Gäbe es einen Nobelpreis für ungewöhnliche Modellkreationen, die Münchner hätten ihn verdient: erst der X1 als Vorreiter der "Fast-SUV-Halb-Kombi-Wesen", nun ein auffälliges Blechgeschöpf mit Geltungsdrang. Name: 5er GT. Gattung: Limousinen. Unterart: Mutant aus 5er Touring, 7er und X6.
Ziemlich üppig geraten: Optisch verliert der GT die BMW-typische Kompaktheit, wandelt zwischen Autorität und Protz wie der wuchtige X6. Prägend für seinen Auftritt ...
... ist vor allem der imposante Po mit zweiteiliger Heckklappe: große Luke für Kinderkarre, kleiner Deckel fürs Handgepäck. Klingt gut, ist aber nicht neu. Der Skoda Superb hat die "Twindoor" schon seit mehr als einem Jahr.
Die kleine Klappenlösung macht wenig Sinn. Der Deckel ist nur manuell zu öffnen, Einladen ist unbequem, der Kofferraum mit 440 Litern nicht gerade üppig geraten.
Mit umgelegten Lehnen kann der GT unter der Klappe 1700 Liter verstauen – nur unwesentlich mehr, als der 5er Touring an Bord nimmt (1650 Liter). Heißt: Für seinen Kofferraum wird der GT nicht gekauft werden, BMW hat die Variabilität nicht neu erfunden, aber ...
... verwöhnen kann der GT exzellent. Damit wird klar, was er wirklich ist: der fetteste und feinste 5er aller Zeiten. Trotz Coupéhecks ist die Kopffreiheit gut, ...
... die Beine haben Platz wie im 7er – der Langversion wohlgemerkt. Da die Sitze 60 Zentimeter über dem Boden montiert sind, gelingt auch Älteren der Einstieg mit Würde. Das große Glasdach kostet übrigens 1700 Euro extra.
Das Cockpit verströmt Luxusflair auf 7er-Niveau. Für gemasertes Eschen-Edelholz werden 590 Euro Aufpreis fällig, auch das Zehn-Zoll-Festplatten-Navi kostet mindestens 3050 Euro extra. Dafür ist aber ...
... die schnelle und völlig ruckfrei schaltende Achtstufen-Automatik serienmäßig an Bord. Das System erbt der GT aus dem 760i.
Assistenzsysteme: Links wird der Totwinkelwarner (620 Euro) aktiviert, daneben der Spurhalteassistent (520 Euro). Der schickt beim ungewollten Linien-Überfahren Vibrationen ins Lenkrad. Die rechte Taste regelt das Head-up-Display (1390 Euro).
Spritsparversuch: In Schubphasen lädt die Efficient-Dynamics-Technik die Batterie und zeigt das im Tourenzähler blau als Ladevorgang. Die Anzeige darüber informiert über den aktuell eingelegten Gang.
Die Fahrdynamik-Kontrolle (Serie) bietet Normal-, Sport- oder Sport+-Modus und wird über den iDrive-Monitor gesteuert. Als Extra gibt es ...
... geregelte Dämpfer (Adaptive Drive) mit Komfort-Funktion, die aber überflüssig ist, denn selbst im Sport-Modus rollt der GT noch angenehm ab. Eine luftgefederte Hinterachse gehört zur Serie.
Und noch ein Extra: Damit es hier mit Xenon-Scheinwerfern um die Kurve leuchtet, müssen 1650 Euro investiert werden.
Unter der Haube des 530d GT steckt ein Eins-a-Sahne-Diesel: Die Maschine holt aus sechs in Reihe angeordneten Zylindern mit Turboaufladung und insgesamt drei Litern Hubraum 245 PS und satte 540 Nm Drehmoment. So gerüstet, ...
... geht der große Wagen mit ordentlich Dampf nach vorne: Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 ist in glatten sieben Sekunden erledigt, maximal sind 240 km/h drin.
Der BMW legt eine verblüffende Fahrdynamik an den Tag. Absolut neutral und nahezu ohne Karosserieneigung drückt der mächtige Diesel die über 2,1 Tonnen schwere Fuhre durch die Kurven. Dass ein derart langes und ...
... massiges Auto so viel Spaß macht, verdient höchsten Respekt. Auch wenn dazu jede Menge Hightech wie Aktivlenkung und Wankausgleich nötig ist.
Wer 19- oder gar 21-Zoll-Optionsräder bestellt, muss bei langsamer Fahrt mit Karosseriezittern leben. Okay, darüber kann man hinwegsehen. Weniger allerdings über den mäßigen Geradeauslauf. Der 5er GT mit Aktivlenkung und Runflat-Reifen fordert auf der Autobahn ständige Kurskorrekturen – eine fragwürdige Eigenheit.
Böse Überraschung an der Kasse: Schon der Grundpreis von 55.200 Euro liegt hoch. Mit Verwöhnextras und Dynamik-Goodies kostet der 530d GT ...
... schnell 70.000 Euro – das ist Luxusklassen-Niveau. So wird der Super-5er zum 7er-Konkurrenten. Allerdings auch beim Spritkonsum. Der GT ist sauschwer und ...
... patzt beim Testverbrauch ganz ordentlich: Mit neun Litern auf 100 Kilometer liegt er heftige 2,5 Liter über der Werksangabe.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan: "BMW erfindet gerade neue Wagenklassen, will dabei seinen Markenwert Sportlichkeit aber nicht verlieren. Beim GT klappt dieser Spagat nur bedingt. Für den typischen Fahrfreude-Fanatiker ist er zu groß und schwer, ...
... für Limousinen-Käufer optisch zu ausgefallen. Trotzdem überzeugt der BMW-Brocken mit unerwarteter, großartiger Dynamik, doch erwartet die wirklich jemand? Für ein teures Luxus-Schiff ist derart hochgezüchtete Agilität so fehl am Platz ...
... wie ein Trainingsanzug in der Oper. Die Stärken des 5er GT sind Reisekomfort, repräsentativer Auftritt und faszinierende Technik. Bleibt die Frage, was dieser GT eigentlich ist: genialer Mix oder großes Missverständnis?"
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