Wenn ein Toyota den 100.000-km-Dauertest angeht, sind die Erwartungen sehr hoch, schließlich hat Toyota die vordersten Plätze diverser Pannen- und Mängelstatistiken im Abo. Der Auris-Vorgänger Corolla gilt als Vorbild in Sachen Zuverlässigkeit, zudem hat der Toyota Auris D4-D im ersten AUTO BILD-Vergleich den Golf TDI geschlagen.
In den ersten Wochen des Dauertests sind die Redakteure voll des Lobes für den 124 PS starken Auris 1.6 in der Top-Ausstattung "Executive". Sehr gutes Raumangebot, gut abgestimmtes Fahrwerk, klapperfreie Verarbeitung.
In der Stadt ist der 1,6-Liter-Benziner flüsterleise, doch auf der Autobahn entwickelt sich der der Auris zum Ohrwurm: Bei Tempo 140 dreht der Auris 4800 Touren, eine Schaltempfehlung im Display gibt es keine – wie auch, schließlich gibt es nur fünf Gänge (erst seit 4/09 6-Gang). Der Lärmpegel klettert stetig und mit ihm der Spritverbrauch.
Kein Kostverächter: Durchschnittlich flossen fast zehn Liter durch die Einspritzdüsen des Auris. Das lag jedoch in erster Linie an den von Zeitnot gescheuchten Redakteuren, da klebt das Gaspedal schon mal am Anschlag. Auf der genormten Testrunde kommt der Auris auf 7,5 Liter.
Eiszeit – das ganze Jahr über: Der Toyota Auris ließ mit seinem biederen Design die Herzen der Redaktion kalt. Und auch die der Kunden, denn die Verkaufszahlen des Auris blieben hinter den Erwartungen von Toyota zurück.
Im Markt steht der Auris nicht gut da: Während VW Golf (plus 39 Prozent), Opel Astra (plus 29 Prozent) oder Peugeot 308 (plus 21 Prozent) im ersten Halbjahr 2009 von der Abwrackprämie profitierten, verlor der Auris rund 14 Prozent.
Zuverlässiger Begleiter: Der Auris musste während der 100.000 Kilometer nur einmal außerplanmäßig in die Werkstatt. Grund: Das mittlere Hitzeschutzblech über dem Auspuff war eingerissen und wurde durch ein Neuteil ersetzt.
Haltbar: Die Bremsbeläge vorn mussten erst bei Kilometerstand 64.549 getauscht werden, die hinteren bei 90.963.
Kilometerfresser: Der Auris spulte die 100.000 Kilometer in zwei Jahren ab.
Die neutrale Fahrwerkabstimmung des Auris bietet guten Abrollkomfort und stellt auch sportliche Naturen zufrieden. Erst bei hohen Kurvengeschwindigkeiten schiebt er kontrolliert über die Vorderachse und kommt in den ESP-Regelbereich. So weit, so unspektakulär, typisch Toyota eben.
Kompakter mit Reisequalitäten: Vor allem wegen seines sehr großzügigen Platzangebots wurde der Auris auf langen Strecken geschätzt.
Eroberer der Wolfsburg: Den ersten AUTO BILD-Vergleich mit dem VW Golf hat der Auris 2007 gewonnen. Für den VW sprachen Platz, Zuladung, Fahrleistungen, Schaltung, Lenkung. Für den Auris Motor, Bremsen und Komfort. In Verbindung mit dem erheblich günstigeren Kaufpreis holte sich der Auris den Sieg.
Kein Edelmetall, nur Kunststoff: solide Materialien, gut ablesbare Anzeigen. Zwischen den Rundinstrumenten empfiehlt eine Schaltanzeige den Gangwechsel. Die rechten Tasten neben dem Navigations-Monitor sind vom Fahrer weg geneigt und damit schlecht zu bedienen. Der Schaltknauf verdeckt teilweise die Regler für die Klimaanlage.
