Nicht nur zu Zeiten der Abwrackprämie ein Hit: der
Dacia Logan. Der Kaufpreis des Riesen-Kombis Logan MCV überzeugt sofort. Doch wie steht es um Zuverlässigkeit und Qualität? Nach 100.000 Kilometer im Dauertest steht die Antwort fest: Der
Dacia ist ein echter Volkswagen, auf den man sich verlassen kann.
Der rund 14.000 Euro teure Testwagen trat den Dauertest mit dem mittlerweile nicht mehr angebotenen 68-PS-Turbodiesel an. Der kleine Motor lief vor allem auf Langstrecken oft am Limit. Beim Überholen muss man Geduld haben, Spitze 105 km/h in den Kasseler Bergen, lautes Dröhnen in der Ebene ab Tempo 140.
Genügsamer Lastesel: Im Testdurchschnitt verbrauchte der 68-PS-Diesel 6,7 Liter. Großes Sicherheitsmanko:
Dacia bietet bis heute kein ESP an, auch nicht gegen Aufpreis. Umso wichtiger, dass das Fahrwerk angenehm überrascht: Selbst bei voller Beladung besteht der Dacia den Elchtest ohne Ausbrechen.
Unauffällige Erscheinung: Der
Logan MCV wirkt zeitlos und imageneutral – anders als die in Deutschland seltener verkaufte Stufenheck-Limousine.
Die Schokoladenseite des
Logan MCV: Bis zu 2350 Liter schluckt das MCV-Heck mit zwei Klapptüren. Bei hochgeklappten Rücksitzlehnen passen immer noch 700 Liter in den Kofferraum – das reicht auch für Großfamilien locker aus.
Renault übernahm
Dacia 1999 vollständig. Der
Logan, geplant für Schwellenländer, verwendet die Technik des alten Renault Clio. Von 1969 bis 2004 baute Dacia den Renault 12 in Lizenz.
Zurück in der Heimat: der
Logan MCV vor dem rumänischen Werk in Pitesti. Heute baut
Dacia sechs verschiedene Modelle, ab 2010 auch den kleinen Billig-SUV
Duster.
Die häufigste Kritik am billigen Kunststoff der Armaturentafel zeigte Wirkung: Im Bestseller
Sandero präsentierte
Dacia 2008 ein schöneres Cockpit, das bald alle Modelle bekamen. Dass die Bedienung für Klimaanlage und Lüftung weiter tief unten fast im Fußraum liegt, gehört zu den karpatischen Kuriositäten.
In allen
Dacia dienen die gleichen Instrument. Daher zeigt der Drehzahlmesser keinen roten Bereich an.
Unendliche Weiten: Der riesige Laderaum ist durch zwei seitlich öffnende Hecktüren gut zugänglich. Zwei weitere Sitzplätze im Heck kosten im Paket mit ausstellbaren Seitenfenstern 500 Euro Aufpreis.
Die Demontage nach 100.000 Kilometern zeigt, dass
Dacia gespart hat. Die Sitze wackeln, die Polsterstoffe sind wellig und die Styropor-Dämmeinsätzen in den Fußräumen zerbröselt. Die Konservierung des Hohlraums ist ungleichmäßig. Die Renault-Mechanik ist jedoch in gutem Zustand.
Bei Motor und Getriebe hat
Dacia nicht gegeizt. Die bewährten Renault-Teile haben 100.000 Kilometer nahezu fehlerfrei überstanden. Sogar die nach 50.000 Kilometern totgesagte Kupplung ist noch einsatzbereit.
Kuriose Sparsamkeit: Der Motorblock ist auf der Vorderseite schwarz lackiert. Die Rückseite trägt statt Schutzlack schlicht Rostrot.
Leichte Leckage: An der Trennfuge des Getriebegehäuses kann der Logan den Schmierstoff nicht mehr halten.
Die Einspritzdüse des vierten Zylinders läst sich nur teilweise ausbauen. Der untere Teil blieb im Zylinderkopf stecken. Auf die Funktion hatte dies keinen Einfluss, die Düse funktionierte bis Testende einwandfrei.
Das Sitzgestell wurde bei Kilometerstand 60.147 auf Garantie ausgetauscht (sonst 320 Euro). Grund: Der Fahrersitz wackelte haltlos hin und her.
