Schaufenster-Rummel: Wer mit einer der drei edlen Sportlimousinen beim Herrenausstatter vorfährt, beweist zumindest schon mal einen exklusiven Auto-Geschmack, aber ...
... wer aus diesem Trio ist am Ende die beste Wahl? Kann der neue Jaguar XJ dem Porsche Panamera (rechts) und dem Maserati Quattroporte (hinten) davonfahren? AUTO BILD hat die drei miteinander verglichen.
Der
Maserati Quattroporte ist schon sieben Jahre alt – keines davon sieht man ihm an. Formvollendet und stilvoll. Mit wildem, aber durstigem Motor und ruppigem Fahrwerk. Alles andere als perfekt und deshalb so faszinierend. In diesem Vergleich reicht es aber nur zu 307 von 500 Punkten und Platz drei.
Das Herz des Italieners: Unter der Maserati-Haube tobt ein heißblütiger 4,7-Liter-V8 mit 440 PS und 490 Nm Drehmoment, ...
... der dir schon beim Start Stromstöße durch den Körper jagt. Ein wildes, hitziges Tier, das zum Steineerweichen knurrt, brüllt, donnert.
Genau so wie er klingt, ist der Quattroporte auch unterwegs: hart, nervös, unruhig ...
... und immer auf dem Sprung. Fordernd – für Fortgeschrittene.
Der Fahrspaß in Zahlen: 5,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 machen den Maserati zum Sprintsieger. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h sehen die Konkurrenten nur die Rücklichter.
Erlesenen Geschmack beweisen die Italiener beim Cockpit. Das wirkt neben den futuristischen Kommando-Zentralen von Jaguar und Porsche geradezu schlicht, aber genau deshalb besonders anziehend. Wer sich dann an dem absurden Radio-Navi-System stört, ist selbst schuld, ...
... und sollte sich lieber über das knautschweiche Leder von Edelhersteller Poltrona Frau freuen, ...
... oder über den geräumigen Fond, der für lange Beine mehr Entfaltungsmöglichkeiten bietet als der des XJ. Im Maserati geht es erstaunlich geräumig zu.
Apropos geräumig: Davon kann beim Kofferraum bei 450 Litern Fassungsvermögen nicht unbedingt die Rede sein.
Das mit Abstand kostspieligste Vergnügen in diesem Vergleich: Beim Preis kennt
Maserati keine Gnade und verlangt herbe 133.310 Euro für den Quattroporte GT S.
Der mit 343 Punkten zweitplatzierte
XJ ist ein großer Schritt in die Zukunft für Jaguar. Bemerkenswertes Design, luxuriöser Innenraum. Sanfter, aber druckvoller V8. Grandiose Bremsen, die Fahrwerkabstimmung wirkt etwas unentschlossen.
Wie im Porsche ist auch der fünf Liter große V8 im
Jaguar ein Direkteinspritzer. Das Triebwerk schickt 385 PS und 515 Nm Drehmoment an die Hinterachse, es läuft mit warmem Wohlklang, sehr sanft und leise, ...
... schiebt bei Bedarf aber gewaltig voran. In 5,7 Sekunden Sekunden geht es auf Tempo 100, maximal sind 250 km/h drin. Der XJ fährt sich nicht ganz so agil und handlich wie Panamera und Quattroporte, ...
... er lenkt eckiger ein, wankt in schnellen Kurven mehr. Seine Bestimmung liegt eher in der schnellen, gepflegten Reise als in sportlicher Hast.
Bei der Inneneinrichtung bricht Jaguar mit vielen Konventionen. Ein runder Drehschalter auf der Mittelkonsole besorgt die Gangwahl, ...
... virtuelle Instrumente liefern die Informationen. Großer Zauber, aber gewöhnungsbedürftig, ...
... genau wie der Touchscreen-Monitor in der Mitte, über den sich viele Funktionen steuern lassen. Doch die sind in Menüs versteckt, und die kleinen Symbole muss man erst mal treffen.
