Der VW Fox ist die günstigste Art, einen neuen VW zu fahren. Beim Dauertest von AUTO BILD über 100.000 Kilometer zeigte sich der kleine VW jedoch nicht immer von seiner Sonnenseite, denn er stand durchschnittlich jeden zweiten Monat außerplanmäßig in der Werkstatt.
VW-Fahrzeuge räumen in den Vergleichstests von AUTO BILD regelmäßig die vorderen Plätze ab. Ebenso regelmäßig belegt VW die hintersten Ränge der Zuverlässigkeits-Hitliste der Dauertestfahrzeuge. Egal ob Polo, Passat, Touran oder Fox – alle schneiden mit Note 5 oder schlechter ab.
Der 2006 eingeführte VW Fox erlebt derzeit dank Abwrackprämie seinen zweiten Frühling.
Vor dem Dauertest ein erster Check: Der 3,83 Meter lange Kleinwagen wirkt sehr hochbeinig, bietet viel Platz. Immerhin bringt der Fox vier komfortable Sitze, viele Ablagen und ein straffes Fahrwerk für die große Reise mit.
Die Fahrleistungen des in Brasilien gefertigten VW Fox 1.2 reichen für alltägliche Bedürfnisse aus. Der 55 PS starke Basis-Benziner erreicht 148 km/h. Bei Ausnutzung der Motorleistung genehmigt sich der kleine Fox neun Liter Super.
Im AUTO BILD-Dauertest konsumierte der Fox im Durchschnitt 8,3 Liter Super – kein Ruhmesblatt für einen 1070 kg leichten, 55 PS leistenden Kleinwagen. Auf der AUTO BILD-Teststrecke kam der Fox hingegen mit 6,3 Litern aus.
Auf langen Autobahnetappen fühlt sich der kleine Fox jedoch nicht übermäßig wohl, besonders dann nicht, wenn Steigungen auftreten.
Das Fahrwerk des Fox konnte hingegen überzeugen. Die Federung arbeitet ausgewogen, das Fahrverhalten ist sicher. Das unbedingt empfehlenswerte ESP kostet 420 Euro Aufpreis.
Top: die Bremswerte. Der kleine Fox steht schon nach 38,9 Meter, ein sehr guter Wert für einen derart günstigen Kleinwagen.
Die erste ernsthafte Prüfung erwartet den Fox bei Kilometerstand 15.017. Ausgerechnet auf dem Weg zur Inspektion fällt die Servolenkung aus. Nur fünf Minuten später funktioniert sie wieder. Die VW-Werkstatt findet keinen Fehler.
Ein ewiges Fox-Ärgernis ist der oft den Dienst verweigernde Funk-Schlüssel. Während des Dauertests musste er zwei Mal ausgetauscht werden, angeblich hat VW dieses Problem mittlerweile im Griff.
Der kleine Fox wurde gern im Stadtverkehr genutzt. Trotz seiner Kürze ist der Fox unübersichtlich, vorn stören die breiten A-Säulen und die stark abfallende Motorhaube. Die Ladekante ist 78 cm hoch, nicht eben ladefreundlich.
Bekannte Sparlösung: Die unpraktische Entriegelung des Tankdeckels per Zündschlüssel. Leider ist der Tankdeckel nicht an die Zentralverriegelung angeschlossen.
Spartanisches Cockpit mit vielen groben Kunststoffen. Rundinstrument mit großem Tacho und winzigem Drehzahlmesser. Die Bedienung ist VW-typisch einfach, einige Details wie die Lenkstockhebel sind brasilianische Realisierungen.
Na, alles klar? Dieser überfrachtete Lenkstockhebel verlangt nach einem Blick in die Betriebsanleitung. Wer vermutet schon die Höhenverstellung der Scheinwerfer im Blinkerhebel?
Der rechte Lenkstockhebel ist ähnlich überfrachtet. Hier werden nicht nur die Scheibenwischer bedient (Standard), sondern auch die Heckscheibenheizung.
Die Sitze vorn sind groß und straff gepolstert. Der Innenraum sieht nach 100.000 km noch aus wie neu – abgesehen von den Falten im Sitzbezug des Fahrersitzes.
Der Fox ist als Viersitzer ausgelegt. Wird die optionale Verstellung der Rücksitzbank geordert, haben die Passagiere hinten erstaunlich viel Platz im kleinen Fox.
Wie im Kino: Rücksitze mit Becherhalter und Ablage.
