Panzer wie der deutsche Wisent 2 fressen sich mit riesigen Pflügen, Bodenfräsen und Schaufeln durch brandgefährliche Minenfelder. Die Maschinen sind extrem gepanzert und trauen sich dorthin, wo für Menschen Lebensgefahr herrscht. Minenverseuchte Gebiete für humanitäre- oder militärische Einsätze säubern, so lautet ihr Auftrag.
In der Tierwelt ist der Wisent ein europäischer Bison, bei der Bundeswehr ein umgebauter Leopard 2-Panzer. Ausgerüstet mit dem zangenartigen Minenräumpflug wühlt er sich durch die Erde auf der Suche nach Sprengsätzen.
Sieht nicht nur aus wie eine Schweizer Taschenmesser auf Ketten: Neben dem Minenräumen beherrscht der Wisent das Baggern. Mit dem Knickarmbagger kann der Panzer ...
... 300 Kubikmeter Erde pro Stunde wegschaffen. Alternativ ist für das XXL-Taschenmesser eine Krananlage für Lasten von bis zu 32 Tonnen sowie eine 40 Tonnen Hauptwinde verfügbar. Beides dient hauptsächlich dem Bergen und Abschleppen in gefährlichen Gebieten.
Zusätzlich kann der Pflug in wenigen Stunden gegen ein Räumschild ausgetauscht werden. Damit lassen sich Blockaden und Hindernisse auf Straßen beseitigen.
Die Netze auf der gepanzerten Oberfläche sollen nicht etwa vor Sand und anderem Schmutz schützen. Es handelt sich um spezielle Hitze reflektierenden Tarnnetze. Das Netz soll auch als überdimensionales Cocktailschirmchen für einen kühlen Kopf beim Kommandanten sorgen.
Die Modifikationen die einen Leopard 2 zum Wisent machen, gibt es auch für den ältern Bundeswehr-Panzer, den Leopard 1. Seine Konfigurationsmöglichkeiten reichen vom Bergepanzer mit einem 30 Tonnen Kranarm über ...
... den Pionierpanzer mit Knickarmbagger bis hin zum Minenräumpanzer (Bild).
Sein leistungsgesteigertes Triebwerk bietet 960 PS (sonst 830 PS) und ermöglicht so eine Höchstgeschwindigkeit von 62 km/h.
Ebenfalls Minenräumer "Made in Germany": Fuchs KAI (KampfmittelAufklärung und -Identifizierung). Der 6x6 Radpanzer soll im Auslandeinsatz improvisierte Sprengfallen von Routen entfernen. Dafür verfügt der KAI über ...
... einen mehrgliedrigen Greifarm mit über zehn Meter Reichweite und hoher Tragkraft. Dieser ermöglicht es, mit genug Abstand aus dem Panzer heraus verdächtige Stellen zu untersuchen.
Im Bedarfsfall können sogar Personen und Material mit dem Terminator-Arm aus einem Gefahrenbereich evakuiert werden. Es muss also nicht immer so grob zugehen wie beim Pflug des Wisent. Es gibt generell zwei Arten der Entminung zwischen denen ...
... unterschieden werden muss: In Friedenszeiten spricht man vom zivilen Minenräumen. Ein Gebiet wird dabei gründlich und mit zeitaufwendigen Prozessen gereinigt, damit es von der Bevölkerung wieder genutzt werden kann. Dafür eignet sich der Husky der US-Army besonders gut.
Er wurde von den US-Soldaten unter die Top 10 der innovativsten Militärfahrzeuge gewählt. Mit seinem an der Front angebauten Radar wirft er einen Blick unter die Erde und sucht dort nach versteckten Sprengfallen.
Zugegeben: Der Husky sieht aus wie ein mutierter Traktor, allerdings liegt das nicht an einem talentlosen Designer. Sollte der Husky eine Mine übersehen und diese auslösen, kann sie ruhig unter ihm explodieren. Die Husky-Konstruktion ...
