Ein
Ford für die große Fahrt: Der auf stattliche 4,83 Meter Länge gewachsene aktuelle
Ford Mondeo Turnier bietet reichlich Platz und eignet sich hervorragend für die große Urlaubstour. Doch wie steht der Mondeo Turnier nach 100.000 Kilometern da? Im Kern ist der Ford solide, doch einige Detailschwächen sorgten für ein mittelmäßiges Dauertest-Ergebnis.
Idealer Reise-Kombi: Der Zweiliter-Turbodiesel mit 140 PS ist gut für flotte Fernreisen und lässige Landpartien, der Verbrauch zwischen 6,7 und 8,0 Litern Diesel je 100 Kilometer machte Tankstopps selten nötig. Das souveräne, sanftmütige und sichere Fahrwerk stempelt den Mondeo endgültig zum perfekten Reisewagen.
Als komfortabler Reisekombi für die ganze Familie war der Ford Mondeo Turnier in der Redaktion sehr begehrt. Der schicke Turnier bietet sowohl modischen Lifestyle-Chic als auch handfeste Transportqualitäten – rund 570 Kilogramm fasst die bei Bedarf knapp 1800 Liter große Ladefläche.
Dickes Ding: Der Mondeo Turnier bringt immerhin 1,7 Tonnen auf die Waage und misst 4,83 Meter. Die Breite von 1,89 Meter provoziert in schmalen Gassen Platzangst.
Der Dauertestwagenvon AUTO BILD ist auch der am meisten verkaufte Mondeo. 83,5 Prozent aller deutschen Mondeo-Käufer wählen den Kombi Turnier, nur 2,4 Prozent entscheiden sich für die Limousine. Fast die Hälfte aller Mondeo-Kunden kaufen den 2.0 TDCi mit 140 PS, Trend ist die beliebteste Ausstattungslinie (41,9 Prozent).
Wir fahren Ford: Beim Fototermin am Nordseestrand begegnen sich zufällig drei Mondeo-Generationen. Der erste Ford Mondeo (links) kam 1993 auf den Markt, 2001 erschien der komlpett neu entwickelte Nachfolger (Bildmitte). Der aktuelle Mondeo (seit 2007) ist gegenüber seinen Vorgängern deutlich gewachsen.
Vieles spricht für den Mondeo. Antrieb, Fahrwerk, Platzangebot – alles wunderbar. Außerdem zeigt sich die Technik auch nach 100.000 Kilometern noch von der zuverlässigen Seite. Dass es nur zur Gesamtnote 3- reicht, liegt an vielen kleinen Ärgernissen. Damit liegt der Ford jedoch deutlich vor seinem Konkurrenten
VW Passat Variant.
Das Cockpit ist problemlos bedienbar – bis auf das Touchscreen-Navi. Die entsprechenden Eingabefelder auf dem Touchscreen während der Fahrt zu treffen, war ebenso ein Glücksspiel wie das Ablesen des Monitors bei Sonneneinstrahlung. Weiteres Manko: die Lüfterdüsen vorn spiegeln sich in Frontscheibe und Außenspiegeln.
Das Kombi-Instrument liefert alle wichtigen Informationen auf einen Blick. Die Anordnung mit zentralem, gut ablesbarem Display und den zwei Rundinstrumenten ist sehr übersichtlich.
Fehldiagnose: Das Navi-System wurde als Verursacher der schleichenden Batterieentladung bei Fahrzeugstillstand vermutet – und wurde bei Kilometerstand 76.867 ausgetauscht. Beim Ausbau wurde festgestellt, dass ein falsch verlegtes Kabel Ursache für die entladene Batterie war. Eine spätere Überprüfung ergab, dass das Navi-Gerät fehlerfrei war.
Im Mondeo niemals ohne: Bis der Fehler der ständig entladenen Batterie gefunden wurde, fuhr das Starthilfekabel immer mit. Es schützte gleich mehrfach vorm Liegenbleiben.
Die bequemen Sitze des Dauertest-Mondeo waren mit Leder bezogen und mit der optionalen elektrischen Verstellung (510 Euro) ausgestattet. Dauerndes rein und raus hat die Seitenwange des Fahrersitzes strapaziert.
