Jetzt können sich die Platzhirsche warm anziehen: Der neue Mercedes SLS AMG hat bei seiner exklusiven Rennstrecken-Schnupperfahrt einen super Eindruck hinterlassen. Sich dort in voller Schönheit zeigen, wollte er aber noch nicht.
Ort des Geschehens ist der Salzburgring, die anspruchsvolle österreichische Berg-und-Tal-Bahn mit zwei langen Geraden, zwei Mutkurven und einem engen Infield-Geschlängel. Das passende Sportgerät stellt Mercedes-AMG bereit: zwei Vorserien-SLS, bereit zum Auswringen.
Nicht ohne Safety Car: Den Takt für den SLS gibt der brutale SL 65 AMG Black Series vor – doch der hat seine liebe Not auf der Bremse und in den Zweite-Gang-Hundekurven. Das liegt nicht nur am Mehrgewicht, sondern auch an der ausgewogeneren Achslastverteilung ...
... des Flügeltürers. 52 Prozent seiner 1620 Kilo konzentrieren sich auf die Hinterhand. Außerdem glänzt er mit einem niedrigeren Schwerpunkt, ...
... mit leichteren Aluachsen und mit einer Spaceframe-Karosserie, die nur 241 Kilo auf die Waage bringt.
Im Vergleich zum SL 65 AMG hat der SLS mächtig Reserven. Die verdankt der C 197 dem deutlich längeren Radstand (2,68 Meter), der niedrigen Silhouette (Höhe 1,25 Meter), der Transaxle-Bauweise mit Getriebe an der Hinterachse und ...
... dem neuen Doppel-Querlenker-Fahrwerk mit mechanischem Sperrdifferenzial. Das ergibt in Summe eine noch souveränere Straßenlage, deutlich mehr Richtungsstabilität und vor allem in engen Biegungen viel mehr Grip.
Von vorne schiebt's gewaltig: Unter langen SLS-Haube kauert die Affalterbacher Allzweckwaffe namens 63 AMG. Nicht von der Bezeichnung verwirren lassen, der V8 hat "nur" 6,2 Liter Hubraum, ...
... versorgt den Sportler aber mit absolut ausreichenden 571 PS und 650 Nm Drehmoment. Und die entfesseln auf Wunsch ...
... ein echtes Beschleunigungs-Feuerwerk: In 3,8 Sekunden stürmt der Flügeltürer aus dem Stand auf Tempo 100 und ...
... muss sich erst bei 315 km/h dem Luftwiderstand beugen. Die Tachoskala hat da übrigens noch reichlich Reserven.
Für das entscheidende Plus an Abtriebskraft: Im Rückspiegel grüßt der ab 120 km/h aktive Bumerang-Spoiler, ...
... der sich per auf Knopfdruck auch manuell ausfahren lässt.
Aufpreispflichtiger Anker: Die hohen Temperaturen gegenüber immune Keramikbremse verändert nie den Pedaldruck und rettet mit ihrem enormen Verzögerungspotenzial bei Bedarf aus den Untiefen der Selbstüberschätzung.
Das neue Coupé aus Affalterbach ist auch gefühlt mehr Racer als Cruiser. Man sitzt exakt 37 Zentimeter über dem Asphalt in körpergerecht aufgepolsterten Rennschalen mit Rückenlehnen aus Magnesium, ...
... die Flügeltüren, die geöffnet 1,50 Meter hoch in den Himmel ragen, bilden in geschlossenem Zustand zusammen mit dem ...
... hohen Getriebetunnel einen schmalen Kokon, der die Piloten jeder Querbeschleunigung trotzen lässt.
Das Cockpit wirkt vertraut, es hat die spezielle Instrumentierung mit AMG-typischen Funktionen (Race Timer, Launch Control, Temperaturdisplay für Motor- und Getriebeöl sowie Kühlwasser), den LED-Drehzahlmesser mit gelber Warnleuchte ab 6900 und zwei roten Segmenten bei 7200 Touren.
Zu den Verführungen der Aufpreisliste gehören das Soundsystem von Bang & Olufsen, ein flächendeckendes Karbonpaket und Flechtlederbezüge mit fluroeszierenden Kedern und kontrastfarbigen Nähten.
Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe wechselt in der schärfsten Stufe in weniger als 100 Millisekunden die Fahrstufe. Die Schaltbox ist übrigens nahezu baugleich zum Getriebe des Ferrari California.
Bedingt regelbar: Der SLS AMG ist kein unentschlossener Entweder-oder-Sportwagen mit x-fach verstellbaren Dämpfern, variabler Lenkungskennlinie und 1001 Knopfdruck-Alternativen zum Anspechverhalten von Motor, Getriebe und Differenzial – er ist immer ein Supersportler.
