Drei (T)raumwagen: Hyundai und VW haben Transporter-Gene, der Ford stammt technisch vom Mittelklasse-Pkw Mondeo ab. Mit welchem von den dreien ...
... fährt die Crew am besten? Mit dem gerade erst renovierten T5 Multivan, mit dem Galaxy oder mit dem H-1 Travel (von links)? AUTO BILD hat die Großraumtransporter zum Vergleich gebeten.
Antriebsquelle der Wahl ist bei allen dreien ein kräftiger Diesel. Die Leistungsspanne reicht von 140 bis 170 PS.
Mit glatten 300 von 500 möglichen Punkten fährt der Hyundai H-1 Travel auf den dritten Rang. Nur billig sein genügt eben nicht. Erst wenn die Koreaner dem H-1 ...
... einen wandlungsfähigeren Innenraum spendieren, hat er das Zeug zur echten Alternative.
Das stärkste Aggregat in diesem Vergleich arbeitet unter der Haube des Hyundai. Der Turbodiesel holt aus 2,5 Litern Hubraum 170 PS und 392 Nm Drehmoment. Damit langt es ...
... in Sachen Fahrleistungen immerhin zu einem zweiten Platz: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der H-1 Travel 12,2 Sekunden, maximal sind 180 km/h drin.
Im Hyundai hört man das selbstzündende Arbeitsprinzip deutlich heraus. Der Vierzylinder baut seine Kraft gleichmäßig auf, erreicht wegen des fehlenden sechsten Gangs aber das höchste Drehzahlniveau und mit 9,5 Litern auf 100 Kilometer den höchsten Verbrauch.
Querdynamik ist nicht seine Stärke: In schnellen Kurven schiebt der Hyundai plump über die Vorderräder, ...
... die Lenkung verhärtet sich plötzlich – es steckt doch viel Transporter im H-1.
Die Fingerkuppen fühlen im H-1 angenehm weiche Oberflächen. Allerdings knistert es auf schlechten Straßen hörbar im Gebälk. Minuspunkte handelt sich der Hyundai auch durch fehlende Heckwischer und Seitenairbags ein.
Licht und Schatten: Der Bordcomputer zeigt die Restreichweite an, eine Verbrauchsanzeige fehlt jedoch.
Viel Platz für Kleinkram: großes, zweigeteiltes Handschuhfach im H-1.
Der Koreaner ist ein prima Passagierdampfer, als Stückgutfrachter aber (beinahe) ein Totalausfall. Die mittlere Dreierbank rutscht zum Einsteigen nach vorn, ...
... lässt sich aber ebenso wenig ausbauen wie die Sitzreihe dahinter. Kissen hoch-, Lehnen flach legen? Keine Chance. Die Mitnahme von Fahrrädern scheitert somit ebenso ...
... wie das Power-Shopping bei Ikea. Kleiner Trost: Hinter der letzten Bank bleibt mit 851 Litern Platz genug für Reisegepäck.
Weiches Sofa: fest montierte Bank mit neigungsverstellbarer, geteilter Rückenlehne. Für große Mitfahrer sind die Kopfstützen etwas zu niedrig.
Für frische Luft: Ausstellfenster am Hyundai H-1 Travel.
Klare Sache: Der Preis-Leistungs-Sieg geht an den Hyundai H-1 Travel 2.5 CRDi. Er verlangt mit 27.953 Euro den mit Abstand geringsten Einsatz an der Kasse.
Mit 335 Punkten kann der Ford auf den zweiten Platz vorfahren. Der Galaxy ist groß, in diesem Vergleich aber der Kleinste. Beim Platzangebot ...
... führt die Transporter-Konkurrenz, der Kölner fährt dafür aber flotter und wirtschaftlicher.
Ford vertraut als Antriebsquelle auf einen zwei Liter großen Vierzylinder-Diesel mit Turboaufladung. Die Maschine schickt 140 PS und 320 Nm Drehmoment an die Vorderräder, ...
... die den Wagen in 11,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 ziehen. Maximal sind 193 km/h drin. Damit hat der Galaxy bei den Fahrleistungen die Nase vorn.
Auch in Sachen Handlichkeit zeigt der Ford-Van gegenüber den Transportern klare Vorteile, verblüfft sogar mit einer unerwarteten Sportlichkeit. Seine direkte Lenkung giert nach Kurven, ...
... im Grenzbereich dreht sich sogar das Heck leicht ein. Das sensibel regelnde ESP behält die Übersteuerneigung aber gut im Griff.
Der Ford ist mit 1778 Kilogramm der mit Abstand leichteste Testkandidat, was sich auch auf den Verbrauch auswirkt: 7,2 Liter auf 100 Kilometer – weniger schafft keiner.
Gediegene Materialien – zumindest im Anfassbereich – lassen den Ford vergleichsweise hochwertig wirken. Das Navi-Display (1325 Euro im Paket) ist zu klein geraten.
Ob die jemand vollmacht? Ausklappfächer im Dachhimmel gibt es für 200 Euro Aufpreis.
Praktisch: kleines Staufach links neben dem Lenkrad.
Das gibt es nur bei Ford: Für die elektrische Parkbremse werden 205 Euro fällig, ...
... auch die beheizbare Frontscheibe für 210 Euro ist nur bei den Kölnern zu haben.
