Ein Citroën DS4 im Sportlerkleid? Kein Problem: Wie schon beim DS3 Racing haben sich die Ingenieure von Citroën Racing und die Designer den DS4 für den
Autosalon Genf 2012 vorgeknöpft, um aus den Edel-Modell einen veritablen Sportler zu schmieden.
Das Concept Car verfügt über ein um 35 Millimeter tiefer gelegtes Fahrwerk im Vergleich zum Serienfahrzeug, eine um 55 Millimeter verbreiterte Spur vorn und eine um 75 Millimeter verbreiterte Spur hinten. Dazu leistet der 1,6-Liter-Turbo im Racing-DS4 satte 256 PS.
Und hier der Vergleich zur Serie: Mit viel Vorschusslorbeeren für seine Schönheit bedacht, startete der
Citroën DS4 Mitte 2011 in unseren Test. Was hat der Schönling wirklich drauf?
Der DS4 stammt vom Golf-Konkurrenten
C4 ab. Es fällt aber sofort auf, dass er höher auf der Straße liegt und keine Fondtüren hat.
Oder doch? Selbst wer ganz nah herantritt, tut sich schwer, die hinteren Portale zu erkennen. Kleine schwarze Klappgriffe verstecken sich an der C-Säule und ...
... öffnen die Türen. Passagiere müssen sich um eine scharfkantige Spitze herumwinden und auf die Rücksitze fädeln – besser als ein lupenreines Coupé, aber eben kein echter Viertürer. Wer hinten sitzt, hat wenig Kopf- und Kniefreiheit. Für Kurztrips reicht es aber.
Der schönen Form wegen litt auch das Kofferraumvolumen gegenüber dem Normal-C4: minus 23 Liter auf jetzt 385 Liter.
Mehr Sound, weniger Platz: Die optionale Bassbox (500 Euro) verkleinert den Kofferraum.
Geteilte Rückenlehnen erweitern das Stauvolumen, bilden aber leider eine steile Rampe. Dazu kommt eine extrem hohe Ladekante (78 Zentimeter). Ein Praktiker ist er also nicht, dieser DS4, der mit seinem großen Namen an die berühmte Citroën-Göttin der 60er-Jahre erinnern möchte.
Göttlich ist indes die üppige Serienausstattung. In der getesteten Version (ab 28.400 Euro) gibt es unter anderem 18-Zoll-Räder, ...
... Klimaautomatik, Totwinkelassistent, Parklückendetektor, ...
... beheizbare Spiegel, 230-Volt-Steckdose, Lederlenkrad ...
... und sogar Massagesitze ohne Aufpreis. Leider massieren diese nur bei laufendem Motor den Rücken. Die braune Volllederausstattung heißt Habana und kostet je nach Ausstattung 2000 ("Sport-Chic") oder 3000 Euro ("SoChic"). Große Fahrer sitzen zu hoch. Und: Wer GTI jagen will, braucht mehr Seitenhalt.
Der DS4 verzichtet auf die Citroën-typische fest stehende Lenkradnabe. Leider! Dafür überfrachten zehn Tasten und vier Drehschalter das Lenkrad. Ohne Bedienungsanleitung hat man zunächst keine Chance. Das Cockpit wirkt gut verarbeitet und hat eine hochwertige Anmutung, ...
... die Panoramascheibe mit verschiebbaren Sonnenblenden gehört übrigens auch zur Serienausstattung.
Ob spiegelnde Instrumente, nicht versenkbare Fondscheiben oder die komplizierte Bedienung – der akribische Fehlerfinder entdeckt viele Unzulänglichkeiten. Was soll’s? Für Fans sind das sympathische Eigenarten, die den DS4 erst liebenswert machen.
Ohne Makel präsentiert sich der zusammen mit
BMW entwickelte Turbo-Vierzylinder, der auch im
Mini zu finden ist. 200 PS und 275 Newtonmeter Drehmoment adeln den DS4 THP 200 zum
GTI-Gegner. Nach einer klitzekleinen Verzögerung bei der Gasannahme ...
... zieht der 1600er das Limousinen-Coupé in jedem der sechs manuell zu schaltenden Gänge mächtig nach vorn, ...
... bereits nach 8,1 Sekunden liegt Tempo 100 an – 0,4 Sekunden besser als die Werksangabe. Nur mit dem Höchsttempo von 235 km/h war Citroën zu optimistisch. Selbst bergab und mit Anlauf erreicht die Tachonadel selten den 230er-Strich.
Wird die komplette Leistung auf die Vorderräder losgelassen, gibt es Rauchzeichen. Aber nur auf nasser Straße hat der DS4 – wie alle starken Fronttriebler – schon mal ernsthafte Traktionsprobleme.
Bei der Fahrwerkentwicklung scheinen Erfahrungen des erfolgreichen Citroën-Rallyeteams (Dauerweltmeister seit 2004) in die DS4-Abstimmung geflossen zu sein. Das gegenüber dem normalen C4 um zehn Prozent straffere Fahrwerk ist nie zu hart, ...
... präzise und nicht nervös rollt der Kompaktsportler über Straßen aller Art. Trotz seiner erhöhten Karosserieform zeigt er keine Aufbaubewegungen und bleibt stets spurtreu. Sogar das Talent zum Lastwechsel samt Heckschwenk scheint ihm nicht fremd, ...
... doch da das ESP oberhalb von 50 km/h stets aktiv bleibt, werden instabile Fahrzustände mit fein dosierter Gaswegnahme unterbunden. Erst bei stark überhöhtem Kurventempo greifen auch die Bremsen automatisch ein. So soll es sein: eine gelungene Regelung.
Auch die Lenkung hält da mit und zeigt spontanes Einlenkverhalten – eine Tugend, die wir von Citroën sonst nicht gewohnt sind.
Bei voller Verzögerung aus 100 km/h demonstrierte der Testwagen seine standfeste Bremsanlage. Bei der Erstbremsung mit kalten Scheiben stand er schon nach 36,4 Metern. Mit warmer Bremsanlage verkürzte sich der Weg um mehr als einen Meter auf 35,3 Meter. In der Kompaktklasse sind das Topwerte
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "Feiner Anzug, edle Krawatte, aber nicht viel dahinter: Das erlebt man öfter in der Geschäftswelt. Zum Glück nicht bei diesem Auto. Der DS4 sieht nicht nur erfrischend anders aus als der Rest der Kompaktklasse, ...
... sondern hält sein sportliches Versprechen mit guten Leistungen. Nur beim Höchsttempo hat Citroën übertrieben. Auch wenn sein Platzangebot nicht optimal ist, meistert er den Alltag anständig und bekommt 3,5 von fünf möglichen Sternen."
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