... lenkt die Sprengkraft von der Fahrerkabine ab. Der Soldat sitzt dann quasi im Zentrum der Explosion, ohne Schaden zu nehmen. Trotzdem ist es für die Soldaten eine harte Belastung, die sie mit dem Bungee-Sprung aus einem Flugzeug vergleichen.
Der 8,8 Tonnen schwere Minensuch-Hund kommt aus Afrika und ist eins der wenigen ausländischen Fahrzeuge in den US-Streitkräften. Aktuell werden die Huskies in Afghanistan eingesetzt, um dort die Straßen von Sprengfallen zu säubern. Dabei deckt er bei 35 km/h einen Bereich von drei Metern ab und schafft am Tag 200 Kilometer. Diese ...
... Zeit fehlt im Ernstfall. Dann muss die Entminung in einer Kampfzone schnell gehen, um feindlichen Beschuss zu minimieren. In den meisten Fällen wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Pfad ins Minenfeld gerissen, um anderen Militär-Fahrzeugen einen sicheren Korridor zu bieten, wie es hier der Trojaner (ganz rechts) tut.
Der Trojan gehört zur Challenger-2-Familie, ebenso wie der
Kampfpanzer Challenger 2 und der
Brückenleger Titan. Wie seine Kollegen, hat er einen Perkins CV12 Diesel unter seiner Panzerung und schiebt so mit 1200 PS seinen Räum-Pflug durchs Erdreich. Was ihm in die Quere kommt, wird zerstört oder ausgelöst.
Neben dem Pflug verfügt er über einen unübersehbaren hydraulischen Baggerarm, der eine Hebekapazität von 6,5 Tonnen hat. Mit dem Arm kann der Trojaner Hindernisse aus dem Weg räumen und sogenannte Faschinenrollen ablegen. Diese rollen wie ein Teppich über Krater und machen sie so passierbar.
Die speziell entwickelten Geräte des britischen Trojan erkennen und zerstören alles, was Menschen und Fahrzeugen gefährlich werden kann.
Wer nun denkt, das 62,5-Tonnen-Ungetüm sei der ultimative Minen-Fresser, wird eines Besseren belehrt. In der US-Army verrichtet seit fünf Jahren ...
... der Ambush Breaching Vehicle (ABV) seinen Dienst. Auf den ersten Blick sieht er aus wie der Trojaner ohne Greifarm. Tatsächlich wiegt er aber zehn Tonnen mehr und ...
... hat auch ansonsten recht wenig mit seinem britischen Kameraden gemein.
Schauen wir also kurz in die Historie des Panzers mit den Stahl-Fühlern: Der ABV wurde zwischen 2002 und 2007 entwickelt.
Im Februar 2012 lieferte Hersteller Anniston Army Depot (ANAD) das letzte von insgesamt 52 ABV an das USMC aus.
Auf Basis des
M1A1 Abrams von General Dynamics hat ANAD eine Maschine entwickelt, die sich mit einer 1521 PS starken Gasturbine den Weg zum Feind umpflügt, freiräumt oder -sprengt.
Nicht umsonst wird der ABV auch "Shredder" genannt.
Anders als viele ältere Minen-Fresser verbindet der ABV gleich mehrere Räumungsmethoden. Beim Pflug-System reißen seine langen, spitzen Metal-Arme den Boden vor dem Panzer auf. Das System gibt es auch in Abwandlung für andere Panzer wie den Leopard 2.
Mit dem Pflug werden Sprengfallen gegen Fahrzeuge im sicheren Abstand zur Detonation gebracht oder schwer beschädigt. Kleine Minen können allerdings durchs Raster fallen.
Eine andere Methode ist die pyrotechnische Räumung. Dazu sind auf dem ABV anstatt eines Geschützturmes zwei Raketenwerfer angebracht.
Die Raketen verschießen längere Ketten von C4-Sprengstoff. In ausreichendem Abstand vor dem Panzer fallen sie zu Boden und ...
