Es sieht aus, als wolle Hollywood sein neuestes B-Movie-Monster präsentieren: Bedrohlich lauert die gepanzerte Riesen-Krabbe auf dem roten Teppich der Militärmesse Eurosartory 2012 in Paris.
Die Crab ist das modernste Konzept für Militärfahrzeuge aus Frankreich.
Crab ist eine Abkürzung und steht für Combat Reconnaissance Armored Buggy, also gepanzerter Aufklärungs-Buggy.
Das Fahrzeug wird dem Naturell der Krabbe gerecht. Laut Hersteller Panhard kann der 4x4-Panzerwagen die Hinterräder verstellen und sich dann seitlich bewegen.
Mit drei Mann Besatzung, 35 PS pro Tonne und über 110 km/h soll die Crab in den Einsatz krabbeln.
Die Ladeluke am Heck blieb während der Weltpremiere geschlossen. Ob es sich um einen Notausstieg handelt oder dahinter etwas anderes versteckt ist, bleibt ungeklärt.
LED-Tagfahrlicht wie wir es von modernen Autos kennen. Viel interessanter dürften die kleinen Leuchten links sein: Vermutlich handelt es sich um spezielle Lampen mit kurzer Reichweite für die Nacht, um sich unbemerkt anzuschleichen.
Unter dem Krabben-Panzer haben drei Soldaten Platz. Vorne sitzt der Fahrer. Neben ihm diverse Bildschirme und Steuerknüppel für Beobachtungs-Missionen.
Hinten fahren zwei weitere Soldaten mit. Von Schalensitzen aus bedienen sie die Überwachungs-Instrumente und die Waffe auf dem Dach.
Einmal am Bestimmungsort angekommen, lautet der Krabben-Auftrag: Fühler ausstrecken, aufklären, rumschnüffeln, beobachten und spionieren.
Um dabei nicht erwischt zu werden, ist die Silhouette mit 1,80 Meter für derartige Panzerfahrzeuge niedrig.
Wird es dennoch brenzlig, weiß sich der Buggy mit Raketen und einem ferngesteuerten Geschütz zu wehren.
Dabei reicht die Feuerkraft aber längst nicht an die der Sphinx heran. Das ist die Monster-Schwester der Crab und ebenfalls eine Studie aus dem Hause Panhard.
Der 16-Tonnen-Radpanzer ist als Jäger für schnelle Eingriffe in Krisengebieten konstruiert.
Er verfügt deshalb über eine starke Panzerung und ...
... einen überdimensionalen Geschützturm. Die absurd große Kanone stammt von Lockheed Martin UK, Kooperationspartner von Panhard.
Das Transportflugzeug A400M soll neben der Crab auch die Sphinx befördern können.
Auf den ersten Blick gar nicht zu sehen: Hinter einer dicken Panzer-Jalousie sitzt der Fahrer tief im Inneren des Radpanzers.
Ohne Turm: Der Haupt-Körper des Fahrzeugs, die Panzerwanne, ist zwischen den acht Reifen eingepfercht. Der Radpanzer ist ein Meter kürzer und niedriger als andere Artgenossen, das soll das Risiko senken, entdeckt oder getroffen zu werden.
Und hier sehen Sie den 4,4 Tonnen schweren Panhard PVP.
Pro Tonne verfügt er über eine Leistung von 34 PS.
Seltener Blick in ein modernes Militärfahrzeug: Was wie ein Computerspiel für den Beifahrer aussieht, ist zur Überwachung oder Bedienung ferngesteuerter Waffen.
Hinten haben sechs weitere Soldaten samt Ausrüstung Platz.
Bei diesem Modell handelt es sich um den Panhard VBL. Er ist in der französischen Armee häufig anzutreffen. 1600 Stück besitzen die Franzosen.
Mit einem Gewicht zwischen drei und vier Tonnen gehört er zu den leicht gepanzerten Fahrzeugen.
Mit ihm sammelten die Soldaten bereits Erfahrungen im Libanon, Kosovo sowie in Afrika und Afghanistan.
Dieser Fahrzeug kann auch schwimmen: Der in den 80ern entwickelte VBL wird während eines amphibischen Einsatzes von einem Heckpropeller auf bis zu 4,5 km/h beschleunigt.
Zum vierten Quartal 2012 soll Panhard komplett von Renault Truck Defense übernommen werden. Dann geht auch der VPS, ein Geländefahrzeug für Spezialeinheiten auf Basis der Mercedes G-Klasse, an Renault über.
Der Wagen fürs Grobe hat ein Leergewicht von 2,8 Tonnen und verfügt über einen 156-PS-Motor.
Französische Spezialeinheiten setzen außerdem auf den VLRA (Véhicule de Liaison et de Reconnaissance). Das Fahrzeug wurde von Acmat (Ateliers de Constructions Mécaniques de l'ATlantique) zusammen mit Renault Defense Truck entworfen. Beide gehören zu Volvo.
