Frischluft-Fahrspaß auf die feine Art: Starke Sechszylinder und ein offenes Verdeck machen Lust auf den Frühling. Wer bringt die Gefühle am meisten in Wallung? AUTO BILD hat
BMW 335i,
Audi A5 3.2 FSI quattro und
Mercedes E 350 CGI BlueEffiency (von links) verglichen.
Wer Wind sät, erntet nicht zwangsläufig Sturm. Bei einem Mai-Ausflug mit Deutschlands feinsten Cabrios vertreibt die frische Brise zwar die Wintermüdigkeit, doch die Frisur bleibt heil – besonders in der
E-Klasse. Hat sie am Ende wie auf dem Bild die Nase vorn?
Mit 340 von 500 möglichen Punkten fährt der offene
3er auf den dritten Platz. Ein toller Motor und ein überraschend geschmeidiges Fahrwerk begeistern beim
BMW, ...
... der winzige Kofferraum schränkt aber die Reisetauglichkeit empfindlich ein, Getriebe und Lenkung gefallen nur Sport-Fans.
In jeder Hinsicht gut im Futter: Der Reihensechser im
BMW schöpft dank Turbo aus drei Litern Hubraum 306 PS und 400 Nm Drehmoment. Sein morgendlicher Hallo-wach-Urschrei klingt fast, als wolle er dem stärkeren
M3 Konkurrenz machen. Auch beim Gasgeben ...
... zieht das aufgeladene Münchner Sixpack mit dem explosiven Vorwärtsdrang eines V8 der Vollfettstufe eine zünftig-röhrende akustische Wirbelschleppe hinter sich her. Mit 6,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100 hängt er die Konkurrenz in der Sprintwertung ab. Maximal sind 250 Sachen drin, aber ...
... der giftige Reihensechser beherrscht auch die sanfte Tour. Cruisen? Angesichts des hohen Drehmoment-Tafelbergs genauso ein Genuss wie das Lassowerfen nach den letzten der 306 PS am Rand der roten Tourenzähler-Skala.
Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet im Automatikmodus gleichermaßen flott wie effizienzbedacht. Bei Halbgas bummelt man entspannt mit 50 km/h im sechsten Gang durch die City. Allerdings fehlt dem
BMW-Getriebe die komfortable Lässigkeit eines Wandlers. Anfahr-Unschärfe und Schaltrucke stören die Harmonie.
Komfortfans bekommen im
3er durchaus was geboten: In Sachen Geschmeidigkeit übertrifft der einst so krachledern über Kanaldeckel polternde Münchner neuerdings selbst den
Mercedes. Genießer und vor allem zarte Damenhände dürften seine Lenkung ...
... jedoch nach wie vor zu sportlich finden. Das Gefühl, sein Auto wie an einem Laserstrahl geführt durch schnelle Serpentinen zirkeln zu können, wird mit einer Schwergängigkeit bezahlt, ...
... die einem beim Rangieren den Schweiß auf die Stirn treibt. Das kann auch bei fahrerischem Übermut passieren, denn das
BMW-Heck keilt trotz ESP-Fangleine stärker aus als bei der Konkurrenz.
Statt auf eine klassische Stoffmütze setzt das
3er-Cabrio auf einen wetterfesten Stahlhelm. Das macht die Karosserie beim Fahren mit geschlossenem Verdeck zwar steifer. Wer sich Vorteile bei der Geräuschdämmung erhofft, ...
... wird allerdings enttäuscht. Die aufwendig isolierten Textilhauben von
Audi und
Mercedes halten den Krach fast ebenso gut draußen.
Obligatorische Parkposition: Naht ein plötzlicher Regenguss, muss der
BMW als Einziger anhalten, ...
... um sein Stahl-Klappdach in 23 Sekunden schützend über die Insassen zu breiten.
Das kleinste Gepäckabteil des Vergleichs hat der
3er: Bei geschlossenem Verdeck passen 350 Liter in den zerklüfteten Kofferraum, ...
... Offenfahrer müssen mit mageren 210 Litern auskommen.
Der
BMW 3er bietet einen klar strukturierten Fahrerplatz. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit Lenkradwippen kostet 2400 Euro extra
Alles andere als rätselhaft: Die iDrive-Bedienlogik ist schnell erlernt.
Absolut verzichtbares Extra: der bordeigene Internet-Zugang des BMW. Mit jedem Smartphone surft man schneller.
Auf der Lenksäule sitzt der Schalter für die Lenkradheizung. Wer sich seine Hände am Volant wärmen will, muss dafür allerdings 190 Euro Aufpreis bezahlen.
