Der
Smart for-us kommt an, zumindest in Florida. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Ausfahrt mit dem Messestück auf den Straßen des Sonnen-Staates.
Motto: small is beautiful, statt bigger is better. Stimmt, ein kleiner und kluger Pick-up-Truck fehlt den USA. Zu den tradierten Eigenarten der großen Nation zählt es, riesige Autos mit Ladefläche und Lkw-Technik zu fahren – sie sind Planwagen der Neuzeit.
Was für ein Kontrast: der kleine for-us zwischen all den fetten Dodge Ram und GMC Silverado und ...
... Diesel-Trucks, die so groß wie Lagerhäuser sind.
Zwischen New York und San Fransisco ist der Ford F-150 noch immer das meistverkaufte Auto – ein Haufen Blech mit Blattfedern und durstigen Motoren. Der Pritschenwagen gehört zu Amerika wie Bisons zur Prärie. Noch konnte kein Buffalo Bill dieser Auto-Monokultur etwas anhaben.
Daran dürfte auch der for-us in nächster Zukunft wenig ändern, aber er zeigt, dass es langfristig auch für die US-Ikone eine Zukunft geben kann.
Dann nämlich, wenn sie von einem Elektromotor statt eines V8 angetrieben wird und ein feines XS-Kostüm anstelle von XXL-Schlabberklamotten trägt. So wie der for-us hier vor den Wynwood Walls in Miami.
Der for-us hat sich für seinen Amerika-Auftritt jedenfalls fein rausgeputzt. Die Kunststoff-Karosserie des fortwo hat er gegen eine Vollcarbon-Tridionzelle getauscht, die sich auf 3,55 Meter Länge streckt.
Weil sein Radstand gegenüber dem Serien-Smart um 85 Zentimeter wächst und er auf 18-Zoll-Rädern mit breiterer Spur rollt, wirkt er viel größer und wuchtiger.
Große Lufteinlässe, der fein strukturierte Bienenwaben-Grill und die LED-Scheinwerfer-Rhomben geben ihm einen freundlich-frechen Blick.
Der ab 2013 zusammen mit Renault produzierte forfour bekommt den gleichen Radstand und dürfte ein ähnlich knuffiges Antlitz tragen.
Die ersten Publikumsreaktionen in Miami auf den for-us sind positiv, ...
... einige Passanten möchten ihn sofort kaufen. So wie Rick (38). Er ist Lagerist, fährt einen Dodge Ram mit 5,7-Liter-Achtzylinder. "Meine Tochter würde den Kleinen lieben. Ideales Auto für mein Surfbrett", sagt er.
Leider haben Amis oft ein kurzes Gedächnis. Außerdem müssten sie sich an die nur 90 Zentimeter lange Ladefläche gewöhnen.
Die kurze Pritsche taugt nämlich nicht für Angelruten oder Bauholz, sondern dient dem Transport von zwei
Smart-Pedelecs (E-Fahrräder).
Dort werden sie auch gleich geladen, sodass der for-us-Fahrer im Auto bis zum Stadtrand fährt und dort aufs Elektrorad umsteigt: ein Reichweitenverlängerer à la Smart.
Der for-us selbst fährt ebenfalls elektrisch. Für eine Studie sogar überraschend gut. Spurtstark, aber fast lautlos summt er nach vorn.
Der Ladeanschluss ist hinter einer Klappe versteckt.
Im Heck steckt die Antriebstechnik des fortwo Electricdrive: 55-Kilowatt-Permanentmagnetmotor mit 130 Newtonmeter Drehmoment, der die Hinterachse antreibt.
Die Sitze sind wie Hängematten mit wechselbaren Stoffbahnen bezogen, das Lenkrad oben offen.
Der Rückspiegel wird zur iPhone-Halterung, ...
... drei transparente Rundinstrumente sitzen in einer gelben Plastikummantelung.
Der Zündschlüssel sitzt in der Mittelkonsole, davor befindet sich der schicke Schalthebel für die Automatik.
Alte und neue Welt: Der 55er Chevy Bel Air hat seine besten Tage hinter sich, der Smart hat sie noch vor sich.
Dass der for-us in Serie geht, ist so unwahrscheinlich wie ein Sheriff, der auf seinen Colt verzichtet. Schade! Das kleine Pritschenwagen-Cabrio hat viel Charme und könnte dem amerikanische Pick-up-Laster zum nötigen Neuanfang verhelfen.
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