Willkommen im Kombi-Himmel:
Audi A6 Avant,
BMW 5er Touring und
Mercedes E-Klasse T-Modell (von links) kombinieren Leistung, Platz und Prestige. Welcher Lademeister ist in der Oberklasse die beste Wahl?
Mehr Länge, mehr Leistung, mehr Technik– der neue BMW 5er Touring (Mitte) hat zum Modellwechsel traditionell ordentlich nachgelegt. Im AUTO BILD-Vergleichstest trifft der Münchner auf seine Lieblingsgegner aus Ingolstadt und Stuttgart.
Keine Chance in diesem Vergleich: Trotz kostengünstigen Frontantriebskonzepts ist der
Audi A6 kein Sonderangebot. Dazu kommt, dass der TDI am meisten verbraucht, ...
... dem Drehmoment-Riesen Mercedes nicht folgen kann. So fährt Audi seinen beiden Konkurrenten am Ende mit 372 von 500 möglichen Punkten hinterher.
Leise, dafür aber auch nicht der Stärkste in diesem Trio: Der 2.0 TDI im A6 schickt 170 PS und 350 Nm Drehmoment in den Antriebsstrang. Auf 100 Kilometern genehmigte sich das Audi-Aggregat mit glatten sieben Litern im Testdurchschnitt am meisten.
Aus dem Stand heraus rauscht der Audi geschmeidig ab – er muss eben rund 100 Kilo weniger auf Touren bringen als seine beiden Konkurrenten. Dennoch: Bei 9,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100 kann er sie nicht schlagen. Spitze: 221 km/h.
In Sachen Dynamik patzt der Audi ein wenig: Sobald es flinker zugehen soll, schiebt der Fronttriebler über die Vorderräder, beim scharfen Start fehlt Traktion (bei Nässe sowieso). Auch die leichtgängige, ...
... bei niedrigem Tempo gefühllose Lenkung passt nicht zum dynamischen Anspruch des Avant.
Immerhin: Die optionale Luftfederung arbeitet beinahe tadellos, nur auf derber Strecke bebt die Karosserie etwas.
Der A6 erfreut seinen Piloten mit gewohnt hoher Materialqualität. Im Prinzip ist alles Wichtige drin, zum Mercedes fehlt allerdings einiges an Ausstattung. Bordcomputer und Temporegler müssen beispielsweise zugekauft werden, ...
... darüber hinaus schlagen wir dem A6-Testwagen noch mehr als 4000 Euro für Extras zu. 17-Zoll-Räder, Luftfederung und Verbundglasscheiben tauchen bei uns mit im Kaufpreis auf. Am Ende kostet der A6 (44.210 Euro) sogar rund 300 Euro mehr als der BMW.
Werfen wir mal einen Blick auf die Praxistauglichkeit des Laderaums. Der Hebel an der Lehne entriegelt die geteilte Fondsitzbank. Ist sie nicht richtig arretiert, zeigt es die rote Zunge dahinter an.
Mit 565 Litern Minimal- und 1660 Litern Maximalvolumen bewegt sich das Gepäckabteil des Audi auf dem Niveau des BMW – an den Mercedes reichen beide nicht heran.
Die komplette Bodenplatte lässt sich halbiert zusammenfalten. Darunter passt locker noch eine kleine Tasche. Sehr stabil: die Verzurrösen links und rechts.
Audis großes Manko in diesem Vergleich: Vorderradantrieb in Verbindung mit Schaltgetriebe schränkt die Anhängelast ein – den fast zwei Tonnen der Konkurrenten hat Audi bei 1600 Kilogramm allenfalls die Zugkraft eines Kompakten entgegenzusetzen. Wer malochen will, muss Audi also meiden ...
... und zum Stern dieses Vergleichs greifen. Die
Mercedes E-Klasse ist als T-Modell ein ehrlicher Arbeiter mit hohem Sicherheitsstandard, ...
... der seine Passagiere und vor allem das Gepäck mit reichlich Platz verwöhnt. Der höhere Grundpreis und die teure Wartung ziehen ihn in diesem Vergleich aber nach unten, so dass es am Ende mit 390 Punkten nicht ganz zum Sieg reicht.
Im Mercedes sorgt ein Biturbo-Vierzylinder für Dampf. Zwei Lader pressen aus 2143 cm³ Hubraum 170 PS und 400 Nm. Das maximale Drehmoment liegt bereits bei 1400 Touren an – sehr geschmeidig!
Der Mercedes stürmt herrlich linear und ansatzlos davon. Mit 8,9 Sekunden ist er schneller auf Tempo 100 als seine beiden Konkurrenten – bei 218 km/h Spitze fährt er ihnen allerdings hinterher.
Wenn es zügig zugehen soll, wirkt der Mercedes souveräner als der BMW. Allein die defensivere – und feinere – ESP-Regelung erstickt hektische Fahrmanöver im Keim, ...
... dabei hat der Benz dank direkter Lenkung und (auf porösen Straßen übermäßig) straffer Federung durchaus sportliches Potenzial und ...
... zeigt sich auch nicht besonders durstig: Im Testdurchschnitt verbrauchte der 220 CDI 6,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer.
