Eine Fahrt gegen Vorurteile: 2007 trat der Fiat Grande Punto 1.3 Multijet den AUTO BILD-Dauertest an. Die 100.000 km absolvierte der kleine Fiat problemloser als mancher deutscher Konkurrent.
Kleines Auto, großes Turboloch: Hauptärgernis über die gesamte Testdistanz war die ausgeprägte Anfahrschwäche des 1,3-Liter-Diesels. Für halbwegs zügiges Tempo musste der kleine Diesel durch ständiges Schalten zwischen den Gängen vier, fünf und sechs förmlich ausgepresst werden.
Im Stadtverkehr sammelte der Grande Punto wegen des zäh ansprechenden Motors keine Punkte. Erst nach und nach, insbesondere auf langen Reisen mit gleichmäßigem Tempo, eroberte sich der Italiener Sympathien. Schickes Design, geringe Windgeräusche, sicheres Fahrverhalten. Passt alles.
Der Grande Punto ist ein solide konstruierter Kleinwagen, der alle zuverlässig wieder nach Hause brachte. Es gab nicht eine Panne und nur einen Werkstattbesuch außer der Reihe. Und trotzdem keinen vorderen Platz in der Zuverlässigkeits-Rangliste – einige Patzer verhageltem ihm die Bilanz.
Bei der 60.000er-Inspektion wurde ein Heizungskabel isoliert (Rückruf) und ein neues Türschloss eingebaut, außerdem gab es ein Software-Update für die Motorsteuerung. Kurz vor Ende des Kilometermarathons waren dann die Federbeindomlager und die beiden hinteren Türgriffe fällig. Alles kleinere Mängel, die am positiven Gesamtbild nur Kratzer hinterlassen.
Cooles Auto: Im Fahrtenbuch finden sich häufig Einträge über die zu schwache Heizleistung des Grande Punto.
Besonders eindrucksvoll: In der Kabine knistert und knackt nichts. Trotz intensiven Lauschens auf den letzten Kilometern konnten die Ohren erfahrener Tester lediglich einen kleinen Poltergeist im Heck aufspüren. Wahrscheinlich stammen die Störgeräusche vom Kunststoffeinsatz in der Reserveradmulde, der nur mit einer Schraube befestigt ist.
Happy End: Fiat meint es offensichtlich ernst, wenn sie heute über Qualität reden. Nach dem Panda schneidet auch der Grande Punto im Dauertest besser ab als viele namhafte Konkurrenten. Ein zäher Prozess, dessen Saat jetzt aufgeht.
Das Cockpit des Grande Punto überrascht mit guter Qualität. Freundliche Farben, griffiges Lenkrad, knisterfreie Verarbeitung. Kritik erntete der Grande Punto wegen seiner nervösen, unpräzisen Lenkung, der langen Schaltwege und dem zu kleinen Handschuhfach.
Überzeugend: das großzügige Raumangebot im Grande Punto. Straffe Sitze, leider wenig Seitenhalt. Innen- und Kofferraum des 4,03-Meter-Fiat sind spürbar luftiger als bei vielen Konkurrenten. Nichts kneift oder zwickt.
Riesig, der Kleine: Der Kofferraum des Grande Punto fasst 275 bis 1020 Liter. Nur die hohe Ladekante stört beim Einladen.
Finale grande: Am Ende des Dauertests zeigt sich der Grande Punto in einem sehr guten Erhaltungszustand. Lediglich Kleinigkeiten wie korrodierte elektrische Kontakte, beginnender Verschleiß an den Synchronringen des Getriebes und minimaler Rostansatz in den Türen trüben die Bilanz. Motor und Karosserie sind top erhalten ins Ziel gekommen!
Blick in die Hohlräume: Ab Werk sind reichlich Löcher in der Karosserie. Durch sie checkt DEKRA-Sachverständiger Günther Schiele die Hohlräume des Fiat.
Vorbildlich: Alle Schweller, Längs-, und Querträger sowie A-, B- und C-Säulen des Grande Punto sind innen perfekt geschützt.
Da staunt der Sachverständige: Beim kleinen Fiat-Diesel ist kein Verschleiß feststellbar. Die Meßergebnisse für Kolben und Zylinder liegen noch innnerhalb des Toleranzbereichs für Neuteile. Und das trotz des häufigen Bleifuß-Betriebs und einer Fehlbetankung mit Superbenzin.
Stark beansprucht: Die Synchronisation des dritten Gangs hat viel arbeiten müssen, was die abgerundeten Spitzen beweisen. Doch das ist kein Problem, damit hätte der Fiat noch lange weiterfahren können.
Kurz vor Ende des Dauertests bei km-Stand 97.392 waren die beiden vorderen Federbeindomlager fällig.
Angegriffen: Die Steckkontakte der rechten Rückleuchte sind nach Feuchtigkeitseinbruch korrodiert. Der Stecker sieht ähnlich aus.
Rost im Verborgenen: Hinter den Türverkleidungen an den unteren Scharnieren beider Vordertüren hat sich nach nur zwei Jahren Rost angesiedelt.
Außer Betrieb: Sitzheizung und elektrische Lordosenstütze. Ursache: eine defekte Sicherung.
Bei km-Stand 100.755 wurden die hinteren Türgriffe ausgetauscht, die Türen ließen sich nur noch mit roher Gewalt öffnen. Für den Austausch der Türgriffe wurden die Türverkleidungen abgenommen.
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