Eine Frage des Preises: Noch ist der Mercedes SLS nicht endgültig kalkuliert, aber man darf mit rund 165.000 Euro rechnen.
Das Fazit von AUTO BILD-Autor Georg Kacher: "Lange blieben die Flügeltüren bei Mercedes geschlossen. Doch jetzt entfalten sie sich wieder – und wecken Begeisterung wie beim legendären 300 SL von 1954. Mit dem SLS AMG ...
... rüttelt Mercedes vehement an den Säulen der Sportwagen-Hierarchie. Der Flügeltürer hat in der Tat das Zeug zum großen Wurf, denn er kombiniert souveräne Fahrdynamik ...
... mit einem in der Super-Luxusklasse durchaus verträglichen Preis – von der revolutionären eDrive-Version ganz zu schweigen."
Messe-Star mit Mütze: Offiziell sollte der Mercedes SLS AMG eigentlich erst im September 2009 auf der IAA in Frankfurt zu sehen sein. AUTO BILD hat ihn jetzt schon enttarnt.
Flügel-Tier: Wenn der SLS AMG seine Türen aufschwingt, wird es Fans des legendären 300 SL aus den 50er Jahren warm ums Herz. Auch Retro: die große Kühler-Nase mit XL-Stern und breiten Schwingen.
Gullwing-Doors heißen die coolen Klappen bei englischen Autonarren. Kein Mercedes ist bekannter als der 300 SL. Jetzt kehrt er zurück.
Das spitze Heck ist wie die Türen historisch inspiriert. Es erinnert an den 300 SL der 50er.
Aus der Erlkönig-Mottenkiste: Dass hier ein SLS AMG über die Nordschleife fegt, war 2008 noch nicht klar. Der SLR-Nachfolger hatte damals noch viele ...
... Namen – und noch keine eigene Karosserie. Als Erprobungsträger musste eine Dodge Viper herhalten.
Über Flügeltüren konnte zu diesem Zeitpunkt nur spekuliert werden.
Erst 2009 erlaubten die Schwaben einen ersten Blick in die SLR-Entwicklung – und lieferten ...
... die passenden Erlkönig-Bilder von den weltweiten Testfahrten gleich mit. Berge und Täler, ...
... Eiseskälte und Wüstenglut – der SLS musste die gleiche Test-Tortur wie alle anderen Mercedes-Modelle hinter sich bringen.
Und immer wieder Nordschleife: Hier haben die Erlkönig-Jäger von autobild.de einen SLS mit relativ ...
... dezent getarnter Nase erwischt. Gut sichtbar: der klassisch-große Stern und die breiten Schwingen im Kühler. Beides ...
... prägte schon den 300 SL aus dem Jahr 1954 – und steht auch dem modernen Flügeltürer gut zu Gesicht.
Anker werfen: Wenn es darum geht, so viel Speed wie möglich zu entsorgen, springt den Keramik-Stopper ein aufklappender Flügel auf dem Kofferraumdeckel zur Seite. Die so genannte Airbrake erhöht den Luftwiderstand. Kennt man auch von landenden Flugzeugen.
Der Klassiker: Mit dem 300 SL schaffte es Mercedes 1954 aus dem Stand auf die Titelblätter der Welt. Stars und Sternchen waren verrückt nach dem ...
... deutschen Sportler mit den abgefahrenen Türen. Noch heute werden spätere SL Roadster zu Flügeltürern umgerüstet, um die große Nachfrage zu befriedigen.
Ein ganz heißes Eisen: Für die Sportwagen-Weltmeisterschaft baute Mercedes 1955 den 300 SLR – einen offenen Zweisitzer, der ...
... mit einer ausklapbaren Luftbremse antrat. Die hat er nun auch an den SLS AMG vererbt. Ob auch der SLS einen scharfen R-Ableger bekommen wird, steht noch in den Sternen.
Noch ein Flügeltürer: Nach dem 300 SL versuchte sich Mercedes in den 60er und 70er Jahren erneut an Flügeltüren. Die Experimentalfahrzeuge der C111-Familie hatten allerdings ...
... nicht nur ausgefallene Türen, sondern auch moderne Kunststoff-Karosserien und ganz unterschiedliche Motorisierungen. Dieser C111 wurden von einem mittig eingebauten Einspritz-Wankelmotor angetrieben.
Zur Serienreife brachte es die C111-Flotte und der Wankelmotor bei Mercedes nie. Ein Jammer.
Dafür experimentierten die Schwaben schon in den späten 70er Jahren mit Dieselmotoren. Der C111-III ...
... dieselte 1978 auf der Hochgeschwindigkeits-Strecke im italienischen Nardo auf 320 km/h.
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