Italienischer Moment: AUTO BILD hat den neuen Maserati GranCabrio im Winter von Ravenna nach Ferrara gefahren – und die stilvollste Art des Frierens kennengelernt.
Im Winter kann es in der Emilia Romagna schon mal minus zwei Grad kalt sein, der Himmel Trauer tragen und eine steife Brise aus Südost wehen. Ein Grund, das Dach geschlossen zu lassen, ...
... ist das aber noch lange nicht. Für die Cabrio-Offenbahrung reicht ein Griff an die Mittelkonsole. Einfach die Abdeckung nach vorne schieben, ...
... und schon liegt der unmissverständlich mit "Open" beschriftete Knopf frei.
Den Produktplanern gebührt ein Bravo, weil sie das bereits fix und fertige Blechklappdach in letzter Minute durch ein klassisches Faltverdeck ersetzt haben. Die dreilagige Stoffkapuze ...
... öffnet und schließt in 28 Sekunden – gern auch bei langsamer Fahrt oder per Fernbedienung. Der Wetterschutz stammt übrigens vom deutschen Zulieferer Edscha.
Von hinten zieht es wie Hechtsuppe, doch gegen den Kaltluft-Föhn von vorn hilft ein Stirnband und die Hoffnung auf besseres Wetter. Aircap, Windschott, Nackenwärmer? No, grazie. Das aufsteckbare Windschott des Maserati ist zusammengefaltet in der Garage ohnehin besser aufgehoben als im 173 Liter kleinen und ziemlich zerklüfteten Kofferraum.
Ein sportliches Gesicht für den großen Italiener: Der offene Maserati ist die dritte und letzte Spielart des 2004 eingeführten Quattroporte.
Der Himmel reißt auf, es wird sonnig: Ravenna entpuppt sich als große Kulisse für die nuova bella macchina mit dem V8-Herz von Ferrari, das schon im heiseren Leerlauf Alt und Jung die Köpfe verdreht.
Der 440 PS starke 4,7-Liter-Motor klingt so mitreißend nachhaltig, als hätte ihm der Opernkomponist Gaetano Donizetti aus der Gruft um die Ecke den Soundtrack posthum ins Steuergerät diktiert. Wenn der Wellenkamm der Drehmomentwoge bei 4750 Touren bricht und 490 Nm in Richtung Sechsstufenautomatik fluten, ...
... dann ringen die fetten Sottozeros auf der glatt gefegten Strandpromenade selbst im dritten Gang noch kreischend um Grip. Trotz der Abkehr von Trockensumpfschmierung und Transaxle (schnief!) ...
... ist das GranCabrio ein heckbetont abgestimmter Luftikus, der sein explosives Eigenlenkverhalten nur zu gern unter Beweis stellt.
Der Countdown zum Showdown erfolgt in drei Stufen: Schaltung in Manuell, Fahrwerk in Sport, ESP-Schutzengel in Urlaub. Weil gleichzeitig die Gaspedalreaktion von dolce zu arrabbiato wechselt, führt das wuchtige Windspiel jetzt eine noch schärfere Klinge. Wer den Motor bis 7200 Touren ausdreht, ...
... schon am Kurveneingang Kampflinie fährt und bis zum Scheitelpunkt genug Schwung sammelt, den belohnt der Maserati mit großen Gesten und immer längeren Querfahrten. Applaus, Vorhang, Encore!
Wenn es sein muss, dauert der Spurt von null auf 100 nur 5,3 Sekunden – mit reichlich Schlupf und ab 3000 Touren mit einer Klangfülle, die abhängig macht. Doch die wahren Stärken des sanften Riesen sind der sämige Sauseschritt, ...
... das geschmeidige Gleiten und der lässig getaktete Kurventanz. Wo die Radaraugen gnädig wegschauen, ...
... beginnen schon lange vor Erreichen der Höchstgeschwindigkeit (274 km/h, offen; 283 km/h, geschlossen) Augen zu tränen, Haarteile zu flattern und Ohren abzufallen.
Wir lassen es lieber etwas langsamer angehen und genießen dabei die intuitive Transparenz der Bedienung. Die Lenkung straft uns zwar im Stadtverkehr ...
... mit einem Wendekreis von 12,3 Metern, doch überland funktioniert sie erstaunlich präzise.
Die Länge macht's: Mit einem Radstand von 2,94 Metern – also 20 Zentimeter mehr als beim Bentley GTC – schafft das GranCabrio beste Voraussetzungen für bequeme Viersitzigkeit.
Dicker Brocken: Die Verstärkungen der Karosserie machen das Cabrio rund 100 Kilogramm schwerer als ein GranTurismo Coupé. Insgesamt bringt der offene Dreizack 1980 Kilo auf die Waage.
Da nimmt man doch gerne Platz: Die Ausstattung des Maserati macht wunschlos glücklich – auch in puncto Sicherheit.
Die Automatik ist nicht so flink und effizient wie ein Doppelkupplungs-Arrangement, doch die Dreier-Beziehung zwischen Getriebe, Motor und Gaspedal überzeugt durch absolute Harmonie.
Zeichen der Zeit: Auch beim GranCabrio finden iPod und Co. einen Anschluss.
Non parlo italiano. Die Herren von der Polizei fragen zunächst nach der Einfahrtserlaubnis ins historische Stadtzentrum von Ravenna, ...
... um uns dann auf Schleichwegen auf die Piazza del Populo zu lotsen. Grazie mille, ragazzi! Hier findet der offene Maserati eine perfekte Kulisse für ein Abschlussfoto.
Das Fazit von AUTO BILD-Autor Georg Kacher: "Traumauto, dein Name ist GranCabrio. Und zwar nach dem Motto veni, vidi, vici: Einmal ansehen reicht, um sich unsterblich zu verlieben. Trotz des Mini-Kofferraums ...
... und der Maxi-Kosten. Vom Sound, der imposanten Durchzugskraft, den unterhaltsamen Fahreigenschaften und dem konkurrenzlosen Aufmerksamkeitswert wollen wir gar nicht erst reden ..."
Sie können sich am offenen Dreizack auch nicht sattsehen? Kein Problem, hier sind weitere Bilder des Maserati GranCabrio – zum Durchklicken und genießen.
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