Der VLRA zeichnet sich durch seine Robustheit aus. Er bietet eine maximale Reichweite von 1200 Kilometer und einen Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 150 Litern.
Zur 4x4-Variante kommt 2012 noch eine 6x6-Variante. Was Motorleistung und weitere Details betrifft, so hält sich Acmat dezent zurück.
Für Lufttransporte eignet sich der leichtere Acmat ALTV (Airtransportable Véhicule Tactique Léger), der auf dem
Toyota Hilux der siebten Generation aufbaut und überwiegend in Afghanistan zum Einsatz kommt.
Mit einer verstärkten Achse hat der Hilux eine Zuladung von 1,4 Tonnen. Der 190 PS starke Motor schafft 160 km/h. An diesem Beispiel wird deutlich, wie entscheidend das Einsatz-Szenario für die richtige Wahl des Spezial-Fahrzeugs ist.
Vom Truppentransporter Typ VAB wurden bereits über 5000 Stück an die französischen Streitkräfte verkauft.
Im Juni 2012 wurde der 20-Tonner VAB Mark III in Paris präsentiert. Er ist stärker gepanzert als sein zehn bis 14 Tonnen schwerer Vorgänger ...
... und bietet der Besatzung mehr Schutz.
Ist ein Fluss im Weg, lässt eine Schraube am Heck den VAB wie ein Boot durchs Wasser pflügen.
Als Motorisierung dienen Sechszylinder-Turbodiesel von Renault, die den VB auf bis zu 105 km/h beschleunigen.
Zum Multi-Media-Angebot gehört W-Lan, das die Soldaten in einer Entfernung von bis zu einem Kilometer mit dem Fahrzeug verbindet.
Den VAB Mark III gibt es bislang nur als 6x6. Der Vorgänger VAB Mark II ist auch als ...
... 4x4 verfügbar.
In Afghanistan ist der sechs Meter lange, 2,5 Meter breite und 2,2 Meter hohe VAB MK II fester Bestandteil der französischen Truppen.
Hier bei einer Aufklärungsmission.
Bei längeren Patrouillen übernimmt der VAB auch Aufgaben eines Campingwagens.
Die Tarnnetze helfen in der staubigen Gegend, Lüfter und andere Öffnungen vor zu viel Dreck zu bewahren.
Die vorgehängten Matten und Gitter bieten Schutz vor Granaten, im Militär-Jargon RPG genannt.
Die Sprengkörper explodieren vor den Gittern oder bleiben stecken, ohne dass der Zünder ausgelöst wird.
In Einsätzen werden viele militärische Fahrzeuge mit einem solchen Rahmen bestückt. Rheinmetall arbeitet an einem
Schutzschild, das die sperrigen Gitter überflüssig machen soll.
So eingepackt wachsen nicht nur die Proportionen des VAB, auch ...
... der Ein- und Austieg für die Soldaten wird komplizierter.
Innen herrscht militärische "Gemütlichkeit". Die Sitze sind hängend eingebaut und nicht fest verankert. Im Fall einer Explosion unter oder neben dem Fahrzeug nehmen die Sitze die Erschütterungen auf und beugen so Verletzungen der Insassen vor.
Wandelbar: Der VAB MK III ist neben der Version als Truppentransporter auch als Ambulanz-Fahrzeug, Führungsfahrzeug und Waffenträger geeignet.
Als Waffenträger ist der VAB MK III mit einer 30-Millimeter-Kanone bestückt.
Vorne befindet sich der Motor, hinten die Besatzung. Natürlich sind sämtliche Scheiben kugelsicher.
Der zweite Extrem-Renault der Defense-Linie heißt wie ein zäher Hochgebirgsträger, entpuppt sich in der Realität aber als echter Klotz. Der Sherpa Light wiegt bis zu elf Tonnen und ...
... sieht aus, wie ein Zwilling des legendären
Humvee der US-Armee.
Ein 215 PS starker Vierzylinder-Turbodiesel schiebt den Allradler durchs Gelände, das maximale Drehmoment liegt bei 800 Nm.
In der klimagekühlten Kabine haben vier Personen Platz.
In der Ausführung für Spezialeinheiten ist der Sherpa darauf ausgelegt, weite Strecken im schwierigem Gelände zurückzulegen.
Weniger ist mehr: Durch die Reduzierung von Karosserieteilen kann der 10,4 Tonnen schwere Sherpa mit 2,6 Tonnen beladen werden. Hauptsächlich Ausrüstungsteile und Waffen der Spezialeinheiten.
Serienmäßig stelzt das Geländefahrzeug auf 20-Zoll-Reifen durchs Gelände. Wo die Brücke fehlt, watet der Sherpa ohne Vorbereitung durch bis zu 1,10 Meter tiefes Wasser und ...
... klettert eine maximal 50 Zentimeter hohe Uferböschung hinauf.
