Mit voller Fahrt in Richtung VW Golf: Der neue Opel Astra ist noch nicht bei den Händlern, da stellt sich das automobile Deutschland die Frage: Kann der Astra diesmal den Golf schlagen?
Wir werden sehen. Der Sprung, den der kompakte Opel gemacht hat, kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Auf der Piste überzeugt vor allem das ...
... komfortable Fahrwerk. Selbst mit 18-Zoll-Bereifung zeigt die Federung viel Feingefühl.
Zickige Reaktionen im Grenzbereich verkneift sich der Opel, das ESP regelt sehr sanft. Für 930 Euro gibt es ein verstellbares Fahrwerk mit Tour- und Sport-Modus, das sich auf den individuellen Fahrstil einstellt.
Langweilige Opel? Das war einmal. Der Astra ist flott eingerichtet und erinnert an den Opel Insignia.
Die Materialgüte im nobel ausstaffierten Topmodell Cosmo, das uns für erste Probekilometer zur Verfügung stand, lässt einen echten Fortschritt zum Vorgänger erkennen.
45 Knöpfe auf der Mittelkonsole – so richtig intuitiv hat man die Mittelkonsole des Opel Asra nicht im Griff.
Der Kofferraum ist gegenüber früher sogar leicht geschrumpft: 370 bis 1235 Liter sind es nun (vorher 380 bis 1295).
Nach wie vor bildet die umgelegte Rücksitzlehne keine ganz ebene Ladefläche. Besser wird es mit dem dreistufig verstellbaren Flex-Floor-Boden (90 Euro, Serie bei Sport und Cosmo), der auch einen bündigen Abschluss mit der hohen Ladekante herstellt.
Dach vorm Kopf: Zwar hat sich der Astra auf 4,42 Meter gestreckt und sprengt damit schon fast die Grenzen seiner Klasse (ein Golf ist 22 Zentimeter kürzer) – doch der größte Teil der 17 zusätzlichen Längen-Zentimeter scheint irgendwo im bauchigen Blechkleid zu verpuffen.
"Komfort und Qualität sind die Stärken des neuen Astra", meint AUTO BILD-Redakteur Martin G. Puhtz. "Der Verzicht auf ultimative Kurvendynamik fällt im Alltag nicht schwer. Schade nur, dass vom Größenzuwachs innen nicht viel ankommt und die Bedienbarkeit nach wie vor Wünsche offen lässt."
Wie das aussehen wird, wenn Opel und Golf sich auf der Straße begegnen, sehen Sie auf den nächsten Bildern. Einfach weiterklicken!
AUTO BILD hat den Astra schon mal vor die Linse geholt und den Golf gleich dazu. Erster Eindruck: Neben dem aufrechten, kreuzbraven VW mimt der Opel den flotten Hirsch. Der Astra sieht eleganter aus mit sportlichem Unterton, ...
... steht breitbeinig auf der Straße. Die im Vergleich zum Golf zusätzlichen Zentimeter (22 in der Länge, sieben in der Breite) kann er gut kaschieren, ...
... auf Anhieb fällt aber der um elf Zentimeter längere Radstand auf. An den Flanken breite Schultern, ...
... sanfte Wölbungen zwischen klar definierten Kanten, unten die geschwungene Linie wie beim Opel Insignia, nur mit umgekehrtem Verlauf. Dazu ein ausgesprochen knackiger Hintern, der sich im oberen Bereich stark verjüngt. Lecker.
Vorn nehmen wir dankbar zur Kenntnis, dass uns die Opel-Stilisten keinen Gesichts-Picasso präsentieren. Da unterscheidet sich der neue Astra wohltuend von der aktuellen Mode. Der Grill ist kleiner als beim Insignia und hübscher, alle Konturen und Linien verlaufen harmonisch, ohne dass Langeweile aufkommt.
Das Wabenmuster in den Lufteinlässen soll an den guten alten Commodore erinnern, verrät Designer Uwe Müller, für den Astra verantwortlich und seit 18 Jahren bei Opel.
"Die Gestaltung der Flächen ist wichtig, schmalere Fugen natürlich, aber auch solche Dinge wie der Chromrand an den Fenstern, eine Ausnahme in dieser Klasse", erklärt Designer Müller (rechts) Redakteur König.
