Hoffnungsträger einer Marke: Die einstige GM-Tochter
Saab ging für 400 Millionen Euro an die Sportwagenschmiede Spyker. Den fertig entwickelten
9-5 haben haben die Holländer dabei quasi in den Schoß gelegt bekommen. Jetzt steht das neue Flaggschiff beim Händler. Was kann der schwedische
Insignia?
autobild.de hat den Saab 9-5 schon in seiner Heimat rund um das schwedische Trollhättan gefahren. Es hätte aber auch gut Manhattan sein können, denn ...
... mit gut fünf Metern Länge und dem markant gestylten Heck passt dieser Schwede auch gut in die USA. Kein Wunder, schließlich sehen die Skandinavier jenseits des Atlantiks auch den größten Markt. Ob uns Europäern dieses Design auch gefallen wird?
Zumindest besitzt der
9-5 einen hohen Wiedererkennungswert. Die markanten Scheinwerfer, die flache Fensterlinie und das zum Heck hin stark geneigte Dach fallen sofort auf. Immerhin kann die Limousine damit Akzente setzen.
Technisch gelingt das nicht. Auch wenn fast 70 Prozent der Teile neu sind, Hauptgenspender bleibt der
Opel Insignia. Das ist nicht unbedingt schlecht. Motor, Getriebe, Fahrwerk passen auch zu dem großen
Saab und hinterlassen einen ersten guten, eher komfortablen Eindruck.
Wir waren mit dem 220 PS starken 2,0-Liter-Turbobenziner unterwegs, der der knapp 1,9 Tonnen schweren Limousine passable Fahrleistungen (0-100 km/h in 8,8 Sek., 230 km/h Spitze) aber einen zu hohen Verbrauch (9,9 Liter Super, 228 CO2 g/km) beschert.
Nur spritzig fühlt sich das Ganze nicht an, Fahrspaß will nicht so recht aufkommen. Da hilft auch die Elektronik nicht weiter, mit deren Hilfe Fahrwerk, Motor, Automatikgetriebe, Allradantrieb und Lenkung auf Knopfdruck sportlicher abgestimmt werden können.
Zu spüren war davon auf den ersten 250 Kilometern allerdings nichts. Vor allem die völlig gefühllose Lenkung enttäuscht. Hier ist
Saab gut beraten, noch bis zum Verkaufsbeginn nachzubessern.
Gleiches gilt für die Verarbeitungsqualität. Wackelnde, nicht richtig passende Anbauteile und die verwendeten Kunststoffe im Saab-typisch sehr wuchtigen Cockpit können mit dem Premium-Anspruch der Marke keinesfalls mithalten.
Immerhin stimmt das Platzangebot. Vorn thront man wie der schwedische König, der üppige Fond reicht auch für königliche Hochzeitspaare. Und die können nach der Trauung auch gleich auf Hochzeitsreise gehen.
Eine Überraschung liefert der Startknopf, der das Saab-typische Zündschloss auf der Mittelkonsole ersetzt. Auch der mächtige Handbremshebel musste der elektrohydraulischen Variante mit filigranem Schalter weichen, ...
... zusammen mit grünlich hinterleuchteten Reglern und Anzeigen wirkt alles sehr modern und typisch nordisch.
Im Innenraum dominiert kühle schwedische Eleganz, auf der wuchtigen Mittelkonsole droht der Krieg der Knöpfe.
Elegant: der Wählhebel der Sechsstufen-Automatik.
Auf den ersten Blick finden wir im 9-5 wieder, was wir an den
Saab der letzten Jahre so vermisst haben. Ein kompromisslos schwedisches Design, ...
... stark, kraftvoll, eigenwillig. Bei der Ausstattungsvariante "Aero" sorgen große Lufteinlässe, spezielle Räder im Turbinendesign ...
... und in die Heckschürze integrierte Endrohre für den sportlichen Auftritt.
Das durchgängige Leuchtenband auf dem Heckdeckel verleiht dem großen Saab etwas Staatsmännisches, ...
... die geschwungene LED-Leiste im Rücklicht macht offensichtlich, dass man bei deren Gestaltung auch einen kleinen Blick auf
Audi geworfen hat.
Unter dem 5,01 Meter langen Blech findet sich eine bunte internationale Mischung. Die Epsilon-II-Plattform, auf der der
9-5 aufbaut, benutzen auch
Opel Insignia, Chevrolet Malibu, Buick Lacrosse und der chinesische Buick Regal.
Hinter dem markanten Kühlergrill schlägt beim Topmodell Turbo6 ein großes Herz: Der 2,8-Liter-V6 stammt von der australischen GM-Filiale Holden. Dank eines Turbos mit 0,75 Bar Ladedruck versorgt er den 9-5 mit 300 PS und 400 Nm Drehmoment, die dem 2,1-Tonnen-Schiff ...
... ordentlich Beine machen. Maximal erreicht der Top-
Saab 250 km/h. Eine geplante Viggen-Sportversion mit Biturbo soll später noch eine Schippe nachlegen. Der Allradantrieb (per Haldexkupplung) sorgt in Verbindung mit dem ...
... elektronischen Differenzial hinten für tadellose Traktion und souveränes Kurvenkratzen. Beim Preis beweist der gut ausgestattete
9-5 Aero Turbo6 XWD Selbstbewusstsein: 52.500 Euro verlangt Saab für die Spitzenversion. Der Einstieg ...
... gelingt aber schon für 33.700 Euro. Dafür gibt es einen 1,6 Liter großen Turbo-Vierzylinder mit 180 PS. Ebenfalls im Angebot ...
... ein zwei Liter großer Selbstzünder, der ab 35.900 Euro in der Preisliste steht.
Und hier ist die wichtigere Modellvariante des 9-5 – noch getarnt unterwegs. Den SportCombi erwarten wir für 2011, mit einem flotten und ...
... trotzdem nicht zu knappen Laderaum im Heck. Wie wichtig der Lastesel für die Marke ist, zeigt der bisherige Kombianteil beim 9-5 – der lag bei rund 80 Prozent. Weitere Informationen zu Saab finden Sie
hier.
Weitere Bildergalerien und Videos zum Thema finden Sie in den Empfehlungen auf der linken Seite.