Diese Karre ist Rock 'n' Roll: Chryslers 300D von 1958 ist nicht nur wegen seines Hemi-V8 Legende. AUTOMOBIL TESTS hat ihn mit seinem Urenkel 300C.
Abstand halten: Irre, wie laut der 300D röhrt – keine Dämmatte "stört" den Schall.
Chrysler besinnt sich auf alte Stärken: Der neue 300C adaptiert nicht nur Designelemente, sondern fährt auch mit der auf Rennstrecken gefürchteten Kombination aus Hemi-V8 und Heckantrieb.
Exklusive Ledercouch: Nur zwölf 300C wurden weltweit mit dieser roten Lederausstattung ausgeliefert. Bei den 607 übrigen Exemplaren waren die Sitze im beigen Ton der Türverkleidung gehalten.
1958 nannte Chrysler dieses Motor-Prachtstück noch "Fire-Power", heute heißt er Hemi-V8. Röchelnd ziehen 6,4-Liter Hubraum ihr Gemisch durch zwei Vierfachvergaser und bringen 280 PS und 590 Nm Drehmoment auf die Straße.
Der 300C versteckt seine 5,7-Liter-Maschine unter Kunststoff – dabei können sich 250 PS und 525 Nm Drehmoment doch durchaus sehen lassen. "Hemi" ist die Abkürzung ...
... von hemisphärisch, auf deutsch halbkugelförmig. Sie bezieht sich auf die Form der Brennräume: Bei niedriger Verdichtung haben sie einen höheren Wirkungsgrad als andere Motoren und damit mehr Leistung. Beim Oldie ermöglicht das ...
... einen Topspeed von 217 km/h und einen Spurt von 0 auf 100 in 7,7 Sekunden. Noch ein gutes Stück schneller ist der ...
... moderne Chrysler: In 6,4 Sekunden ist er auf 100 km/h, Schluß ist bei 250.
Erb-Gut: Einige Details des Klassikers wurden übernommen. Zum Beispiel ...
... der Kühlergrill erinnert in Struktur und Form ...
... stark an den des Vorgängers.
Leider hat der Neue nicht das Heck des Alten. Wo der 58er ...
... mit 2,54 Meter langen Seitenteilen und Heckflossen Charakter beweist, ...
... zeigt der Neue aalglatte Sachlichkeit.
Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz: Die Räder ...
... des Dinos sind märchenhaft schön, Kunstwerke für sich.
Im direkten Vergleich wirken die Räder des 300C sogar langweilig.
Verführerischer Blick: Wo in den 50ern Chrom die Herzen erwärmte ...
... ist im Jahr 2005 Klarglas angesagt.
Heckleuchten gestern ...
... und heute. Kommentar überflüssig.
Klotzen statt kleckern: Gleich 13 (!) 300er-Embleme verraten selbst einem Laien, vor welchem Modell er steht. Die größten Logos mit fast 13 Zentimetern Durchmesser befinden sich an den hinteren Flanken.
Nicht nur die Karosserie, auch der Innenraum ist mit 300-Emblemen gepflastert. Nur keine falsche Bescheidenheit.
Der 300C gibt sich zurückhaltender. Dafür stellt er unmißverständlich klar, was unter seiner Haube steckt: HEMI!
Herrlich abgegrabbelt: In den Rillen des Türgriffs stecken Schweiß und Straßenstaub aus 50 Jahre Geschichte. Sollte der moderne 300er ...
... in einem halben Jahrhundert noch straßentauglich sein, wird ihm das fehlen.
Des 300D-Besitzers liebste Beschäftigung: polieren. An zahlreichen verchromten Anbauteilen wie den Außenspiegeln kann er hingebungsvoll beweisen, wie sehr er sein Baby vergöttert. Was treiben nur ...
... die armen Inhaber eines 300C an Samstagen?
Seitenhalt? Pah – die knackige Blondine nebendran muß die Rutschpartie in Kurven stoppen. Was ihre Sitzposition angeht, muß sie sich nach dem Fahrer richten: Die Bank läßt sich zwar elektrisch in sechs Stufen, aber nur komplett bewegen.
Im aktuellen 300C sitzt jeder wie er will: Fahrer- und Beifahrersitz fahren unabhängig voneinander in jede gewünschte Position. Die serienmäßige Lederausstattung ist in zwei Farben erhältlich.
Einfach gigantisch: Das Lenkrad mißt im Durchmesser 43 Zentimeter.
Etwas kleiner, aber für europäische Verhältnisse immer noch überdimensioniert, präsentiert sich das Lenkrad in der modernen Limousine. Und wie es sich im dritten Jahrtausend gehört, ...
... kann es auch mehr, als schnöde im Kreis zu drehen.
Absolutes Unikat: Der 300D von Patrik Strub ist nicht nur einer von zwölf mit roter Lederausstattung, sondern das einzige Exemplar, das ab Werk einen Tacho mit km/h- statt mph-Skalierung (miles per hour, Meilen pro Stunden) bekam.
Schön gemacht: Chrysler hat an klassischen Formen wie den Rundinstrumenten ...
... und der analogen Uhr festgehalten.
Navi, CD, Klima – die Mittelkonsole des Nachfolgers ist mit Hightech-Geräten vollgestopft. Im Vorgänger ...
... muß sich die Besatzung mit 9-Knopf-Radio und Luftregler begnügen.
Welche Funktion wohl diese Schalter haben? Auf jeden Fall sind sie eine schöne Herausforderung für die Freunde des Poliersports.
Kurios: Die Dreigänge-Automatik arbeitet auf Knopfdruck. Gestartet wird mit der "Neutral"-Taste. Einen vertrauteren Anblick ...
... bietet die moderne Fünfgang-Automatik mit schmuckem Holzknauf.
Nichts für Kleingeister: Der in "Matador Red" lackierte 300D streckt sein Blech auf 5,5 Meter Länge. Der 300C ...
... ist einen halben Meter kürzer und damit immer noch ein satter Brocken.
Okay, was Geschwindigkeit und Komfort angeht, liegt der Neue vorn. Mit dem Flair des Oldtimers aber kann die knapp 50.000 Euro teure Nobel-Limousine nicht mithalten.
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