Klar, dass auch die Leuchteinheiten, das aktuelle Lieblingsspielzeug aller Designer, das Ihre dazu beitragen müssen. Vorn lugen die Scheinwerfer unter einem winkelförmig gestalteten LED-Tagfahrlicht hervor – auf Wunsch mit adaptivem Abblendlicht.
Die Rückleuchten gleichen formal den Scheinwerfern und strahlen mit je zwei Lichtwinkeln – "damit der Opel auch bei Dunkelheit als Opel zu erkennen ist", so Müller.
Durchgestylte Details, wohin das Auge blickt: Integration des Endrohres in die Heckschürze ...
... oder aerodynamisch geformte Spiegelkappe. Die seitlichen Blinker sitzen übrigens im Kotflügel.
Platz nehmen im Astra-Prototypen, der einen elegant gestalteten Arbeitsplatz hat. Rundinstrumente und Cockpitschwung kennen wir bereits vom großen Bruder Opel Insignia.
Der Kritik am Vorgänger, der Astra habe zu wenig Ablagen, will Opel sich auf keinen Fall mehr aussetzen. Der Neue kommt mit unzähligen Fächern, Getränkehaltern und einer intelligenten Variabilität im Kofferraum.
Hinten bietet der Astra spürbar mehr Beinfreiheit als sein Wolfsburger Rivale, da macht es sich schon bemerkbar, das größere Format. Ebenso im Kofferraum: Mit 380 Litern fasst er 30 mehr als der Golf.
Bei der Auswahl an Motoren (vier Benziner, vier Diesel) kommt keiner zu kurz. Neu im Astra-Programm wird der 1,4-Liter-Turbo- Benziner sein, der den 1,8-Liter-Sauger ablöst und 140 PS lockermacht, ...
... bei 180 PS (1,6-Liter-Turbo) ist vorerst Ende der Fahnenstange. Damit liegt Opel im Vergleich mit dem Golf-Angebot gut im Rennen, auch wenn die aufgeladenen VW-Benziner mehr Drehmoment zu bieten haben.
Aufrecht, kompakt, nüchtern – das Golf-VI-Design hält sich streng an die lange Tradition des VW. Im Vergleich zum Astra wirkt das weniger aufregend, ...
... die runden Scheinwerfer des VW geben sich deutlich weniger verspielt als die Leuchteneinheiten des Opel, ...
... auch bei den Rückleuchten setzen die Wolfsburger eher auf zurückhaltendes Design.
Anderer Weg: VW platziert die seitlichen Blinker im Außenspiegelgehäuse.
Im Golf kommt es einem nach der Sitzprobe im Astra vor wie in einer Bürgerstube, ordentlich, praktisch, solide. Aber die konservative Gestaltung des Golf hat durchaus ihre Vorzüge: Die Übersichtlichkeit nach vorn ist besser (im Astra stören die weit vorgezogenen Fensterholme). Die Qualität ist über jeden Zweifel erhaben.
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König: "Ein Astra, gleich welcher, ließ mich bisher kalt. Unter null, wenn ich ehrlich bin. Aber beim Anblick des Neuen wird es mir warm unterm Kragen. Ja, wirklich – das Auto stimmt, ...
... und zwar von vorn bis hinten. Mehr noch als der Insignia. Nicht überstylt, aber auch nicht langweilig, stattdessen frisch und gut proportioniert. Daneben wirkt der Golf bereits leicht angestaubt. So viel steht fest: Für Opel ist der Astra das perfekte Auto für einen neuen Anfang."
Dass Opel in der Kompaktklasse formal frischer wirkte als VW, das gab es schon mal. Zum Beispiel 1984: Der Golf II präsentierte sich als aufgequollene Variante des Golf I, ...
... der neue Kadett E glänzte formal mit modernem italienischem Flair.
1991 war kein wirklich guter Jahrgang, weder für das Golf-Design ...
... noch für den Kadett-Nachfolger Astra F. Immerhin zeigte der Opel etwas mehr Pfiff.
1998 können die Wolfsburger ordentlich punkten: VW ging in die Qualitätsoffensive – das sah man dem Golf IV auch an.
Beim Astra konnte höchstens der sportlich angehauchte Dreitürer überzeugen. Dennoch: Diesmal sah der VW eindeutig besser aus.
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