Das 2,10 Meter hohe und bis zu sechs Meter lange Monstrum wird seit Ende 2011 nicht mehr nur ausschließlich für militärische Zwecke gebaut. Die hier gezeigte Scout-Version ist ohne Waffen als ...
... Viersitzer mit Komfortausstattung (Klimaanlage, Standheizung, optional Rechtslenkung) speziell für die Jagd, Rallyes und alle Arten von Events in schwierigem Gelände gedacht.
Eine weitere Zivil-Version: Sherpa Station Wagon. Ausgestattet mit einer komplett gepanzerten Karosserie ist dieser Sherpa für Missionen in politisch instabilen Gebieten gedacht.
Dieses Fahrgestell mit Kabine nennet sich Sherpa Carrier. Er kann alle Aufbauten (Kipper, Pritsche) für den Transport von Material und Waren bis zu 3,8 Tonnen aufnehmen. Allerdings ist auch hier der Gang zum nächsten Renault-Vertragshändler vergeblich. Den französischen Humvee gibt es nur auf Anfrage bei Renault Trucks Defense.
Nicht nur für militärischen oder privaten Gebrauch, auch die Spezialeinheiten der Polizei nutzen den Sherpa. Hier mit dem
MARS (Mobile Adjustable Ramp System).
Mit der Rolltreppe können die Spezialisten auf hohe Gebäude, in höhere Stockwerke oder in Flugzeuge steigen.
Ein Beamter stellt die Höhe per Fernbedienung von der Plattform aus ein.
Eigentlich ist es
geheim, aber auch die deutsche Polizei nutzt das MARS auf Basis eines Ford F-150.
Zurück zur französischen Polizei, die sich traditionell mit Demonstrationen und Revolutionen auskennt.
Vor dem schwarzen Renault-Rhombus prangt bedrohlich ein Räumschild.
Der Sherpa für die Auflösung innerer Unruhen wurde im Oktober 2011 in Paris vorgestellt.
Wie bei alle anderen Sherpa geht es per ...
... permanenten Allradantrieb durchs Gelände.
Sollte der Sherpa beim Polizei-Einsatz an seine Grenzen stoßen, hilft der große Bruder von Renault. Das MIDS: Midlum Security and Public Order Vehicle.
MIDS ist speziell für die Aufgaben der inneren Sicherheit entwickelt. Dick gepanzert befördert er bis zu zwölf Polizisten.
In der 4x2- oder 4x4-Version bietet er ein Innenvolumen von 20 Quadratmetern.
Der 16-Tonnen-Truck hat eine Nutzlast von drei Tonnen.
Angeblich sind nicht mehr als 100 km/h drin. Da schaffen andere
SWAT-Trucks weitaus mehr!
Zur Vorstellung 2011 wurde er mit einer Feuerlöschanlage, einer Lichtanlage, Sirene, Lautsprecheranlage und Dunstabzug gezeigt.
Der mattgrüne Anstrich verrät: Das MIDS eignet sich nicht nur für Einsätze in der Stadt, sondern auch auf dem Land. Für das Militär reicht das MIDS nicht, daher ...
... baut Renault Truck Defense den Higuard. Nicht nur gut gepanzert, sondern ...
... mit einer V-Karosserie. Die am Rumpf spitz zulaufende Hülle soll Explosionen unter dem Fahrzeug zur Seite ableiten. Als Antrieb dient ein Renault Turbodiesel mit 340 PS und 1300 Nm.
Der 20-Tonnen-Truck kann bis zu zwölf Soldaten samt Ausrüstung transportieren.
Innen sieht es aus wie in einer Achterbahn: schockabsorbierende Sitze.
Statt Kühlbox und Koffer: Schutzschilde und Gewehre.
Mit über 25Tonnen gehört der Kerax 6x6 zum Schwersten, was Renault Trucks Defense zu bieten hat. Danach kommt nur noch die 8x8-Variante mit 30 Tonnen.
Bei einer Zuladung von 14,6 Tonnen wird der Kerax 6x6 als logistischer Transporter und als Raketenstarter genutzt.
In Deutschland zeigen sich die Autohersteller etwas zurückhaltender. Vier Ringe oder ein VW-Zeichen auf einem Panzer? Undenkbar! Mercedes ist da etwas offenherziger. Auf dem
Wolf prangt der Stern und im Truppentranporter Boxer steckt ein 720-PS-Turbodiesel aus dem Mercedes Actros. Mehr vom Boxer sehen Sie
hier.
Beim Bergefahrzeug Bison wird die Verwandschaft zum Mercedes Actros noch deutlicher. Mehr vom Bison sehen Sie
hier.
Auch VW ist am lukrativen Rüstungsgeschäft beteiligt. Firmentochter MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg) lässt ihre Trucks von Rheinmetall für den Einsatz panzern und mit einer Art Star Wars-Schutzschild ausstatten. Wie das funktioniert, sehen Sie
hier.
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