Bei Tempo 130 weht der Fahrtwind mit 13,4 km/h im Bereich der Vordersitze, deren Gurtführung etwas unelegant ausgefallen ist.
BMW verlangt für den offenen 335i 54.750 Euro. Die 2400 Euro für die Sportautomatik sind bereits eingerechnet.
Das
Audi A5 Cabrio zoomt lustvoll durch die Kurven, bietet mit seinem variablen Kofferraum am meisten Alltagsnutzen. Defizite bei der Karosseriesteifigkeit ...
... werfen den Ingolstädter jedoch zurück, und sein V6 verbraucht zu viel. Am Ende reicht es zu 343 von 500 Punkten – Platz zwei.
Der
A5 ist mit 265 PS und 330 Nm Drehmoment aus einem 3,2 Liter großen V6 nominell am schwächsten motorisiert. Die Maschine hängt wach am Gas, dreht cremig hoch, macht aber erst jenseits von 4000 Touren richtig Druck, ...
... das Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge sanfter als sein Pendant im
BMW. Gelegentlicher Schalt-Schluckauf lässt allerdings auch hier den Wunsch nach einem Wandler aufkommen. Leistung vermisst man unterdessen selten, ...
... denn trotz deutlichen PS-Rückstands hält der
A5 im Vergleich zu seinen beiden Konkurrenten wacker mit. Den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 absolviert der Ringträger in 7,7 Sekunden, maximal sind 250 km/h möglich.
Auch fahrdynamisch lässt er sich die Butter nicht vom Brot nehmen – serienmäßiger Allradantrieb und ein Sportdifferenzial (950 Euro), das den
A5 durch blitzschnelle Kraftverteilung zwischen den Hinterrädern ...
... fast wie einen Hecktriebler aus der Kurve drückt, machen den
Audi zum gleichermaßen fahrsicheren wie leichtfüßigen Kurvenkünstler.
Klassisches Cabrio: Der
Audi A5 setzt auf ein Stoffverdeck, das die Passagiere mit seiner aufwendigen Isolierung wirkungsvoll gegen den Krach von draußen aubschirmt.
Den Dach-Striptease erledigt der
Audi am schnellsten: In knapp 20 Sekunden faltet sich der Wetterschutz Richtung Kofferraum, ...
... und die
A5-Besatzung sitzt, beziehungsweise fährt unter freiem Himmel. Die Prozedur funktioniert auch, wenn der Wagen in Bewegung ist – bis zu 50 km/h schnell.
Der
Audi-Kofferraum schluckt mit geöffnetem Dach 320 Liter. Die Verdecktasche lässt sich bei geschlossenem Dach hochdrücken, darunter ist dann Platz für 380 Liter Gepäck. Zum Lademeister dieses Vergleichs ...
... wird der
A5 durch diesen kleinen Hebel: Wer daran zieht und ...
... die Rücksitzlehnen umklappt, kann sogar 750 Liter einpacken.
Der Arbeitsplatz des
A5: sportliche Instrumente mit hängenden Zeigern, die Handbremse schrumpft zur Elektrotaste. Die Bedienung ist nicht ganz so ablenkungsfrei wie in
BMW und
Mercedes.
Audi fächelt den Passagieren in der ersten Reihe laue Luft um den Hals. Bei Tempo 130 ist es hier mit 21,8 km/h Windgeschwindigkeit zugiger als im
BMW.
Elektronische Auge, sei wachsam: Lichtblitze im Spiegelgehäuse warnen vor Fahrzeugen im toten Winkel.
So sieht der Preis-Leistungs-Sieger dieses Vergleichs aus:
Audi verlangt 54.900 Euro für das
A5 Cabrio 3.2 FSI quattro. Mit an Bord sind "drive select" (300 Euro), Dynamiklenkung (1000 Euro) und das Sportdifferenzial (950 Euro).
Als gediegenes Genießer-Cabrio spielt die
Mercedes E-Klasse ihre klassische Paraderolle. Qualität, Bremsen, Verbrauch – alles top. Nur beim Federungskomfort ...
... kauft dem Benz ausgerechnet der
BMW den Schneid ab. Trotzdem reicht es am Ende mit 345 von 500 Punkten zum äußerst knappen Sieg.
Mit 3,5 Litern hat der
Mercedes-V6 den größten Hubraum, er ist mit 292 PS und 365 Nm Drehmoment aber nicht die stärkste Maschine in diesem Vergleich. Auf Gasbefehle reagiert der Daimler zögerlicher als der
BMW, ...