... sprengen einen Sicherheitskorridor in das Minenfeld.
Zusätzlich kommen ein Magnet-System und andere Sensoren zum Einsatz, da Sprengfallen auf unterschiedliche Signale wie Geräusche oder Vibrationen anspringen.
Der Breacher (hinten) bestückt mit Rakentenwerfern und Pflug im Vergleich mit einem anderen Breacher der "nur" mit einem Räumschild versehen ist.
Der M1 Panther lässt es mit seinem Walzen-System krachen. Er basiert auf dem M1 Abrams.
Trotz seiner Turbine mit über 1500 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 72 km/h eignet sich der Panther mit den Walzen längst nicht so gut zum schnellen Minen-Fressen wie der Shredder.
Dieser zum Minenräumer umgebaute Panzer gehört zu
Renault-Trucks. Sein Name könnte nicht komplizierter sein: AMX30B2DT.
Eine weitere Methode der Minenvernichtung ist die Anwendung eines Flegel-Systems. Der Hydrema-Truck 910 MCV nutzt diese Methode.
Der gepanzerte Lkw fährt langsam rückwärts in ein Minenfeld. An seinem Heck befinden sich 72 Ketten an einem Zylinder.
Der dreht sich mit hoher Geschwindigkeit und peitscht die Ketten auf den Boden. Minen in einem Umkreis von 3,5 Meter werden dabei ausgelöst oder vernichtet.
Doch nicht alle Arten von Landminen lassen sich mit der Flegel-Fräse auslösen. Oftmals folgt der Vorarbeit des Trucks die nachträgliche Räumung von Spezialisten per Hand.
Der Hydrema wird in Dänemark hergestellt. Die Amerikaner setzen den 18,5 Tonner hauptsächlich in Afghanistan ein. Es gehört zu den am schlimmsten vermintesten Ländern der Welt. Über 640.000 Minen wurden dort seit 1979 gelegt.
Wegen seiner Ketten-Technik wird der zehn Meter lange Lkw von den Soldaten auch "mine munching monster" genannt.
Angetrieben wird das Monster von einem 6-Zylinder-Turbo-Diesel. Besondere Ansprüche werden an die Klimaanlage gestellt, weil der Hydrema in Afghanistan bei extremer Hitze arbeitet. Selbst mit dem Kettengeschirr auf der Ladefläche sind nicht mehr als 42 km/h drin.
Wird das Geschirr allerdings abgesenkt und das Minenräumen beginnt, wird nur noch im Schritttempo gefahren.
Der Lkw verfügt über permanenten Allradantrieb und ein 6-Gang "Ergo-Power" Getriebe. Sechs Gänge für forwärts und drei für rückwarts.
Zwei Hydraulikmotoren betreiben das Flegel-System. Sie können in zwei Richtungen gedreht werden.
Bis zu 390 Runden pro Minute peitschen sie beim Minenräumen.
Die Bundeswehr verfügt ebenfalls über Minenräumer. Hier ein Minensuchpanzer vom Typ "Keiler". Er wurde hauptsächlich nach dem Kosovo-Krieg eingesetzt, um Minen wegzuräumen.
Der 53 Tonnen schwere Keiler bei einer Vorführung im Setember 2010 auf dem Truppenübungsplatz in Munster.
Der Minenräumpanzer Keiler räumt mit seinen knapp 1000 PS eine Gasse in ein Minenfeld. Mittels schwerer Klöppel, die sich an einer drehenden Walze befinden, werden im Boden befindliche Minen zerstört oder zur Detonation gebracht.
Es muss nicht immer militärisch sein: der serienreife Minenräumer "Minebreaker 2000/2" von der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft. Ende der 90er kostete der Minenbrecher 2,1 Millionen Mark und ist in Bosnien und Herzegowina getestet worden.
Die russische Variante des Minen-Fressers: BMR-3M. Das gepanzerte Fahrzeug wurde auf der "Engineering Technologies 2012" in Zhukovsky nahe Moskau gezeigt.
