Leon ist neun. Und neunmalklug. Er geht in die dritte Klasse und hat natürlich jede Menge Ahnung von Autos. Für die Kleinwagen-Klasse hat er sich ein paar Prüfungsaufgaben ausgedacht: Die Autos müssen günstig sein, ...
... möglichst viel Platz haben und gut ausgestattet sein, sollen flink und wendig fahren und natürlich wenig im Unterhalt kosten. So etwas schaffen nur clevere Könner.
Der Mazda2 zum Beispiel – der gewann zuletzt gegen seine japanischen Mitschüler Honda Jazz und Toyota Yaris (AUTO BILD 41/2007). Und auch der Skoda Fabia – Sieger gegen Mercedes A-Klasse, Renault Clio und ...
... Toyota Yaris (AUTO BILD 32/2007). Neu in der Klasse ist der Subaru Justy – obwohl es sich dabei um einen alten Bekannten handelt. Anders als der Vorgänger, der baugleich mit dem Suzuki Swift war, entspricht der Justy jetzt dem Daihatsu Sirion. Und nicht fehlen dürfen natürlich die ewigen deutschen Klassenstreber Opel Corsa und VW Polo.
Wer denkt beim Anblick des Mazda2 eigentlich noch an seinen kastenförmigen Vorgänger? Der Neue ist jetzt schwungvoll gezeichnet, sehr schick. Die Überraschung: Trotz seiner kompakten Außenmaße hat der Mazda das beste Platzangebot.
Vorn sowieso, hier ist er vor allem etwas breiter als die anderen. Im Fond bietet nur der Skoda noch etwas mehr Raum. Die Sitze sind zwar etwas zierlich, und dem Lenkrad fehlt wie beim Subaru die Längsverstellung, aber es sitzt sich angenehm.
Zaubern können jedoch auch die Japaner nicht: Der Kofferraum ist mit 250 Litern vergleichsweise klein.
Der Mazda fällt dafür jedoch mit einer kompletten Sicherheitsausstattung auf – er hat als einziger Prüfling ein ESP serienmäßig.
Das Cockpit ist ausgesprochen ansehnlich gemacht, der Designer liebt wohl Kreise. Schalthebel nur eine Handbreit neben dem Lenkrad. Klimaanlage und CD-Radio sind Serie.
Das Handschuhfach hat zusätzlich außen eine Ablage für häufig gebrauchte Dinge. Sehr praktisch.
Zum Preis der Dreizylinder-Motoren bei den anderen vier gibt es bei Mazda einen quirligen 1,3-Liter-Vierzylinder mit 75 PS.
Der seit 2006 gebaute Opel Corsa war 2007 der meistverkaufte Kleinwagen bei uns – noch vor dem VW Polo.
Glückwunsch. Dieser Erfolg hat Gründe: Mit seiner kugelig-rundlichen Form heimst der Corsa auf den ersten Blick Sympathien ein.
Und auch seine farbenfrohe Inneneinrichtung verschafft ihm Zuneigung – so viel Spaß kann Design also auch bei kleinen Autos machen.
Vorn ist der Corsa ähnlich geräumig wie der Skoda – im Fond jedoch knapp der Kleinste dieses Vergleichs.
Wie der Mazda hat der Opel eine umfangreiche Sicherheitsaustattung, in der getesteten Edition-Version gehören Kopfairbags und dynamische Kopfstützen zur Serie. Aber: ESP kostet 360 Euro extra. Nachsitzen!
Die geteilt klappbare Rücksitzlehne und der doppelte Ladeboden sind ab Edition Serie. Negativ: die hohe Ladekante.
Das geniale Flex-Fix-Fahrradträgersytem ist in den hinteren Stoßfänger ...
... integriert, lässt sich leicht ausziehen. Tolle Idee!
Aus einem Liter Hubraum schöpft der Corsa-Motor 60 PS und stellt 88 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung.
Nach lähmend langen 17,7 Sekunden erreicht der Corsa Tempo 100. Somit trägt er in diesem Vergleich die rote Laterne.
Die seit 2007 gebaute zweite Auflage des Skoda Fabia tritt äußerlich dezent und zurückhaltend auf, überzeugt aber mit auffälligen inneren Werten.
Das sehr ordentliche Platzangebot ist das zweitbeste dieses Vergleichs.
Vorn bieten nur VW und Mazda noch einen Hauch mehr Bewegungsfreiheit, im Fond ist der Fabia dann der Geräumigste.
Das moderne, sachliche Cockpit ist nicht nur akkurat verarbeitet, sondern auch noch ausgesprochen bedienungsfreundlich.
Sehr praktisch: Taschenhaken, Abdeckung in zwei Höhen fixierbar, flexible Korbhalterung.
Der Subaru ist, wie gesagt, eigentlich ein Daihatsu Sirion. Sowohl Subaru als auch Daihatsu sind ja mit Toyota verbandelt, so entstehen Querverbindungen.
Der Justy ist nur 3,61 Meter kurz und damit mit Abstand der Kleinste im Testfeld. Mit 1,54 Metern baut er aber auch genauso spürbar am höchsten. Das Resultat ist dann auch erstaunlich viel Luft überm Scheitel – zumindest vorn.