Zu viel Platz sollte im XJ übrigens niemand erwarten – trotz ausladender Dimensionen und 5,12 Meter Länge. Der Jag wirkt vorn zwar noch vergleichsweise luftig, ...
... im Fond sitzt es sich wegen der abfallenden Dachlinie aber nicht übertrieben herrschaftlich – trotz der sehr bequemen Sitze.
Üppig: Der XJ bietet mit 520 Litern Fassungsvermögen das größte Kofferraumvolumen. Ein Erweiterung durch umlegen der Rücksitzlehne ist wie bei Maserati nicht möglich.
Der Jaguar XJ 5.0 V8 fährt für 100.020 Euro am günstigsten vor, im Preis inbegriffen sind die 19-Zöller für 1520 Euro. Zum Preis-Leistungs-Sieg reicht es aber nicht.
Souverän und selbstbewusst fährt der
Porsche Panamera zum Testsieg mit 371 Punkten. Gelassener Motor, leicht nervöses PDK-Getriebe. Mit dem aufgerüsteten Fahrwerk ist er nahe an der Quadratur des Kreises, schnell und komfortabel. Platz hat er auch noch.
Der Porsche tritt in diesem Vergleich mit einem 4,8 Liter großen V8 an, der seine 400 PS und 500 Nm Drehmoment mittels Siebengang–Doppelkupplungsgetriebe PDK (3511 Euro) an die Hinterachse schickt. Der V8 dreht leichtfüßig, ...
.... schmettert mit warmem Bariton und beschleunigt den Panamera energisch: In 5,8 Sekunden passiert der Porsche die 100-km/h-Marke und kommt erst bei 283 Sachen an seine Beschleunigungsgrenze.
Ausgerüstet mit Luftfederung (1952 Euro), 19-Zoll-Rädern (1785 Euro), Sport-Chrono-Paket (1095 Euro) und Servotronic (262 Euro) liefert der
Porsche großen Sport. Mal eben 1,9 Tonnen schwer, ...
... fährt er sich leichtfüßig und präzise, federt andererseits erstaunlich souverän, wird nur auf Querrillen nervös.
Der Panamera ist edel eingerichtet, aber auf andere Art als XJ und Quattroporte. Ernsthaft, weniger verspielt, ...
... hier wird Technik ausgestellt. Auffällig vor allem die Mittelkonsolen- Kommandobrücke mit ihrer funkelnden Tasten-Batterie, die ungeübte Fahrer ganz schön ins Schwitzen bringen kann.
Noch besser als im Quattroporte sitzt es sich in den körpernah geschnittenen Sitzen des Porsche. Hier muss niemand den Kopf einziehen. Und der Panamera hat einen Vorteil, ...
... den wir in der Luxusklasse gar nicht erwartet haben: Die Fond-Lehnen lassen sich umklappen, so dass sich der Kofferraum von 445 Liter auf 1263 erweitern lässt – die Shoppingtour kann kommen.
Der Preis-Leistungs-Sieger dieses Vergleichs: Für den Panamera S verlangt Porsche 103.180 Liter. Dafür sind bereits 19-Zoll-Bereifung (1785 Euro), ...
... adaptive Luftfederung (1952 Euro), PDK (3511 Euro), Servotronic (262 Euro) und Sport Chrono Paket Plus (1095 Euro) mit an Bord.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: "Schön für die, die hier die Wahl haben. Unsereins freut sich ja schon, wenn es die Lieblings-Jeans in der passenden Größe gibt. Aber bitte, die Betuchteren ...
... können sich ihr Auto gern auf den Leib schneidern lassen. Der Porsche etwa – nicht ganz so raffiniert geschnitten wie die beiden anderen, aber technisch überlegen. Anglophile werden ...
... den Jaguar lieben. Mutig, aber irgendwann musste ja mal ein neuer Stil her. Und der lässige Maserati passt wie ein feiner Anzug aus Rom oder Mailand."
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