... bleibt akustisch stets dezent. Automatik und Motor verstehen sich blind; wie ein Paar, das auch nach jahrelangem Ehealltag noch so gern kuschelt wie am ersten Tag.
Das
E-Klasse Cabrio beschleunigt nachdrücklich – nicht unflott, aber ohne die Schlagkraft einer Turbo-Faust im Rücken. Mit 7,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 reiht es sich beim Sprint zwischen
BMW und
Audi ein. Spitze: 250 km/h.
Der
Mercedes -Lenkung mangelt es zwar keineswegs an sämiger Direktheit, doch der Scharfzeichner fehlt. Leise strömt das Cabrio dahin. Buckelpisten entzaubern allerdings das Bild des noblen Wellness-Gleiters. Querrillen werden mit einem herben Schlag ...
... nach innen durchgereicht. Ausgerechnet der in der Vergangenheit für eine gewisse Härte bekannte
BMW steckt Fahrbahnschäden besser weg. Jedoch: Kein Ächzen oder Knarzen dringt aus dem Gebälk. Die Karosserie wirkt selbst beim Offenfahren steif wie der Aufbau einer Limousine.
Wie der
Audi setzt auch der
Mercedes auf ein klassisches Stoffverdeck, das Wind und Lärm genauso effektiv von den Passagieren fernhält, wie beim Ingolstädter Rivalen.
Die
Mercedes E-Klasse lässt sich mit 26 Sekunden am meisten Zeit für das Entblättern, ...
... aber auch hier darf das Verdeck seinen Weg Richtung Kofferraum oder Scheibe antreten, wenn der Wagen in Bewegung ist. Bis zu 40 km/h klappt das elektromechanische Ballett.
Wenn es noch eines Beweises dafür bedurfte, dass im Auge des Orkans stets Ruhe herrscht, dann liefert ihn
Mercedes. In der offenen
E-Klasse, deren technisches Grundgerüst (wie beim Vorgänger
CLK) eigentlich von der
C-Klasse stammt, ...
... krümmt einem die milde Maibrise kein Haar. Wer die Fenster hochfährt und per Taste zusätzlich das "Aircap" aufstellt, genießt im Schutz des Mini-Spoilers oberhalb der Frontscheibe frisurfreundliche Flaute. Die Heizung verwandelt den Innenraum in eine Warmluft-Badewanne, ...
... dazu gibt’s Sitzwärmer und Nackenföhn – der Sommer kommt auf Knopfdruck, unabhängig vom Kalender. Mit "Aircap" bläst der Fahrtwind bei Tempo 130 mit zehn km/h im Bereich der Vordersitze, ohne das System weht er 17,9 km/h schnell.
Mit 390 Liter Stauraum bei geschlossenem Verdeck und 430 Kilo Zuladung liegt die
E-Klasse vorn. Wermutstropfen bleibt die kleine Ladeluke. Eine Skidurchreiche gibt es bei
Mercedes serienmäßig (anders als bei
BMW).
Und so sieht es aus, wenn sich die Stoffmütze im Kofferraum breitgemacht hat. Dann schluckt das Gepäckabteil der
E-Klasse nur noch 300 Liter.
Das
Mercedes-Cockpit zeigt sich im kantigen
E-Klasse-Stil. Die geringere Innenbreite und der Automatikwählhebel auf dem Mitteltunnel verraten: Darunter steckt eine
C-Klasse.
Einfache Sitzverstellung im typischen
Mercedes-Stil. Gut: Eine Memoryfunktion gibt es auch für Lenkrad- und Spiegelposition.
Gut gemeinter Ratschlag: Bei nachlassender Konzentration mahnt ein Kaffeetassen-Symbol im Tachometer zur Pause.
Der teuerste Wagen dieses Vergleichs kommt aus Stuttgart: Den offenen E 350 CGI BlueEfficiency lässt sich
Mercedes mit 57.299 Euro bezahlen. Im Preis enthalten ist die Mischbereifung in 17 Zoll.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Martin Puthz: "Drei Marken, drei Klischees.
Mercedes: komfortabel,
BMW: dynamisch,
Audi: irgendwo dazwischen. Sorry, das stimmt so pauschal nicht mehr, ...
... die Trennschärfe schwindet. Der
3er blieb seinem sportlichen Erbe treu, hat mit der Modellpflege aber beim Komfort mächtig zugelegt.
Audi wird in Sachen Handling ...
... immer mehr zum Angstgegner für
BMW. Und
Mercedes? Gewinnt hier zwar. Halbherziger Dynamik-Ehrgeiz stört jedoch die Harmonie."
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