Mit 225 Liter Volumen ist der Gepäckraum noch kleiner als beim Mazda – eine Folge der kompakten Außenmaße.
Negativ: Für den Justy ist kein ESP lieferbar - und das ist nicht mehr zeitgemäß. Sechs, setzen!
Ebenfalls nicht optimal gelöst: Die Neigungsverstellung der Rücklehne. Das ist so kompliziert wie es auf dem Foto aussieht.
Freundliches Cockpit: Bei der Verstellung des Lenkrads wandert der Instrumententräger mit auf und ab.
Justy-Motörchen: Mit seinen 70 PS schiebt der Subaru in 13,7 Sekunden auf Landstraßentempo. Schluss ist bei 160 km/h.
Der seit 2001 gebaute VW Polo ist mit 3,92 Metern volle 31 Zentimeter länger als der neue Subaru.
Er ist inzwischen ein rüstiger Oldie – in richtig guter Verfassung. Vorn ist nur der Mazda noch geräumiger, vergleichsweise eng wird es jedoch im Fond.
Ein Lob haben sich aber die bequemen und gut ausgeformten Sitze verdient. Wie immer bei VW gibt es keine Fragen zur Bedienung, auch wenn man – gerade im direkten Vergleich – dem braven Cockpit sein Alter ansieht.
Nicht mehr ganz zeitgemäß ist dann aber vor allem die Sicherheitsausstattung: Als Einziger hier kommt der Polo ohne Kopfairbags – die berechnet VW mit 455 Euro. Auch das ESP kostet noch mal extra: 420 Euro.
Hier treten vier Dreizylinder gegen einen Vierzylinder an. Ungerecht, aber nicht ungewöhnlich: Trainierte Athleten und schwachbrüstige Stubenhocker treffen in jeder Klasse aufeinander.
Für die Dreizylinder gilt: flott an der Ampel und lebhaft auf kurzen Strecken. Für lange Etappen und die Autobahn sind sie nicht unbedingt eine Empfehlung, hier wirken die Motörchen kurzatmig und angestrengt (Foto: Corsa).
Das betrifft besonders den Opel Corsa. Sein Einliter- Dreizylinder mit 60 PS fühlt sich im direkten Vergleich müde und schlapp an, er fährt den anderen deutlich hinterher. Der Tipp kann hier nur lauten: möglichst den modernen 1,2-Liter-Vierzylinder mit 80 PS nehmen.
Der 1,2-Liter im Skoda Fabia hat ebenfalls 60 PS und den typischen, kernigen Sound eines Dreizylinders. Er dreht fröhlich, beschleunigt lebhafter als der Opel, kann aber dem Mazda und beim Sprint auch dem Subaru nicht folgen.
Gute Laune verbreiten die knackige Schaltung und die direkte, feinfühlige Lenkung.
Der Justy hat weder Boxermotor noch Allradantrieb (sonst typisch für die Marke), sondern einen Reihenmotor und Vorderradantrieb. Der Motor ist ein Einliter mit 70 PS aus dem Toyota-Regal. Er dreht sehr locker, wird dann aber auch lärmig.
Beim Fahrverhalten enttäuscht der Subaru. Er fährt sich im Vergleich unhandlich. Die teigige Lenkung reagiert träge und sehr gefühllos. Keine Freude macht auch die hakelige Schaltung mit ihren langen Wegen.
Den VW Polo treibt der gleiche 1,2-Liter mit 60 PS an wie den Skoda Fabia – mit ähnlichem Ergebnis. Er klingt heiser-rauchig, lebhaft und läuft sogar noch eine Spur leiser. Auch im Polo gefällt die direkte und gefühlvolle Lenkung, ebenso die präzise Schaltung.
Der VW fährt mit einer gekonnten Mischung aus Komfort und Agilität – die Reife eines langen Produkt-Lebens ist deutlich spürbar.
Der Mazda darf hier als Einziger mit einem Vierzylindermotor mit 1,3 Liter Hubraum und 75 PS antreten. Der Grund: Mazda bietet für den 2er gar kein kleineres Triebwerk an.
So kann er bei den Basismodellen mit einem stärkeren Motor mitfahren – vor allem deshalb, weil er auch nicht mehr kostet als die Dreizylinder. Die Vorteile spielt er lässig aus. Er hat spürbar mehr Kraft, läuft geschmeidiger und hat die besten Fahrleistungen.
Aber das ist noch nicht alles, denn dem sympathischen Motor hat Mazda ein noch erfreulicheres Fahrwerk spendiert. Der 2 fegt leichtfüßig und dynamisch um die Ecken, so agil wie sonst kein Kontrahent.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: Die Prüfung ist vorbei, alle haben bestanden. Als Primus der Skoda Fabia. Ein Musterschüler, der alles kann. Zweiter der Mazda2, ein sportlicher Sympathieträger.
Dann der ausgereifte VW Polo und der Opel Corsa, der einen lebendigeren Motor verdient hätte. Der Subaru hat Talent, braucht aber Nachhilfestunden.
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