Die Idee zur Entwicklung kam vom sowjetischen Militär. 34 Dienstjahre hat dieser LuAZ 967 schon auf dem Buckel. Wir wollten wissen: Schwimmt der alte Russe noch? Und fuhren runter zum Fluss.
Der LuAz ist einst im ukrainischen Luzk für die Armeen des Warschauer Pakts gebaut worden. Der Fahrer sitzt in der Mitte, links und rechts ist Platz für zwei Tragen mit Verwundeten.
Für den mitfahrenden Sanitäter ist ein Klappsitz vorgesehen. Besonders skurril: Damit der Soldat auch unter Beschuss seinem Auftrag nachkommen kann, lässt sich die Lenksäule nach unten abklappen. So kann er im Liegen fahren.
Selbst ein vergleichsweise ruhiger Fluss kann dem LuAZ schon gefährlich werden.
Über die niedrige Bordwand schwappen schnell auch kleinere Wellen.
Hoppla, zu schnell ins Wasser gefahren. Der LuAZ läuft voll.
Leichtmatrose Jan Horn gerät in Panik. Soll es das etwa schon gewesen sein? Versinkt jetzt eine Tonne sowjetischer Fahrzeugbaukunst im Fluss?
Kann sein, denn die Bordwand unseres LuAZ 967, Baujahr 1974, ist für Seegang viel zu niedrig.
Das Wasser schwappt über die Kante, Schwall für Schwall. Eigentlich ...
... hätte jetzt die kleine Lenzpumpe unter der Motorhaube anspringen und das Wasser wieder nach draußen befördern sollen. Eigentlich.
Doch es rührt sich nichts da vorn, kein Elektromotor springt an, keine Pumpe pumpt – und das ...
... Wasser im Auto steigt immer höher, bringt unser Gefährt in gefährliche Schräglage.
Kollege Jan Horn ist zum Glück vom Kfz-Fach und will sich die Sache mal ansehen, und ...
... findet den Fehler in der Verkabelung.
Dank Allradantrieb und gesperrter Hinterachse bringt es unser Boot auf drei Kilometer pro Stunde.
Die Bestimmung des LuAZ war rein militärischer Natur und streng zweckgebunden: Als "Geschädigten-Transportfahrzeug" sollte der LuAZ Verwundete von der Front in Sicherheit bringen.
Auf die Idee zur Entwicklung eines solchen Fahrzeugs kam das sowjetische Militär im Koreakrieg (1950 - 1953), wo sich der herkömmlich konstruierte Geländewagen GAZ 69 in vielen Situationen als zu groß, schwerfällig und unbeholfen erwies.
Die Militärführung beschloss deshalb, dass die Armee zusätzlich ein leichtes, geländegängiges und schwimmfähiges Fahrzeug bekommen sollte, das zur Bergung und zum Transport von Verwundeten und gleichzeitig zum Fallschirmabwurf geeignet sein musste.
Der erste Prototyp entstand 1958 und hatte eine Kunststoffkarosserie, die sich aber als zu instabil erwies. In die Entwicklung der endgültigen Ausführung des LuAZ 967, die 1961 in Produktion ging, waren Spezialisten des Automobilwerks Saporoshez eingebunden.
Das erklärt auch den luftgekühlten V4-Motor, denn der treibt ebenso den ab 1960 produzierten Saporoshez-Heckmotor-Kleinwagen an.
Ungewöhnliches Schaltschema mit links vorn liegendem ersten Gang. Die Erklärung auf russisch hilft den meisten heutigen Besitzern nicht weiter.
Die Seilwinde an der Front ist nicht zum Bergen des Fahrzeugs gedacht, vielmehr sollten damit Verletzte aus Gefahrenzonen geborgen werden.
Der leicht veränderte Nachfolger unseres LuAZ 967, der 967M, schob seinen Dienst ab 1978 auch in der Nationalen Volksarmee der DDR.
Für eine 50 Jahre alte Konstruktion ist der 967 sehr fortschrittlich: Mit selbsttragender Karosserie, Einzelradaufhängung und Drehstabfederung an allen vier Rädern ist er technisch viel weiter als die meisten anderen Geländewagen seiner Zeit.
Dass er laut Betriebsanleitung nur 30 Minuten im Wasser fahren darf, liegt nicht etwa daran, dass er nach einer halben Stunde plötzlich sinken würde. Sondern am mangelnden Fahrtwind auf hoher See.
Trotz Gebläse droht der luftgekühlte Motor nämlich nach einiger Zeit zu überhitzen, wenn der LuAZ mit 3 km/h dahintuckert.
Im vergangenen Jahr war der skurrile Militarist aus der Ukraine in der Fahrzeugflotte der AUTO BILD-Schraubergemeinschaft gelandet.
Über einen Händler kam der Wagen nach Hamburg und durch den Tipp eines Kollegen zu uns.
1500 Euro verlangte der Verkäufer, am Ende einigte man sich auf 1200 Euro ...
... für das gute Stück aus Armeebeständen, das nicht sofort einsatzbeit war.
Vor dem Vergnügen stand erst einmal Schrauben auf dem Programm: "Bevor ihr in See stecht, solltet ihr die Gummimanschetten der Umlenkhebel tauschen", gab uns der Verkäufer noch mit auf den Weg ...
... als wir das Auto bei ihm abholten, "sonst sauft ihr ab".
Ersatz für die defekten Dichtungen fanden sich im Zubehörhandel, in der Größe variable Antriebsmanschetten.
Auch beim defekten Anlasser war der Fehler schnell gefunden: Schlammiges Wasser hatte ihn verdreckt.
Nach einer gründlichen Reinigung und einer reichlichen Dosis WD-40 funktionierte er wieder wie neu.
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