Der Austausch des Tankgebers bei Kilometerstand 19.915 (auf Garantie, sonst 387,22 Euro) hat nichts an der extrem ungenauen Tankanzeige geändert. Mal zeigte sie zu viel, dann zu wenig oder gar nichts. Wir haben am Ende kaum noch hingeguckt, auch weil der 50 Liter große Tank riesige Etappen ermöglicht.
Die Lagerung des Reserverads auf einem dünnen Metallbügel unter dem Fahrzeugboden hat Quetschspuren in der Seitenwand des Reifens hinterlassen. Zukünftig wird
Dacia Tire-Fit statt Reserverad anbieten.
Als Billigheimer ist der
Dacia bei der Demontage an den Türen zu erkennen: Wo sonst für schnelle Wechsel die Elektrik per Zentralstecker getrennt wird, muss hier die Türverkleidung entfernt und mühsam jeder Steckverbinder einzeln gelöst werden. Im Alltag uninteressant, doch bei Reparaturen teurer.
Innenansicht: Die Konservierung der Hohlräume wirkt vorsintflutlich, das Schutzwachs ist in großer Menge, aber ungleichmäßig aufgetragen. Einige Flächen bleiben ungeschützt. Inzwischen hat
Dacia die anfangs noch händisch aufgetragene Hohlraumkonservierung wie beim Testwagen automatisiert.
120.000 Deutsche haben sich bislang ein rumänisches Discount-Auto beim
Dacia-Händler abgeholt. Aber welcher ist der Richtige? AUTO BILD-Redakteur Uli Holzwarth bringt Licht ins Dacia-Dickicht.
Logan, der Klassische: Mit dem Stufenheck-Logan legte 2005
Dacia los – und wurde belächelt. Was für ein optischer Langweiler! Das Facelift Anfang 2009 mit Sandero-Cockpit- und -Front machte ihn gefälliger, aber nicht beliebter.
Was an seinen unbestrittenen Qualitäten nichts ändert: genügend Platz für vier Erwachsene, ein Kofferraum für das komplette Urlaubsgepäck einer Familie. Ab 7300 Euro.
Großzügig: Der Stauraum erreicht mit 510 Litern S-Klasse-Niveau, die Rücklehne lässt sich aber nicht umklappen.
Bequem: Im Fond halten es selbst Große aus, an Kopf und Knie zwackt nichts. Nur die Beinauflage fällt kurz aus.
Logan MCV, der Raumriese. Der Freund aller Familien: Mehr Laderaum fürs Geld bietet keiner. Der Logan MCV liefert maximal 2350 Liter für den unschlagbaren Preis von 7990 Euro.
Variabel: Die optionale dritte Bank lässt sich zusammenfalten und aufklappen, wahlweise auch ausbauen.
Schade nur, dass es die praktische dritte Bank (500 Euro) erst ab Ambiance, nicht aber mit dem Basis-1400er gibt. Das ohnehin gutmütige Fahrverhalten profitiert vom langen Radstand, volle Ladung ist kein Problem.
Logan Pick-up: Robuster Nutzlaster oder praktischer Freizeit-Transporter: Der Logan Pick-up ist beides.
Die Ladefläche ( 1,80 x 1,37 Meter) darf bis 725 Kilo belastet werden.
Gut: geräumige Kabine, günstiger Grundpreis (ab 9032 Euro). Motoren: 1.6 MPI (87 PS), 1.5 dCi (68 oder 86 PS).
Logan Express: Spartanischer Kastenwagen mit unverkleidetem Stauraum (2500 Liter) und Mini-Ausstattung.
Selbst der Beifahrer-Airbag kostet 179 Euro extra, ebenso eine geschlossene Trennwand (107 Euro).
Die Motoren: 1.4 MPI, 1.6 MPI, 1.5 dCi (68 und 86 PS). Private Spediteure bezahlen mindestens 8318 Euro (Bruttopreis).
Sandero , der Kompakte: Seit dem Sandero gilt
Dacia nicht mehr als peinlich. Das stattliche Vier-Meter-Auto, seit Juni 2008 angeboten, ist der Liebling der Dacia-Käufer.
Gelungene Linien und viel Platz ab 6990 Euro. Das Interieur wirkt einfach, aber behaglich.
Sympathien erntet der
Sandero außerdem mit seinem braven Fahrverhalten, solider Verarbeitung und ordentlichem Komfort.
Geht so: Der Sitzkomfort im Fond ist akzeptabel, Erwachsene massieren mit den Knien jedoch den Vordermann.