Fuchsig: Für einen moderaten Aufpreis von 99 Euro liefert VW eine verschiebbare Rücksitzbank. Die hat sich im Test bestens bewährt.
Die Rücksitzbank ist um 15 cm verschiebbar. Wird die Rücksitzbank ganz nach hinten geschoben, genießen die Fondpassagiere beinah luxuriöse Platzverhältnisse. Schiebt man sie nach vorn, wächst der Kofferraum – sehr praktisch.
Legt man die Rücksitzbank um, verwandelt sich der Fox in einen Kleintransporter (260 bis 1016 Liter Kofferraumvolumen).
Der 1,2-Liter-Dreizylinder ist der Gleiche wie im Skoda Fabia – und macht im Fox einen genauso schlappen Eindruck. Die einen beschreiben den Klang als kernig, die anderen als rauh. Die Kultiviertheit eines Vierzylinders bietet er nicht.
Den Fox haben sich gleich zwei Sachverständige der DEKRA vorgenommen. Günther Schiele (rechts) und Anton Schmidt waren mit der Konservierung zufrieden.
Lediglich die Feinabdichtung an den unteren Kanten innerhalb der Türen hatten die Gutachter zu beanstanden.
Komposthaufen: Der linke Wasserablauf vor der Frontscheibe war völlig verstopft. Laub und Dreck können sich hier ungehindert einnisten und ein dauerhaftes Feuchtgebiet schaffen – ein potenzieller Rostherd.
Die Wasserabläufe sollten regelmäßig gereinigt werden. Groben Schmutz enfernt man am besten mit dem Staubsauger, die Wasserkanäle reinigt man am effektivsten mit einem starken Wasserstrahl, der Verstopfungen löst.
Vor der Zerlegung des Dauertest-Fox konnte sich das AUTO BILD-Team den Leistungs- und den Abgasttest schenken. Grund: Katalysator und Zylinderkopf wurden kurz vorher erneuert. Die Mitnehmerscheibe der Kupplung zeigte deutliche Abnutzungsspuren, war aber noch voll funktionsfähig.
Rückruf: Bei Kilometerstand 29.080 wurde der Fox in die VW-Werkstatt gerufen. Der Fanghaken der Motorhauben-Verriegelung musste ausgetauscht werden. Durch Rostbildung schließt die Falle nicht richtig, im Extremfall hätte sich die Motorhaube während der Fahrt öffnen können.
Überfordert: Die Türfangbänder waren mit den schweren Türen des Fox überfordert. Auf der Fahrerseite knackte es schon deutlich.
Die Schalthebelführung verursachte beim Gangwechsel störende Knarz-Geräusche.
Mäusekino: Die Kontrolleuchten für das ESP und die Motorsteuerung leuchten immer wieder unmotiviert auf. Bei Kilometerstand 55.568 wird das Kombiinstrument auf Garantie getauscht (sonst 317 Euro).
Verschwitzt: Das Getriebegehäuse ist an der Trennfuge ölfeucht. Keine Kleinigkeit mehr, da sich schon Tropfen bilden.
Kleines Bauteil, fatale Folgen: Das Thermostat im Kühlmittelkreislauf versagte, ein Produktionsfehler. Darauf hin überhitzte der Motor. VW wechselte nicht nur das Thermostat, sondern vorsichtshalber den ganzen Zylinderkopf aus. Durch die thermische Überlastung hätten sich Risse bilden können.
Eine Folge des überhitzten Motors: defekter Katalysator. Die Edelmetallschicht wurde angegriffen, kurz vor Dauertestende wurde der Kat für 820 Euro getauscht.
Kolben- und Zylindermaße liegen im Soll, die Gangräder und Synchronringe des Getriebes sind ohne sichtbaren Verschleiß.
Am Ende ergibt sich ein typisches Ergebnis für ein VW-Dauertestauto: Im Kern gesund, doch plagen zahlreiche Zipperlein.
Bei der abschließenden Untersuchung des originalen Zylinderkopfes im VW-Werk wurde ein einwandfreier Zustand festgestellt. Es waren keine Folgeschäden der sporadischen Überhitzung zu ermitteln.
Kein leuchtendes Vorbild: Das schlechte Abschneiden im AUTO BILD-Dauertest mit Note 5. Dass die Mängel des Dauertest-Fox keine Ausnahme sind, bestätigen zahlreiche Leser-Zuschriften. Bleibt zu hoffen, dass die Qualität beim ab 2011 erwarteten Nachfolger besser wird!
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