Insgesamt 51 Tonnen bringt der BMR-3M auf die Waage. Wenn auch recht neu, so ist das Roller-System mit seinen Walzen nicht das effektivste. Daher ...
... gibt es noch den IMR-3M mit seinem Pflug. Beide sehen wie Monster aus und verfehlen scheinbar nicht ihre erschreckende Wirkung.
Noch ein ganz einfacher Name: AARDVARK, in Frankreich als MADEZ bekannt. Die Franzosen nutzen ihn in Bosnien-Herzegovina.
Sogenannte Trailblazer-Einheiten hatten den Auftrag, die Straßen des Irak von IEDs (Improvised Explosive Device, Sprengfallen) zu Befreien. Diese Einheit setzt RG31 MRAPs (Mine Resistan Ambush Protected Vehicle) ein. An der Front der Fahrzeuge wurden Minenroller angebracht, die IEDs auslösen, bevor sie durch das Fahrzeug selbst ausgelöst werden.
Gefolgt werden die RG31 durch ein Buffalo Mine Protected/Clearance Vehicle.
Hier sucht der Büffel mit einer "Kabel" den Straßenrand nach Sprengfallen ab.
SOUVIM 2 ist kein Traktor, sondern ein Minenjäger und -zerstörer. Er schafft es, eine Strecke von 150 Kilometern am Tag zu "reinigen".
Nicht nur Traktoren, auch Bagger wie der japanische Hitachi können zu Minen-Fressern umfunktioniert werden.
Der Mine-Wolf Bagger war einmal ein Liebherr 924.
Leicht gepanzerte Schützenpanzer erhöhen ihre Überlebenswahrscheinlichkeit gegenüber Minen mit einem Räumschild.
Der Mine-Wolf3 kann es mit zehn kg TNT aufnehmen. Sein System gehört zu den zuverlässigsten. Die Bodenfräse gräbt den Erdboden bis zu einer gewissen Tiefe (20cm-1m)und zerkleinert dabei alles. Minen werden dabei regelmäßig gezündet. Anders als beim Pflug wird der Boden nicht nur an mehreren Punkten durchpflügt, sondern im ganzen Volumen verarbeitet.
Der Medium Mine-Wolf nutzt das Flegel-System.
Die vielen unterschiedlichen Methoden sind der extremen Vielfalt der Minen geschuldet. Es ist bei der Verlegung von Minen üblich, unterschiedliche Typen zu vermischen. Den Räumern soll es schließlich schwer fallen, sich einen Weg zu bahnen.
Während die Verlegung relativ einfach und kostengünstig ist, ist Räumung kompliziert. Neben Minen richten beispielsweise in Afghanistan improvisierte Sprengfallen (Bild) großen Schaden an.
Minen waren auch in Deutschland ein Thema: In Behrungen (Thüringen) bereiteten Mitarbeiter einer Bergungsfirma im Juli 2001 auf dem ehemaligen Todesstreifen der deutsch-deutschen Grenze die Suche nach Bodenminen mit einem Spezialgerät vor. An der innerdeutschen Grenze wurden zu DDR-Zeiten rund 1,3 Millionen Antipersonenminen gelegt.
Laut der Rating-Agentur oekom stehen in Deutschland acht Unternehmen im Verdacht, kontroverse (also umstrittene) Waffen herzustellen. Zu diesen Waffen gehören jene, deren Einsatz als besonders menschenverachtend gesehen wird, zum Beispiel Streumunition, Minen oder biologische Waffen.
Sich einzelne Rüstungsunternehmen, Autohersteller oder Banken rauszupicken und auf sie zu zeigen, deckt keinesfalls die Gesamtheit der Schuldigen ab. Die Seite
Landmine.de liefert einen guten und umfassenden Überblick, wer alles in der Welt am Handel mit Sprengfallen beteiligt ist.
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