Cooler Kühlschrank: Ein Getränkehalter sitzt direkt vor dem Lüftungsgitter. Das sichert angenehm kalte Getränke.
Völlig verwurstet: Die sperrige Konsole zwischen den Sitzen steht im Weg. Die Ablage darunter ist nahezu unerreichbar, der Handbremshebel lässt sich nur schwer greifen. Ein Beispiel dafür, wie übertriebene Designspielereien die gute Funktion zerstört.
Das Platzangebot im Auris ist sehr gut, vorn wie hinten. Auf langen Strecken mangelt es jedoch an Unterstützung der Schultern.
Lademeister: Die Rücksitzbank des Auris ist asymmetrisch umlegbar, beim umgeklappter Rückenlehne fasst der Auris bis zu 1335 Liter.
Im grünen Bereich: Die Abgas- und Leistungsuntersuchung auf dem DEKRA-Prüfstand ergab Werte innerhalb der Toleranz. Bei Testende wurden 119,4 PS gemessen, das Werk gibt für den Auris 1.6 eine Leistung von 124 PS an.
Auf der Zielgeraden: Die 100.000 Kilometer absolvierte der Auris problemlos. Sein Problem: Die hoch angesetzten Erwartungen, die an einen Toyota hinsichtlich Zuverlässigkeit und Haltbarkeit gestellt werden, konnte er nicht ganz erfüllen.
Augen auf beim Auris: Bei der Demontage entdeckt der DEKRA-Sachverständige Korrosion an 18 Bauteilen. Dem Auris fehlt die untere Motorabdeckung, Schmutz und Feuchtigkeit konnten ungehindert in den Motorraum eindringen. Achsträger, Querlenker, Lagerböcke und diverse Halterungen weisen Rostspuren auf.
Wo Licht ist, ist auch Schatten: Bei Kilometerstand 64.549 fiel der Xeneon-Brenner des rechten Scheinwerfers aus. Rund 1400 Kilometer später gab auch der linke seinen Geist auf.
Moderne Lichtquelle: Xenon-Gasentladungslampen gelten als langlebig. Beim Auris wurden schon nach rund 65.000 km gleich zwei neue Brenner fällig. Kosten für einen Xenon-Brenner inklusive Montage: 304 Euro. Der Defekt trat innerhalb der Garantiezeit auf, die Kosten hat Toyota übernommen.
Saubere Sache: Mit dem Endoskop besichtigt der DEKRA-Sachverständige Anton Schmidt den Katalysator des Auris. Um die Ausgangsseite mit der empfindlichen Optik zu erreichen, reicht eine Sensoröffnung im Abgasrohr. Ergebnis der Untersuchung: Keine mechanischen Beschädigungen feststellbar. Der Katalysator ist noch voll wirksam.
Wärmeabschirmblech: Das Originalteil kann klappern und einreißen. Bei Kilometerstand 28.011 wurde es ausgetauscht.
Problemlos: Leichte Schmutzriefen hat der Dauertest in den Laufflächen der Zylinder hinterlassen. Ansonsten ist der Motor nach 100.000 Kilometern in gutem Zustand.
Völlig vergammelt: Das Schaltgestänge ist verrostet, die Schaltung wurde immer schwergängiger. Vor allem der fünfte Gang ließ sich am Testende nur noch mit Nachdruck einlegen.
Angegriffen: Korrosion an fast allen Verschraubungen der Masseanbindungen. Die Kontaktflächen sind aber noch in Ordnung.
Bedenklich: Seit Jahren stößt das AUTO BILD-Endoskop in makellose Hohlräume vor. Nicht so beim Auris. Rost findet sich in Hohlräumen im Bereich von Schweißnähten und an Schnittkanten von überlappenden Blechen. An diesen Stellen wird der Auris so schnell zwar nicht durchrosten, aber Korrosion an einem jungen Auto ist sicher nicht die Qualität, die dem Anspruch von Toyota genügt.
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