Wenn Nachwuchs da ist, wird auch der Platzbedarf größer – Kind und Kegel wollen gut untergebracht sein. AUTO BILD hat vier Kompakt-Vans verglichen: Der gerade erst modellgepflegte
VW Touran (vorne) tritt gegen
Toyota Verso,
Opel Zafira und
Renault Grand Scénic (von links) an. Welcher ist der größte Familienfreund?
Der vierte Platz geht mit 326 von 500 möglichen Punkten nach Japan. Der noch recht frische
Toyota Verso fährt hier überraschend deutlich hinterher. Für viel Geld bekommt man viel Ausstattung, aber leider zu wenig Qualität.
Praktisch ist er ja, der Verso: Mit einem Handgriff falten sich die längs verschiebbaren Rücksitze zur ebenen Ladefläche – das schafft hier sonst keiner. Aber er hat mit 1696 Litern das geringste Maximalvolumen, schluckt als Fünfsitzer 607, als Siebensitzer 178 Liter.
Beeindruckend die Ausstattung des Executive-Siebensitzers: Zweizonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Aluräder, Xenonscheinwerfer sowie ein Rundum-Sicherheitspaket mit sieben Airbags relativieren den hohen Preis, aber ....
... wer so viel Geld hinblättert, erwartet freilich mehr Sorgfalt bei Materialauswahl und Verarbeitung. Kratzempfindliche Kunststoffe, schief eingepasste Blenden und klaffende Spalte ärgern beim Blick aufs zerklüftete Cockpit.
Auch nicht wirklich überzeugend: die kleinen Sessel und der geringe Verstellbereich des Lenkrads – Große finden keine perfekte Sitzposition.
Besser gefallen Geräuschdämmung und geschmeidige Federung, die in der Stadt nahezu alles schluckt. Auf welligen Landstraßen wirkt der Verso jedoch nervös.
Dabei verführt der Japaner mit trägem Handling, gefühlloser Lenkung, defensivem ESP und schlappem Durchzug (80–120 km/h: 22,7 Sekunden) gar nicht zu sportlicher Hektik.
Der 1,8 Liter große Vierzylinder ist mit 147 PS nominell das stärkste Aggregat im Vergleich. Allerdings liegen 180 Newtonmeter Drehmoment erst bei vergleichsweise hohen 6400 Touren an.
Beim Sprintvermögen liegt der Japaner vorne: Tempo 100 erreicht er nach 10,2 Sekunden. Wer den Fuß auf dem Gaspedal stehen lässt, wird mit dem Verso maximal 190 km/h schnell.
Die lange Übersetzung des manuellen Sechsganggetriebes bringt einen sparsamen Verbrauch: Mit 7,8 Litern auf 100 Kilometer im Testdurchschnitt ist der Toyota gemeinsam mit dem VW der sparsamste Van dieses Vergleichs.
Hier muss man besonders tief in die Tasche greifen: Für den Verso 1.8 verlangt Toyota 28.100 Euro – allerdings inklusive der üppigen Executive-Ausstattung.
Es gibt mittlerweile talentiertere Raumkünstler. Platzangebot und Solidität überzeugen aber, als "Sport" stimmt auch die Fahrdynamik. Das reicht am Ende für 335 Punkte – Platz drei für den
Opel Zafira.
Dass der Zafira schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, kann er nicht verheimlichen. Etwa mit seiner hohen, kutschbockartigen Sitzposition, ...
... oder dem umständlichen Variieren im Fond: Die einteilige Bank rückt nur am Stück nach vorn, lediglich die Lehnen lassen sich einzeln umlegen. Vor dem Entfalten der Notsitze muss zunächst die Sitzfläche der Fond-Bank hochgeklappt werden, ...
... bevor diese komplett nach vorn geschoben werden kann. Ziemlich umständlich. Dafür lümmeln Hinterbänkler im Opel am bequemsten. Der Kofferraum bietet zwischen 140 (Siebensitzer) und 645 Liter (Fünfsitzer) Volumen, maximal passen 1820 Liter hinter die Heckklappe.
Alter Hase: Das Cockpit wirkt zwar etwas angestaubt, aber Verarbeitung
und ...
... vor allem die einfache Bedienung überzeugen auch heute noch. Lange Reisen sind dennoch kein Vergnügen im Opel ...
