edelstem Leder aus dem Hause Poltrona Frau, dessen auffallend weiblicher Name vom Gründer, Herrn Frau, herrührt.
Herrlich auch die rassig-feminin wirkende Pininfarina-Hülle und der erotische Klang des Achtzylinders – ein Traumauto, das GranCabrio. Oder doch der? Überhaupt: Passt nicht die am besten? Egal. Hauptsache, es heißt: das Traumauto, ...
... zumal es das für mich auch ist. Dumm, dass die Erfüllung ganz real am Fehlen der Finanzmittel scheitert. 132.770 Euro verlangt
Maserati – für die Grundausstattung, bei der Poltrona Frau schon drin sitzt, immerhin. Doch inklusive der hier verbauten Extras fallen knapp 155.000 Euro an. Viel für ein Auto. Viel zu viel für mich, ...
... aber fünf Riesen bekomme ich zusammen. Reicht nur für ein schickes Gebraucht-Cabriolet. Als Herausforderer für den unmöglichen Vergleich wähle ich einen
Mazda MX-5, Baujahr 1996. Weil der ebenjene 5000 Euro wert ist. Und meine Lieblingskollegin Peggy kriege ich so auch mit an den Start, ...
... ihre Stimme ist mir wichtig. Etwa wenn es darum geht, wie cool ich an den Volants der Duellanten wirklich wirke. Der Frontscheibenrahmen säße, typisch für moderne Cabrios, zu weit hinten, um volle Offenheit zu bieten, meint sie – und hat recht. Bei idealer Sitzposition beginnt meine kahle Stirn zehn Zentimeter hinter der Maserati-Sonnenblende.
Der MX-5 bietet genau die vierfache Freiheit. Auch seitlich hat der Youngtimer viel mehr Luft: Mein Ellbogen kann lässig auf dem Fenstersims liegen, ...
... beim Maserati vereitelt die hohe Gürtellinie diese Übung.
Klare Sache: Der Mazda gibt sich offener – und ist schneller oben ohne als sein Vergleichstestkonkurrent. Verdeckriegel aufgeschnippt, den Rest erledigt der Langsamfahrt-Wind.
Wer im GranCabrio das Verdeck hinter sich lassen will, betätigt diesen Schalter und kleine Elektromotoren surren 18 Sekunden lang, bis der Wetterschutz im Kofferraum verschwunden ist. Auch wenn der kleine Japaner in Sachen Dach in Führung liegt, ...
... wenn es zügiger und damit zugiger zur Sache geht, setzt der Maserati souverän zum Überholspurt an – in jeder Disziplin. Sein V8, ein
Ferrari-Erbstück mit 4,7 Litern Hubraum, 440 PS und 490 Nm Drehmoment, posaunt los, ...
... als wolle er das Autodromo di Monza beschallen. Nicht zuletzt das ist es, was die Faszination eines klassischen Italo-Vollbluts ausmacht. Und natürlich die Fahrleistungen: In 5,3 Sekunden geht es auf Tempo 100, maximal sind 283 Sachen drin.
Überraschung: Der Mazda schlägt sich im Vergleich viel besser, als sein geringer Wert vermuten, ...
... oder als ein Fünftel der Motorleistung befürchten lässt – die 90 PS aus dem 1,6 Liter großen Vierzylinder ...
... müssen bei 980 Kilo Leergewicht nur die halbe Maserati-Leermasse bewegen. Tempo 100 steht im MX-5 nach 10,6 Sekunden auf der Uhr, ...
... der Zeiger des Tachometers wandert maximal bis kurz vor die 180-km/h-Markierung.
Konzentration auf das Wesentliche: Innen bietet der Mazda wenig Spannung, aber Sitzposition und Detailverarbeitung sind besser als beim Konkurrenten.
Auch bei der Alltagstauglichkeit liegt der Mazda vor dem Maserati: Mit seinen knapp vier Metern Länge und dem flachen Heck braucht der MX-5 beim Einparken weder Sensoren noch einen Rückfahrmonitor, ...
... während der viersitzige, 4,88 Meter lange Italiener nur mühsam in die Lücke zu rangieren ist. Der Maserati ist halt ein Dickschiff, das der US-Klientel schmecken soll. Was weit hinterherhinkt, ist die Übersichtlichkeit.
Das Fazit von AUTO BILD-Autor Wolfgang Blaube: "Mehr Cabrio als den guten alten MX-5 braucht kein Mensch. Womit die Kernfrage geklärt ist. Fairerweise sei ...
... dem stolzen Kontrahenten zugestanden: Mehr Maserati bietet kein Cabrio. Und das ist nicht nur wörtlich zu nehmen, sondern vor allem philosophisch." Sie haben Lust auf noch mehr offenen Fahrspaß?
Hier sind die neuen Cabrios 2010.
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