Bei 59.396 Kilometern musste das aufgescheuerte Kabel der elektrischen Sitzverstellung des Fahrersitzes repariert werden. Kosten: 84,73 Euro.
Vorbildliche Ladeluke: Der Boden ist auch bei umgeklappten Rücksitzen völlig eben. Es stören weder Ecken noch Kanten. Und es passt ordentlich was rein: 554 Liter schluckt der Mondeo bei hoch gestellten Rückenlehnen, bis zu 1745 Liter passen rein, wenn die Rückbänke umgeklappt sind.
Billig gemacht: Die Verklebung der Kofferraummatte löste sich bei Testende auf. Schwer zu reinigen ist sie außerdem, Schmutz bleibt beim Aussaugen an der Matte haften wie an einer Klette. Nach Ford-Angaben wird der Mondeo Turnier mittlerweile mit einer Wendematte ausgeliefert, die zusätzlich rundum vernäht ist.
Bei der Zerlegung nach 100.000 Kilometern finden sich einige Mängel am Mondeo Turnier: Die Kofferraummatte löst sich auf, Fahrersitz und Mittelkonsole wackeln. Der Bezug des Beifahrersitzes ist unten ausgehängt. Die Dämmmatte im Motorraum ist zerfleddert, die Hitze-Abschirmbleche über dem Auspuff sind teilweise ausgebrochen.
Je weiter die Demontage voranschreitet, desto mehr überzeugt der Mondeo. Bei der endoskopischen Hohlraumuntersuchung etwa: Alle Hohlräume sind mit Wachs geflutet, da hat Rost in den Hohlräumen keine Chance.
Fit wie die Feuerwehr: Nach zwei Jahren im Dauerstress lassen sich an Motor und Getriebe keine Mängel feststellen, nur die kräftige Rußschicht an den Einlassventilen fällt auf; die muss bei modernen Dieseln mit Abgasrückführung als Normalzustand angesehen werden. Das Sechsganggetriebe zeigt keinen sichtbaren Verschleiß.
Ungewöhnlich rostiger Retter: Die untere Haltelasche der Gurtbefestigung von hinten links zeigt unschöne Oberflächenkorrosion.
Minimaler Rostansatz am Sitzgestell.
Das Obermaterial der Motordämmung an der Spritzwand hält nichts mehr an seinem Platz. So etwas schafft sonst nur ein Marder.
Die Kombi-Alternative: der Mondeo mit Fließheck. Nur rund 14 Prozent aller deutschen Mondeo-Kunden wählen die praktische Fließheck-Version. Der 1,6-Liter-Basisbenziner in Trend-Ausstattung mit 110 PS ist ab 23.400 Euro zu haben, 1250 Euro günstiger als der Basis-Turnier.
Für Familien ist der Mondeo mit Fließheck eine überlegenswerte Alternative: Er ist in allen Varianten rund 1000 Euro günstiger als der Turnier, bietet aber fast genauso viel Platz im Kofferraum.
Unter der weit aufschwingenden Klappe des Mondeo Fließhecks verbirgt sich ein Gepäckabteil von der Größe eines Kinderschwimmbeckens – bis zu 1460 Liter fasst der Fünftürer.
Ab 27.150 Euro beginnt die Preisliste des Stufenheck-Mondeo. Dafür bekommt man den Zweiliter-Duratec-Motor mit 145 PS und die noblere Ghia-Ausstattung. Den Basis-Benziner mit 110 PS in Trend-Ausstattung bietet Ford für das Stufenheck nicht an.
Das Stufenheck-Modell ist die teuerste Art, einen neuen Mondeo zu fahren. Und wohl auch die exklusivste, denn nur 2,4 Prozent der Mondeo-Käufer entscheiden sich für die klassische Karosserieform.
Der Stufenheck-Kofferraum ist mit 550 Litern fast so groß wie der einer Mercedes S-Klasse. Die Rückenlehnen der Sitzbank sind umlegbar, beladen lässt er sich durch die sehr kleine Öffnung aber schlecht.
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.