Ganz oder gar nicht: Nur die Topausstattung hat eine geteilte Rücklehne, bei den anderen klappt sie nur am Stück.
Sandero Stepway, der Schicke: Dacia fährt neuerdings auch auf der Lifestyle-Schiene. Und das mit Erfolg. Im Gegensatz zu so manch renommiertem Konkurrenten stehen dem Sandero Stepway die dezenten SUV-Applikationen ausgesprochen gut.
Trotz 20 Millimeter mehr Bodenfreiheit umrundet der Stepway Kurven so brav wie der zivile Bruder. Makel: Seitenairbags werden nicht angeboten.
Vorteil Stepway: Obwohl der Rustikal-Sandero auf der Ambiance-Linie aufbaut, sind geteilte Rücklehnen Serie.
Metallic-Lack, Dachreling und 16-Zoll-Alus gehören serienmäßig zum
Sandero Stepway.
Dacias Einheits-Cockpit, hier in der Ambiance-Version des
Sandero Stepway, ist ergonomisch nicht perfekt, aber einfach bedienbar und übersichtlich.
Arg nüchtern: Jeder Basis-
Dacia kommt mit robusten Hartplastik-Türverkleidungen, Griffmulden und Fenster-Kurbeln.
Bedienungsfreundlich: Die Ambiance-Ausstattung bringt solide Türgriffe und für 300 Euro Aufpreis elektrische Fensterheber.
Ein wenig Luxus: Die Topausstattung Lauréate schmeichelt dem Auge mit Stoffeinsätzen in ...
... den Türen, Mattchrom-Zierrat und weißen Zifferblättern.
Handarbeit: Für Basis und Ambiance gibt es nur die manuelle Spiegelverstellung.
Lenksäule mit Höhenverstellung? Dann muss ein
Dacia mit Lauréate-Ausstattung her.
Pflicht für den
Dacia Logan MCV: das 500 Euro teure Sitzpaket (nicht für Basis). Auf der umklapp- und ausbaubaren Sitzbank in der dritten Reihe halten es selbst Erwachsene eine Weile aus, Kopf und Beine haben genuügend Platz. Im Paket dabei: ausstellbare Seitenfenster.
Mehr Komfort für Ambiance, bei Lauráte und
Sandero eco2 Serie: Eektro-Paket (300 Euro) mit Fensterhebern und Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Leider nicht mit der Basisausstattung kombinierbar.
Das Klang-und-Klima-Paket kostet ab
Sandero-Ambieance 850 Euro, beim Logan 1250 Euro. Jeweils nicht mit der Basisausstattung bestellbar.
Sicherheit: ESP gibt es nicht, ABS und zwei Frontairbags sind Serie. Empfehlenswert: die optionalen Seitenairbags für 280 Euro (nicht für Basis und Stepway).
Die Farben: Ohne Aufpreis gibt es drei Uni-Lacke: Arctic-Weiß, ...
... Feuer-Rot, ...
...und Marine-Blau.
Diese Metallic-Lacke kosten 450 Euro Aufpreis: Perlmutt-Schwarz, ...
... Mineral-Blau, ...
... Saphir-Blau, ...
... Wolken-Blau ...
... und Basalt-Grau.
Die Metallic-Lacke Kometen-Grau, ...
... Platin-Grau und ...
... Flammen-Rot sind nur für den Dacia Sandero Stepway verfügbar.
Die Räder: Modelle mit Basis-Ausstattung kommen mit 15-Zoll-Stahlrädern (185/65 R 15) und kleiner Radabdeckung.
Ambiance und Lauréate rollen ebenfalls auf 15-Zoll-Stahlrädern (185/65 R 15), verhüllen sich aber mit einer Radvollblende.
Der Dacia Sandero Stepway geht ab Werk mit 16-Zoll-Alurädern (195/55 R 16) an den Start.
AUTOBILD-Redakteur Uli Holzwarth empfiehlt den
Dacia Sandero Stepway 1.6 MPI. Basierend auf der Ambiance-Linie, hat der Stepway zusätzlich Metallic-Lackierung, 16-Zoll-Alus, Nebelscheinwerfer und eine geteilte Rücklehne. Macht 9990 Euro. Dazu folgende Extras: Elektro-Paket (300 Euro), 60 Monate Garantie (360 Euro). Macht unterm Strich 10.650 Euro.
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