In seiner jüngsten Ausbaustufe R greift der
VW Scirocco den Markt der sportlichen Coupés mit 265 PS an. Ob das auch für
Audi TTS und
Renault Mégane RS reicht, klärt der AUTO BILD-Vergleich.
Unterschiedliche Autos, gleiches Motorenkonzept: Unter den Hauben von
Renault Mégane,
Audi TT und
VW Scirocco sorgen Turbolader für ausreichend Dampf. Beim Antrieb setzt allerdings nur der Audi auf Allrad, ...
... kann seine Niederlage in diesem Vergleich damit aber auch nicht verhindern. Der brandschnelle
TTS taugt für Rundstrecke und Rushhour gleichermaßen. Er gewinnt auch die Testwertung ganz knapp, fällt aber wegen seines hohen Preises am Ende mit 304 von 500 möglichen Punkten auf den dritten Platz zurück.
Am meisten Kraft in diesem Vergleich trabt von der Kurbelwelle des Audi-Motors: Der aufgeladene Zweiliter-Vierzylinder mobilisiert 272 PS und schickt 350 Nm Drehmoment an alle vier Räder. Damit geht es in 5,8 Sekunden auf Tempo 100 und ...
... bis auf maximal 250 km/h. Der TTS kommt mit geregeltem Fahrwerk, entsprechend vielseitig arbeiten Federung und Dämpfung: Im Ingolstädter kann man zur Arbeit und zur Rennstrecke fahren.
Auf der Rundstrecke geht das
Audi-Konzept auf. Trittsicherer Allradantrieb und der giftige Motor schaffen auf unserem Parcours die Bestzeit: 1:37,43 Minuten für den TTS. Kleiner Schönheitsfehler: Nach wenigen Runden ...
... gibt das Bremspedal schwammig nach, immerhin bleibt die Wirkung erhalten. Die Stopper beißen, aber das Gefühl irritiert.
Der Maschine des TT hört man die Kraft an, das kernige Laufgeräusch passt bestens zum Charakter. Nie wirkt der TFSI-Motor dagegen gestresst oder störend laut.
So sieht der mit großem Abstand teuerste Arbeitsplatz in diesem Vergleich aus: Im eigenen TTS Platz zu nehmen, kostet mindestens 45.700 Euro, plus vernachlässigbare 195 Euro für eine Schaltwegeverkürzung.
Nicht optimal: Die Sportsitze im Audi stützen zu wenig, wenn es dynamisch zur Sache geht.
Nur zur Not ist der Weg in den Fond zu empfehlen: Zugunsten eines kompakten Radstands verzichtet der TTS auf vollwertige hintere Sitze.
Ein Frage der Einstellung: Wer will, kann den Schleuderschutz abstellen. Auch Fahrwerk und Heckflügel lassen sich hier modifizieren.
Ein paar Worte zum Nutzwert: Unter der flachen Heckklappe des TTS lassen sich zwischen 290 und 700 Liter Gepäckvolumen verstauen. Mégane und Scirocco bieten vor allem bei der Maximalgröße deutlich mehr.
Platz zwei geht mit 309 Punkten nach Frankreich: Der
Mégane RS ist deutlich günstiger als VW und Audi. Eine aufwendige Vorderachse, das kompromisslose Fahrwerk und ...
... ein bäriger Motor bescheren dem Renault den Titel Fahrspaßkönig. Ein Turbo drückt aus den vier, insgesamt zwei Liter großen Brennräumen 250 PS und 340 Nm Drehmoment. Eventuell auftretenden Schlupf ...
... zügelt der Mégane per mechanischer Differenzial-Sperre, von 0 auf Tempo 100 geht es so in 6,5 Sekunden. Spitze: 245 km/h. Die bockharte Federung ist eine Zumutung. Sperrighakelnd humpelt der
Renault, von seinen breiten Reifen und einem verspannenden Differenzial behindert, aus dem Parkhaus, ...
... aber auf der Rennstrecke passt es: Der Renault (1:38,03 Minuten) hechelt dem Audi nur um sechs Zehntel hinterher. Und das mit 22 PS weniger und Frontantrieb. Wo der Mégane im Alltag heftig an der Lenkung zerrt, verbeißt er sich (viel besser als der VW) in den Asphalt. Gleichzeitig lenkt der Renault zackiger ein, gibt den aktiveren, fordernden Mitspieler, ...