Typisch Mercedes: Im T-Modell treffen eine üppige Ausstattung, reichlich Sicherheitsextras, ...
... aber auch der höchste Preis aufeinander. Mindestens 45.339 Euro kostet der Stuttgarter Frachter – T steht halt seit jeher auch für teuer. Und doch ist der E-Klasse-Kombi jeden Cent wert, ...
... der gigantisch große Laderaum (695 bis 1950 Liter Fassungsvermögen) und ...
... die einfach bedienbare Klapp-Rückbank, die sowohl direkt an der Lehne als auch aus dem Kofferraum heraus umzulegen ist, zeigen, dass Mercedes die meiste Erfahrung mit großen Kombis gesammelt hat. Hier flutscht alles, ...
... jeder Griff sitzt intuitiv, Hohlräume und Seitentaschen bieten in optimaler Weise zusätzlichen Stauraum. Unter der faltbaren Abdeckung versteckt Mercedes einen in Fächer unterteilten Einsatz und den Faltkorb für den kleinen Einkauf.
Hoher Fahrkomfort, dennoch agil und schnell, dabei insgesamt sogar günstiger als die beiden Konkurrenten – so holt sich der neue
BMW 5er Touring ...
... am Ende 396 Punkte und damit den Gesamtsieg. Zum perfekten Lastesel fehlen dem Münchner aber Platz und Zuladung.
Beim Antrieb setzt BMW den Vorteil des jüngsten Modells konsequent um. Zumindest was den Verbrauch angeht. Ausgerechnet die stärkste Maschine dieses Vergleichs (184 PS, 380 Nm) läuft mit 6,1 Litern pro 100 Kilometer besonders sparsam. Dabei helfen dem 520d Lösungen ...
... wie eine intelligente Lichtmaschinenregelung (die Batterie wird im Prinzip nur im Schiebebetrieb geladen) und natürlich das – abschaltbare – Start-Stopp-System. Schade, dass unter anderem diese Technik dem Touring Ladehemmungen beim Ampelstart beschert, ...
... denn aus dem Stand heraus läuft es nicht sofort rund. Bei Grün heißt's: Kupplung treten, der Motor läuft ruckend an. Gas geben, um mit leicht schleifender Kupplung anzufahren, Turboschub abwarten – erst dann geht ernsthaft die Post ab und der 5er sprintet in glatten neun Sekunden auf Tempo 100. Spitze: 222 km/h.
Bis auf die Anfahrschwäche gibt sich der BMW keine Blöße. Er läuft in jedem Fahrzustand besonders leise, federt dank verstellbarer Stoßdämpfer selbst auf böse zerfurchten Oberflächen tadellos ...
... und fällt nicht einmal (wie in der Vergangenheit häufiger) durch einen beirrbaren Geradeauslauf auf. Dass er dank strammer und zielgenauer Lenkung auch einen fahraktiveren Eindruck hinterlässt – gut, das kennen wir ja. Zu viel Sportlichkeit markiert der BMW auf welligen Landstraßen, ...
... speziell in Kurven. Typische Lastwechselreaktionen in Verbindung mit einer entlasteten Hinterachse können hier zu unerwarteten Schwenks führen.
BMW zeigt seinen beiden Gegnern, was in der gehobenen Klasse möglich ist. Die Liste an lieferbaren Assistenzsystemen und innovativen Optionen will kein Ende nehmen. Aktivlenkung, Achtstufenautomatik, Adaptive Drive, ...
... Headup-Display, Surround-View, Schildererkennung – das sind nur einige Positionen, die Käufer des aktuellen A6 nicht ankreuzen dürfen. Den 520d bewerten wir in diesem Vergleich mit 42.600 Euro Grundpreis plus 1300 Euro für verstellbare Stoßdämpfer.
BMW hat sich wie Mercedes alle Mühe gegeben, erleichtert den Umgang mit dem neuen Touring dank einer separat zu öffnenden Heckscheibe und ...
... einer vielfach verstellbaren Rückenlehne der Fondbank. Die lässt sich mit einem simplen Handgriff entweder auf Passagierbequemlichkeit oder ...
... auf Zusatzstauraum trimmen – perfekt. Schade, dass der Kofferraum nicht mehr als 565 bis 1660 Liter fasst. Bei aufgestellter Fondbank passen rund 130 Liter weniger hinein als in den Mercedes.
Sehr edel: Ein Gasdruckdämpfer hebt die Bodenplatte des Touring an. Im zweiteiligen Untergeschoss finden flache Gegenstände Platz.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: "Alles neu, alles besser – so könnte man den Sieg des BMW zusammenfassen. Zumindest in diesem Vergleich ...
... hängt der fahraktive und komfortable Touring seine Stamm-Konkurrenten ab. Seine Kombi-Qualitäten können aber nicht mit denen der E-Klasse mithalten. Dem teuren Mercedes fehlt ein optionales Verstellfahrwerk wie beim 5er, ...
... so muss er sich knapp hinter ihm einreihen. Für Audi bleibt hier nur der dritte Platz. Er ist langsamer, durstiger – und am Ende nicht einmal günstig."
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