Unaufhörlich flüstern uns die Autos ihre Botschaften ins Ohr: von Durchsetzungskraft und Überlegenheit (Panamera), von Entspannung und guten Taten (Prius), von Lässigkeit und Unernst (Yeti). Damit es ein Gesamtkunstwerk wird, benehme und kleide ich mich entsprechend. Ein Selbstversuch von Bernhard Schmidt.
Prius fahren ist Glaube, Liebe, Hoffnung. Der Glaube, dass das Auto einen besseren Menschen aus mir macht, die Liebe zur Umwelt und die Hoffnung, dass möglichst viele der lieben Mitbürger meinem leuchtenden Vorbild folgen. Technisch gesehen ist der Hybrid ein rollendes Wunderwerk.
Sein Durchbruch entspringt eher dem Zufall als einer klugen Strategie. Wir schreiben Ende 2003, der Irakkrieg gilt zwar als siegreich beendet, aber viele amerikanische Bürger empören sich gegen den militärischen Rundumschlag der Regierung Bush.
Da taucht zum Jahreswechsel die zweite Generation dieses anderen Gefährts aus Japan auf und wird umgehend zum griffigen Symbol des Protests.
Karotte im Dosenhalter: friedlich flüsternd durch die Stadt. Ich fühle mich im Prius ganz sanft, denn die Welt erwartet von mir, ein netter Mensch zu sein oder ein LOHAS, so sagen die Soziologen.
LOHAS heißt Lifestyle of Health and Sustainability (gesunder und nachhaltiger Lebensstil). Im Prius fahre ich lammfromm, mein Ehrgeiz gilt dem Spritverbrauch. Gutauto erzieht zum Gutmenschen.
Der Hybrid-Toyota flüstert in mein Ohr, dass die Welt ein höchst lebenswerter Ort ist, dass ich dafür aber ein paar meiner archaischen Triebe opfern müsse.
Spaß muss allerdings neu definiert werden. Den gestrigen Genuss mit Brummbrumm erlebt man im Prius nicht. Als zeitgenössischen Spaß serviert er das Betrachten der komplexen Energieströme auf dem Monitor. Kopf-Spaß statt Bauch-Spaß.
Beim ersten Anblick erinnert mich der Porsche Panamera an einen VW 411, der auf modern macht. Massig und plump, aber auch aufreizend arrogant steht er da.
Der Panamera ist ein Elefant im Porzellanladen. Das Ding ist riesig und immer zu schnell, und um ihn herum tummeln sich all diese kleinen, verdutzten Autochen.
Furchtbar, diese Armut überall, denke ich, während ich das konzentrierte Testosteron der männlichen Bevölkerung auf mich prallen spüre. Alle Männer gucken rüber. Und die Frauen? Vielleicht die falschen.
Im Panamera bin ich gleicher als die anderen. Oder gleichgültig, denn die Knöllchen sind mir ebenso egal wie die Herausforderungen auf der Autobahn. Mein Tritt aufs Gaspedal entfesselt Urgewalten – hier bin ich der König.
In einem Panamera grüble ich über den Artikel 3 des Grundgesetzes: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich." Ungerecht, denke ich, Mücke und Elefant sind ja auch nicht gleich. Wenn ich nicht besser als die anderen wäre, hätte ich mir ja kaum so einen feisten Porsche für 150.000 Euro leisten können, oder?
Im Panamera bin ich siegessicher. Möchte jemand ein Rennen? "Das wollt ihr nicht wirklich, Freunde. Die Autobahn hat einen neuen König, und der bin ich."
Das Hirn bleibt stehen, wenn der Zweitonner von 500 PS und 770 Newtons nach vorn gefeuert wird.
Eleganz ist sicher nicht das stärkste Argument des Panamera. Egal. Bei so viel Power fahren schließlich alle anderen in Zeitlupe.
Bleibt der Yeti, dieser mysteriöse Schneemensch, der mir der Liebste des Trios ist. Ich glaube, ich falle mitten in sein Beuteschema.
Der Yeti ist kein Radikaler, weder ultragrün noch ultraegoistisch, er ist wie du und ich, burschikos, robust, versteht mal einen Scherz, ich kann ihn auch mal ruppiger rannehmen, er geht mit mir durch dick und dünn.
Ich sehne mich höchstens ein wenig nach Schneeverwehungen, Erdrutschen oder Land unter, um dem Rest der Gemeinde mal zu zeigen, was ein echter Yeti ist.
Steile Abhänge checke ich mit einer gewissen, bislang unbekannten Neugier, und ich bin traurig, weil Deutschland kein Stück Sahara besitzt.
Der Skoda Yeti ist ein Typ wie du und ich, er verträgt mal einen Knuff und schreit auch nicht dauernd nach der Waschstraße.
Der Skoda entspannt, weil er nichts von mir verlangt.
Ich könnte durch den Bach fahren, die Hügel hinauf und durch Felder brausen. Aber will ich das überhaupt?
Der Skoda Yeti hat PS genug, die Höchstgeschwindigkeit stimmt auch. Er ist gut für den Seelenfrieden.
Eine Blume zwischen den Lippen, im Frieden mit mir selbst. Der Skoda gefällt, weil er keine Verrenkungen verlangt – weder körperliche, weil das Einsteigen so bequem ist, noch emotionale.
Im Skoda Yeti muss ich mich nicht verrenken, um aufgesetzten Rollen zu genügen. So ist es: Ich bin aus dem Stoff des Yeti gewebt. Wie der Herr, so's Gescherr.
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