... aber der Motor arbeitet aufbrausender, die Schaltung hakelt, ...
... und beim Anbremsen mit der fein dosierbaren Brembo-Anlage kommt Unruhe ins Auto. Schlingernd nähert sich der RS dem Kurveneingang.
Der Renault steht als Preisbrecher am Start. Die Technik aus dem Motorsport liefert Renault zusammen mit härteren Federn und dicken 235er-18-Zoll-Rädern im Cup-Paket für rund 1600 Euro Aufpreis, ...
... dazu noch 2300 Euro für erstklassige Recaro-Sitze, fertig ist ein Renner für 30.540 Euro (Grundpreis: 26.650 Euro). Aus sportlicher Sicht ist das gut angelegtes Geld.
Bitte einsteigen: Der Renault Mégane ist der einzige Fünfsitzer im Testfeld.
Ein Knopfdruck reicht: Der Renault zeigt sein Fahrprogramm unübersehbar im Cockpit.
Vernünftige Größe: Das Mégane-Gepäckabteil schluckt zwischen 337 und 1024 Liter. Mehr bietet in diesem Vergleich keiner.
317 Punkte reichen dem
Scirocco R am Ende zu Platz eins. Er ist nicht der Schnellste , aber, typisch VW, ein echter Allrounder. Agil, sicher und aufregend. Schade, dass VW ein Quäntchen zu viel Elektronik nutzt, die Kraft zu zähmen. Und dass der Sound zuweilen stört.
Der stärkste Scirocco wird von der Zweiliter-Allzweckwaffe aus dem VW-Konzern befeuert. Im R ist der aufgeladene Vierzylinder gut für 265 PS und 350 Nm Drehmoment. Speziell bei niedrigen Drehzahlen nervt das künstlich erzeugt Auspuff-Brummen.
Der
VW rollt geschmeidig ab und federt dank elektronisch kontrollierter Stoßdämpfer weich genug. Und schnell ist er auch, zumindest längsdynamisch: Mit glatten sechs Sekunden ...
... von 0 auf Tempo 100 ist er dem Audi ganz dicht auf den Fersen. Bei 250 km/h Spitze herrscht zwischen den beiden Konzernbrüdern sogar Gleichstand.
Auf der Rennstrecke faucht der Scirocco als Letzter ins Ziel. Er verliert mit einer Rundenzeit von 1:39,18 Minuten viel Zeit in den Kehren, die elektronische Traktionskontrolle muss zu oft drohenden Schlupf hemmen. Ohne das blitzschnell schaltende DSG wäre der Abstand wohl noch größer ausgefallen.
Auch auf der Rennstrecke kein Grund zur Sorge: Der VW stoppt mit seinen Vierkolben-Zangen tadellos.
Mit Sitzheizung, Klimaautomatik und Xenonlicht ist der Scirocco gut ausgestattet, aber auch VW kann den Grundpreis beim Testwagen nicht halten: Wir schlagen rund 2800 Euro für das DSG-Getriebe und verstellbare Stoßdämpfer auf den Basispreis, das macht 36.295 Euro für den R.
Das geht besser: Die Sitze des Scirocco R sind nur lasch gepolstert und zu hoch positioniert.
VW baut im Grunde genommen einen platt gedrückten Golf-Dreitürer, verleiht dem Scirocco dadurch sogar praktische Talente, ...
... der Kofferraum ist mit 377 bis 1006 Litern größer als der des TTS aber kleiner als im Mégane.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn: "Klar, dank Traktionsvorteils und Leistungsplus fährt der Allrad-Audi ...
... den Konkurrenten mit Frontantrieb davon. Aber nicht weit genug. Der charismatische Renault macht viel über sein agiles Wesen wett, kann auf dem Rundkurs sogar dranbleiben. Den Rest besorgt ...
... der rund 15.000 (!) Euro günstigere Preis. Der Scirocco geht im Vergleich zum Audi ebenfalls als Schnäppchen durch, glänzt dazu mit satter Kraft."
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