Die Katze wetzt die Krallen: Mit dem neuen XJ will Jaguar in der Luxusklasse Beute machen. Die ersten offiziellen Bilder vor der Premiere auf der IAA im Herbst beweisen, dass das kein aussichtsloses Unterfangen werden dürfte.
"Es ist ein Jaguar für das 21. Jahrhundert, aber inspiriert von den Klassikern Mk II und dem ersten XJ", sagt der Jaguar-Chefdesigner Ian Callum über sein jüngstes Baby. Aha. Was wir sehen, ist allerdings hauptsächlich 21. Jahrhundert. Der Mief vergangener Tage ist verflogen, ...
... selbstbewusst reckt der neue XJ seine Schnauze in die Zukunft. Mit seinem glitzernden Maschengrill, den unter geschwungenen Lidern funkelnden Scheinwerfern und ...
... den muskulösen Rundungen verbindet dieser Jaguar Angriffslust mit Noblesse. Geduckt wie auf der Pirsch kommt er daher ...
... mit seiner hohen Bordwand, befreit von Falten und Sicken, und den schmalen, lang gezogenen Seitenfenstern. Dabei ist er gerade mal 1,5 Zentimeter flacher als der Vorgänger, kein viertüriges Coupé also. Seine Haut (wie zuvor ganz aus Aluminium) ...
... schmiegt sich eng über die Räder und mündet in einem schmucklosen, ...
... aber wohlgeformten Hintern, flankiert von vertikal geschwungenen Rückleuchten. "Vertikal müssen die bei einem XJ sein", erklärt Designer Callum mit Hinweis auf die Tradition und ...
... weitet seinen Spagat sogleich auf ein weiteres Detail aus: die hinteren Dachpfosten (C-Säulen), "der XJ hatte immer die schmalsten". Folglich ließ er sie beim Neuen konsequenterweise gleich ganz verschwinden – visuell zumindest, denn sie verbergen sich hinter schwarzen Glasblenden.
Wenn die neue Katze im Januar 2010 auf die Straße darf, hat sie es faustdick unter Haube: Zum Marktstart stehen ein V6-Diesel (275 PS)und zwei V8-Benziner (385 und 510 PS) zur Wahl, die ...
... hinter den eleganten Kiemen im Kotflügel darauf warten, über den Antriebsstrang herzufallen. Mit der stärksten Motorisierung ...
... sprintet der neue XJ in 4,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht – wie die beiden schwächeren Brüder – maximal 250 km/h.
Die Karosseriestruktur aus Aluminium gleicht zu großen Teilen dem bisherigen Modell. Das muss kein Nachteil sein, denn schließlich bürgt es für Leichtbau, der nicht nur auf dem Papier steht: In seiner leichtesten Ausführung bringt der XJ knapp unter 1,8 Tonnen auf die Waage – vorbildlich in dieser Klasse.
Neues Fahrwerk: Die Luftfederung an der Vorderachse wurde zugunsten von Schraubenfedern geopfert, hinten blieb sie indessen drin. Hinzu kommen stufenlos variable Stoßdämpfer mit adaptiver Steuerung und ein Differenzial mit elektronisch geregelter Sperre wie beim sportlichen XFR.
In der Kanzel glitzert und glänzt es wie in der Bar eines Designer-Hotels: viel Chrom auf kühlem Metall, tiefschwarzer Klavierlack, überall weiches Leder. Und was ist mit dem Wurzelholz, jenen Brettern, die den Traditionalisten die Welt bedeuten? Das gibt es, ...
... im oberen Bereich der Türverkleidungen. Ansonsten auch hier viel Leder und Chromglanz. "Das neue Interieur steht für Luxus jenseits von antiquiertem Pipe-and-Slippers-Ambiente", erläutert Callum.
Edel und modern: Luftausströmer auf der Mittelkonsole mit einem Ring aus blauem Licht.
Alles im Griff: Bedienelemente am Jaguar-Volant. Wer mit dem Auto lieber mündlich als per Fingerdruck verkehrt, den unterstützt die serienmäßige Sprachsteuerung über das Display mit einer Liste der Eingabebefehle.
Vorn und hinten stehen körperfreundlich gepolsterte Sitze zur Verfügung, wobei das Raumangebot etwa dem des Vorgängers entspricht. Das liegt daran, dass sich auch der Radstand nicht veränderte (3,03 Meter), ...
... obgleich die Gesamtlänge um drei Zentimeter zunahm (5,12 Meter). Es reicht für 520 Liter Kofferraum und genügend Räkelkomfort im Fond. Und wem es nicht reicht, der bekommt den XJ gleich zum Start auch in einer Langversion mit 12,5 Zentimeter längerem Radstand.
Größe Töne: Auf Wunsch können sich die Passagiere über 15 Kanäle und 20 Lautsprecher im "Surround-Sound"-Verfahren beschallen lassen. Bei 1200 Watt Spitzenleistung kann man nur hoffen, dass einem dabei nicht das Glasdach wegfliegt.
Eine Frage des Preises: Noch ist der XJ nicht endgültig kalkuliert, aber der Diesel als Einstiegsmodell soll für unter 80.000 Euro zu haben sein.
"Auf die Ausstrahlung kommt es an", meint Designchef Ian Callum, und davon hat der XJ reichlich, wie auch AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König feststellt: "Der neue XJ ist modern, aber nicht modisch, er ist groß, ...
... aber relativ leicht, er ist luxuriös, aber mit Stil, und vor allem ist er etwas anders als die anderen. Ich finde, Jaguar hat es genau richtig gemacht."
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