GAZ Siber (links) trifft Opel Insignia (rechts): Über die geplante Opel-Beteiligung der russischen Sberbank soll auch der russische Autopartner GAZ wieder auf die Räder kommen. Das ist auch bitter nötig.
GAZ (Gorkowski Awtomobilny Sawod) hat seinen Sitz in Nischni Nowgorod (früher Gorki) und gehört zur Basic-Elements-Holding des Oligarchen Oleg Deripaska. Der wollte mit dem GAZ Siber 2008 wieder ...
... Schwung in die veraltete Modellpalette der GAZ-Marke Wolga bringen. Dafür erstand er bei Chrysler Rechte und Produktionsanlagen der ersten Sebring-Generation und ließ den Siber entwickeln.
Der Siber ist 4,8 Meter lang und wird seit 2008 in Nischni Nowgorod gebaut. Grundpreis für das 141-PS-Basismodell: umgerechnet rund 11.000 Euro.
Zum Produktionsstart drehte Vladimir Putin eine Runde mit dem neuen Stolz der GAZ-Familie – und freute sich dabei vor allem über das stabile Fahrwerk. 65.000 Siber, so die ursprüngliche GAZ-Planung, sollten ab 2009 produziert werden.
Davon ist man jedoch weit entfernt. Genaue Verkaufszahlen gibt es nicht. Laut Berichten von Arbeitern ruht aktuell die Siber-Produktion.
Das Problem: der russische Markt ist hart umkämpft. Im Segment der günstigen Mittelklasse-Fahrzeuge haben sich längst chinesische Anbieter positioniert – und im ...
... Bereich der Premium-Fahrzeuge gibt teure Importware den Ton an. Die Siber-Modelle ...
... haben da keine Chance. Zu teuer und zu schlecht verarbeitet, klagen die Kunden.
Mit dem Siber-Debakel bricht für GAZ und dessen Besitzer Oleg Deripaska die komplette Zukunftsperspektive weg. Denn Deripaska hat bei Chrysler nicht nur Technik und Rechte am ...
... alten Sebring gekauft, sondern auch gleich noch den Dodge Stratus. Bis 2009, so die ehrgeizigen Pläne Deripaskas, hätte damit die komplette ...
... GAZ-Produktpalette auf Chrysler-Technik umgestellt werden sollen. Letzte Hoffnung: die modernen Produkte des neuen Partners Opel, die in Russland relativ begehrt, als Importfahrzeuge aber noch unverhältnismäßig teuer sind.
Alternativen gibt es nicht wirklich: 31105 oder kurz GAZ 31 Wolga heißt das automobile Fossil, das parallel zum Siber gebaut wird.
Ein kantiges Ungetüm, dessen Technik auf den GAZ-Volga 24 aus dem Jahr 1969 zurückgeht. Ursprünglich hätte die Produktion des GAZ 31 mit dem Start des Siber ...
... eingestellt werden sollen. Inzwischen heißt es, der Wolga werde weitergebaut, "wie der Markt ihn braucht".
Vor allem mit Blick auf den Basispreis von gut 8000 US-Dollar wird der russische Markt den Wolga noch recht lange brauchen.
Und nicht nur als Limousine. Parallel läuft in Nischni Nowgorod nämlich auch noch der ...
... Kombi der Modellreihe 310221 vom Band – mit Design und Technik des GAZ 31029 – dem Vor-Vorgänger des aktuellen Wolga 31105.
Die Heckgestaltung ist sogar noch etwas älter. Sie stammt noch vom Wolga 2402.
Gute Geschäfte macht GAZ aktuell nur mit leichten Nutzfahrzeugen. Der Transporter GAZelle wurde 1992 vorgestellt und erreicht ...
... heute auf dem russischen Markt je nach Modell einen Marktanteil von bis zu 50 Prozent.
Das größte Problem des GAZelle ist sein 2,5-Liter-Benzinmotor aus den Wolga-Modellen, der sich durch schlappe Durchzugswerte und einen gewaltigen Durst auszeichnet.
Inzwischen ist der GAZelle aber auch mit einem Turbodiesel von MagnaSteyr zu haben, den GAZ ...
... in Lizenz baut.
Im Juli 2006 wagte sich GAZ nach England und schluckte den britischen Kleintransporter-Hersteller Leyland DAF Vans (LDV), der inzwischen unter der Marke Maxus auftritt.
Das England-Abenteuer neigt sich allerdings offensichtlich dem Ende zu. Oleg Deripaska braucht Kapital und gab Ende April 2009 bekannt, LDV wieder verkaufen zu wollen.
Das GAZ-Portfolio bleibt auch ohne LDV bunt genug. Bei LiAZ und PAZ entstehen Busse und Baumaschinen, ...
... bei GAZ und Ural laufen diverse Trucks, schwere Allradler und Militärfahrzeuge vom Band, die zwar ...
... schon einige Jahre auf dem Buckel haben, im rauen Russland aber nach wie vor gefragt sind.
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