Alles im Blick: Mit dem Spiegel lassen sich die Passagiere im Auge behalten.
Wegen seiner Pkw-Abstammung bietet der Ford weniger Platz als die Nutzfahrzeug-Ableger der Konkurrenz. Da sich statt Schiebeportalen im Scheunentor-Format (zwei beim Hyundai, eine beim VW) nur konventionelle Türen öffnen, können die Stewardessen die dritte Reihe im Crew-Bus nur mit viel mehr Mühe entern.
Ganz hinten in Reihe drei sitzt es sich mit angewinkelten Knien unbequem – nur für Kurzstrecke und für Kinder zu empfehlen. Die fünf Einzelsitze im Fond können separat flach gelegt werden, ...
... da sie im Auto verbleiben, kosten die gefalteten Pakete jedoch ein paar Zentimeter Ladehöhe. Der Laderaum lässt sich von 308 auf 2325 Liter erweitern.
Für den Galaxy 2.0 TDCi in der Trend-Ausstattung verlangt Ford 33.940 Euro – inklusive 1290 Euro für die 17-Zoll-Bereifung. Zum Hyundai ergibt sich damit schon eine Preisdifferenz von knapp 6000 Euro.
339 Punkte bedeuten gerade einmal vier winzige Zähler Vorsprung vor dem Ford und den Sieg für den VW. So viel Nutzfahrzeug wie nötig, so viel Pkw wie möglich: Diese Mischung ...
... macht den neuen Multivan zur ersten Wahl für anspruchsvolle Raumfahrer.
Wo früher Pumpe-Düse-Technik prasselte, gibt sich die Common-Rail-Einspritzung akustisch deutlich zurückhaltender. Der TDI presst mit Turbokraft 140 PS und 340 Nm Drehmoment aus zwei Litern Hubraum.
Bei den Fahrleistungen hat der Multivan in diesem Testfeld wenig zu melden: Bis er aus dem Stand Tempo 100 erreicht, vergehen 14,9 Sekunden. Auch mit 173 km/h Spitze muss er die Konkurrenz davonziehen lassen.
Der VW bleibt trotz seiner starken Seitenneigung in schnellen Kurven sicher auf Kurs, ...
... allerdings zeigt die wogende Karosserie, dass Hektik nicht seine bevorzugte Gangart ist.
Gut zu greifen: Der VW hat wie der Ford eine manuelle Sechsgang-Schaltung. Etliche der 340 Nm versickern in der langen Übersetzung der beiden oberen Gänge. Der sechste ist als reiner Schongang ausgelegt, ...
... Überholmanöver erfordern Zurückschalten, ziehen sich trotzdem oft zäh in die Länge. Der Verbrauch profitiert allerdings vom niedrigen Drehzahlniveau: Mit 8,6 Litern auf 100 Kilometer ist der Bulli für sein XL-Format sehr genügsam.
Optische Modellpflegemaßnahme: Seit seinem Facelift zeigt der T5 das typische VW-Familiengesicht ...
... die bislang blauen Instrumente strahlen jetzt in augenfreundlichem Weiß.
Gut: Karger Transporter-Charme ist jetzt auch bei der Basisvariante Startline endlich Geschichte, aber die Kunststoffe des solide verarbeiteten Interieurs bleiben hart.
Reichlich Platz für jeglichen Kram: Das Handschuhfach im VW schluckt einiges, ...
... auch unterm Dach ist Raum für die kleinen Dinge des täglichen Autofahrer-Gebrauchs.
Der VW hat in Sachen Transporttalent einiges auf dem Kasten, muss mit maximal 4525 Liter Stauvolumen auch vor einem Umzug nicht kapitulieren. Die Sitzbank auszubauen ist zwar möglich, allerdings ein mühseliger Kraftakt. Gut, dass es meist ausreicht, ...
... sie auf den über die ganze Wagenlänge verlegten Schienen zu verschieben. Hinten herrscht Lounge-Athmosphäre: Die Bank hat lange Sitzflächen und ...
... gegen einen Aufpreis von 56 Euro sogar Schubfächer im Tiefgeschoss.
Die beiden dreh-, verschieb- und herausnehmbaren Sitze in Reihe zwei machen den T5 sehr variabel, ...
... sie sind mit 1023 Euro Aufpreis aber auch teuer.
Beim Bezahlen könnte der Spaß am VW aufhören: Für den T5 Multivan in der Ausstattung Startline verlangen die Wolfsburger üppige 35.257 Euro. Eingerechnet sind bereits die 1023 Euro für die Drehsitze.
Das Fazit von AUTO BILD-Autor Martin Puthz: "Der Hyundai ist in diesem Trio das Sonderangebot. Sein günstiger Preis wird allerdings mit der geringsten Variabilität erkauft – und daher (zu) teuer bezahlt. Solange die Koreaner das nicht ändern, ...
... bleibt der VW der Traumwagen für Hobby-Spediteure und Großfamilienväter. Der Galaxy überholt ihn zwar überall dort, wo seine Pkw-Gene zum Tragen kommen. Wer in erster Linie Wert auf einen riesigen, flexibel nutzbaren Innenraum legt, ...
... fährt mit dem Bulli aber am besten. Ein Manko bleibt der schwindelerregende Preis, für den der hohe Wiederverkaufswert nur bedingt entschädigt.
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