AUTO BILD SPORTSCARS hat drei heiße Kompakte vom Tuner zum Vergleich auf und neben der Rennstrecke gebeten. Wer liegt am Ende vorne: der
VW Golf R von Sport Wheels (links), der
VW Scirocco R von Mathilda Racing (Mitte) oder der
Seat Leon Cupra von JE Design (rechts)?
Auf dem dritten Platz mit dreieinhalb von fünf möglichen Sternen landet der Seat Leon Cupra R von JE Design. Wie für den Spoilerspezialisten üblich, bestückt der Tuner den feurigen Spanier mit tiefgezogenen Schwellern, Frontschürze, Diffusor und Heckflügel.
Das Leistungspaket für den Leon beinhaltet eine komplette Sportauspuffanlage und Metallkat und kostet satte 6000 Euro, ...
... aber immerhin versorgt der zwei Liter große Turbo-Vierzylinder den Wagen nach der Kraftkur mit 330 PS und 420 Nm Drehmoment.
Trotz warmer Sportreifen auf den 19-Zöllern und präziser Gangwechsel am manuellen Sechsgang-Getriebe ...
... gelingt im Leon nur eine 6,1 von 0 auf 100 km/h (Serie gemessen: 6,4 s). Doch ist der Spanier einmal in Fahrt, geht es richtig voran – bis 200 nimmt JE Design dem Werksmodell über vier Sekunden (20,9 zu 25,0 s) ab.
Obwohl das Heckleitwerk des JE Design Leon steil im Wind steht, rennt der Wagen 260 km/h Spitze – und ist damit langsamer als seine beiden Konkurrenten.
Der Seat bereitet auf den ersten Metern des Sachsenrings reichlich Freude, wozu die manuelle Schaltung ihren Teil beiträgt. So kann man vor manchen Ecken einen Tick später "in die Eisen steigen" ...
... und die Radbremsen per Motorbremse unterstützen. Das KW-Fahrwerk lässt der Hinterachse viel Spielraum, bleibt aber gut beherrschbar. Kerbs werden sauber geschluckt, ...
... mit 1:42,30 Minuten auf seiner schnellsten Sachsenring-Runde schiebt sich der Seat in der AUTO BILD SPORTSCARS-Hitliste zwischen nicht minder potente Geräte wie
Audi RS 6 und
S4. Auch wenn er in diesem Vergleich der Langsamste ist, macht sein mitlenkendes Heck auf der Rennstrecke am meisten Freude.
Das grelle Rot des Leon-Exterieurs setzt sich im Interieur fort. Die Lüftungsdüsen und ...
... das griffge Serienlenkrad wurden rot eingefärbt.
Für das Topmodel der Leon-Baureihe spendierte Jochen Eckelt (das "JE" in JE Design) einige Quadratmeter feinstes Leder und Alcantara in Schwarz und Rot. Das aufgewertete Interieur schlägt mit 2300 Euro zu Buche, für die Anbauteile außen werden 3600 Euro fällig. Der Testwagenpreis: 47.320 Euro.
Der
VW Golf R von Sport Wheels kommt in der Endabrechnung ebenfalls auf dreieinhalb von fünf Sternen. Wegen seiner schnelleren Rundenzeit und dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis landet er aber vor dem Seat auf dem zweiten Platz.
Der Sport Wheels Golf R, tritt zum Test mit sportlicheren Attributen an. Beim Fahrwerk vertraut der Tuner auf die Künste von KW. Und um seinem Namen Sport Wheels gerecht zu werden, ...
... montiert er rot lackierte OZ-Räder (19 Zoll) im Porsche GT3 RS-Design.
Das Leistungsplus von 65 PS gegenüber der Serienmaschine resultiert aus einer Neuprogrammierung des Steuergeräts sowie einem anderen Auspuff und Kat, ...
... so bringt es der Zweiliter-Turbo im Bug auf 330 PS und 450 PS, die über einen Allradantrieb auf die Straße gebracht werden.
Startprozedere: ASR abschalten, Bremse treten, Drehzahl hoch, Bremse lösen. Per Launch-Control schießt der Golf in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 (Werksangabe 5,5 s), ...
... weitere 13,4 Sekunden später liegen 200 km/h an. Und nein, echte 300 km/h erreicht der Wagen nicht – die Höchstgeschwindigkeit liegt bei gemessenen 265 km/h.
Passt ins Bild: Das DSG sorgt für enorm schnelle Gangwechsel und viel Fahrspaß.
Der Golf R von Sport Wheels tritt genau wie JE Design auf Michelin-Cup-Reifen an. Das Fahrwerk-Set-up von KW samt Stabi-Set erweist sich als sehr neutral und im Vergleich am weichsten abgestimmt, ...
... untersteuern ist dem Golf genauso fremd wie ein mitlenkendes Heck. Der Allradantrieb hilft dem VW in jeder Ecke, doch sein Mehrgewicht von knapp 100 Kilo gegenüber Scirocco und Leon kann er nicht kaschieren. Und dann macht ihm auch noch die Bremse einen Strich durch die Rechnung, ...
... Sportbeläge von Hawk entpuppen sich im Test als Fehlbesetzung, die Verzögerung ist nicht aggressiv genug. Nach drei Runden fällt das Bremspedal sogar durch. Subjektiv gehen dadurch mindestens ein bis zwei Sekunden verloren. Trotzdem: Die Bestzeit von 1:41,34 Minuten reicht für Platz zwei in diesem Vergleich.
Auf der Rennstrecke wie im Alltag sind die Werks-Schalensitze (3180 Euro Aufpreis) ein Genuss, ...
... auch das Lenkrad ist R-typisch und sportlich. Wer den Sport Wheels Golf R pilotieren will, muss dafür 47.173 Euro anlegen. Die Leistungssteigerung per Steuergerät, Auspuff und Kat schlägt dabei mit 2799 Euro zu Buche.
Tief geduckt, breite Räder und jede Menge Beklebung. Der
VW Scirocco R von Mathilda Racing sieht aus wie ein Rennwagen. Seine Werbeaufkleber zeugen von Kompetenz – Raeder, Movit, KW und Dunlop klingen nach richtig schnell.
Die ATS-Räder in 9,5 x 18 Zoll kennen wir nur aus dem Motorsport. Die 9,5 Kilogramm leichten GTR-Räder, welche mit Dunlop-Direzza-03G-Semislicks bespannt sind, gibt es seit dem Test auch mit TÜV-Segen. Und das alles ist nicht nur Schminke: Dank seiner Performance fährt der heiße Scirocco mit vier Sternen auf Platz eins.
Der Zweiliter-Turbo-Vierzylinder erfuhr eine Elektronikkur von MTB, danach fallen 300 statt 265 PS über die Vorderräder her, das maximale Drehmoment liegt bei 458 Nm. Die restlichen 33 PS ...
... mobilisieren der Einsatz von Downpipe, Sport-Kat (JE Design mit Zulassung) und Sportluftfilter. So kernig wie der Sport Wheels Golf klingt der Auspuff leider nicht.
Zwar wechselt auch der Scirocco wie der Golf die Gänge per Doppelkupplungsgetriebe, jedoch hat Mathilda im Rahmen der Powerkur die Launch-Control deaktiviert; somit muss das Coupé ohne spezielle Starthilfe beschleunigen, ...
... 5,5 Sekunden auf Tempo 100 sind dennoch eine Ansage (Serie gemessen: 6,0 s). Noch beeindruckender ist der Wert auf 200: Mit 17,3 Sekunden düpiert der Mathilda-Scirocco nicht nur das Serienauto (20,0 s), sondern auch seine beiden Konkurrenten, ...
... die bei 271 km/h Spitze ebenfalls das Nachsehen haben.
Nach zwei Runden sind die Dunlop-Sportreifen klebrig genug, die Movit-Bremse ist auf Temperatur – jetzt gilt es. Unspektakulär sticht das blaue Coupé in die ersten Kurven. Einlenken und rum, kein Unter- oder Übersteuern, ...
... der Scirocco fährt wie auf den sprichwörtlichen Schienen. Selbst in der schnellen Bergab-Links, wo man mit Porsche und Co. lupft, kann man voll auf dem Gas bleiben. Auch über die folgende blinde Kuppe bleibt das Mathilda-Auto in der Spur. Das von Raeder abgestimmte Fahrwerk passt perfekt, ...
... es hat genügend Federweg, um Wechselkurven zu schlucken, ist ausreichend hart, um schnelle Biegungen zu Geraden zu machen. 1:37,08 Minuten stehen am Ende auf der Uhr, unglaublich! Dem Scirocco fehlt nur eine Sekunde auf den
911 GT3 – und er ist 0,2 Sekunden schneller als der
BMW M3 GTS.
Die originalen Sportsitze bieten genügend Seitenhalt. Doch wie es sich für ein solches Fahrgerät gehört, sitzt man hier bald in Vollschalen. Preislich liegt der Scirocco R von Mathilda Racing bei 47.749 Euro – und ist damit ein wenig teurer als seine beiden Konkurrenten. Er ist allerdings jeden Cent mehr wert.
Das Fazit: "Was für eine Performance, und das beim ersten Test! Mathilda Racing fährt mit dieser tollen Rundenzeit und dem Gesamtauftritt nicht nur auf Platz eins dieses Vergleich, ...
... sie sichern sich auch die Sachsenring-Titel "Schnellster Fronttriebler" und "Schnellster VW". Der Golf von Sport Wheels ist kaum weniger sportlich, doch behindern ihn sein Mehrgewicht ...
... und schwächelnde Bremsbeläge. Der Seat von JE Design bereitet zwar viel Fahrspaß, im Vergleich ist das Leistungsplus jedoch zu teuer und kann sich subjektiv zu wenig vermitteln."
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