... denn der muntere 1,8 Liter (140 PS, 175 Newtonmeter) vibriert nicht nur kräftig, sondern macht auf der Autobahn so viel Radau, ...
... dass man sich in einem Gebrauchtwagen aus dem letzten Jahrzehnt wähnt. Das kurz übersetzte Fünfganggetriebe ist keine Hilfe, treibt Drehzahlniveau und Verbrauch (8,3 Liter/100 km) nach oben – da hört der Spaß auf.
Bei der Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 liegt der Opel hinten, er braucht für diese Displin mit 11,1 Sekunden am längsten. Spitze: 197 km/h – da ist nur noch der Touran schneller.
Spaßmacher in Kurven: Dank straffer Abstimmung pfeffert der Opel mit Schmackes ums Eck, bügelt dennoch sehr souverän über wellige Landstraßen, insbesondere beladen ...
... und überzeugt mit direkter Lenkung und prima Sesseln. Die nehmen zudem Kanten den Schrecken, die die straffe Federung bisweilen trocken weiterreicht.
Das zweitgünstigste Auto in diesem Vergleich ist der Opel: Für den Zafira 1.8 Sport verlangen die Rüsselsheimer 27.470 Euro.
Platz zwei geht an den
Renault Grand Scénic mit 345 Punkten. Innere Größe, guter Komfort und vor allem der günstige Preis bringen den Franzosen nach vorn. Er übertreibt es aber mit seinem Schmusekurs.
In der Tiefe des Raums – mit 4,56 Metern ist der Renault der Längste im Vergleich – spielt der Grand Scénic seine Vorzüge aus. Bietet das luftigste Ambiente, den besten Rundumblick (das freut die Kinder) und den größten Stauraum (bis zu 2063 Liter).
Die Sitze in den ersten beiden Reihen haben echtes Verwöhn-Aroma – eine Wohltat nicht nur auf Urlaubsfahrten, ...
... die drei Sessel im Fond lassen sich einzeln verschieben, falten oder ausbauen, eine ebene Ladefläche entsteht beim Siebensitzer aber nicht. Wer zu Fünft reist, kann 564 Liter zuladen, zu Siebt sind es immerhin noch 208 Liter.
Schwungvoll: eigenständiges Cockpit-Design mit guter Verarbeitung, soften Oberflächen und leicht ablesbarem Mäusekino, ...
... die Bedienung gelingt problemlos. Klasse: die Ruhe an Bord. Das macht den Franzosen zum angenehmen Reisewagen. Großen Anteil daran ...
... hat der kultivierte 1,4-Liter-Turbo (130 PS, 190 Nm), der kaum lärmt ...
... und mit kräftigem Antritt gefällt. In 10,9 Sekunden geht es auf Tempo 100, maximal sind 190 km/h drin. Ordentlich ist allerdings auch der Durst – mit 8,6 Litern schluckt der Vierventiler am meisten, ...
... was den Federelementen nicht immer gelingt. In der Stadt gleitet der Van zwar sanft über Unebenheiten, gerät aber auf holprigen Landstraßen ins Schaukeln. Bei voller Beladung, das sind nur 519 Kilo, ...
... schlägt die unterdämpfte Federung ab und an sogar durch. Dennoch fährt der Grand Scénic sicher. Und präziser als früher, obwohl sich die Lenkung noch immer etwas teigig anfühlt.
So sieht der Preis-Leistungs-Sieger dieses Vergleichs aus: Für den Renault Grand Scénic 130 TCe Dynamique werden 23.600 Euro fällig. Bereits eingerechnet sind 700 Euro für die dritte Sitzreihe.
Nach ganz oben aufs Siegertreppchen fährt der
VW Touran mit 359 Punkten. Viel Platz, saubere Verarbeitung, harmonisches Fahrverhalten, sparsamer Motor, hoher Komfort – wer sich kaum Schwächen leistet, gewinnt eben.
Im Grunde ist der geliftete Touran ganz der Alte geblieben. Bis auf die Türen sind zwar alle Bleche neu, innen aber herrscht die alte Nüchternheit, ...
... mal abgesehen von der weißen Instrumentenbeleuchtung und den Klima-Reglern aus dem Golf VI. Gut so, ...
... denn keiner platziert seinen Piloten besser, macht die Bedienung so leicht und Kritik an Materialien und Verarbeitung so schwer.
Hinten reisen Passagiere nicht ganz so entspannt auf drei schmalen, verschiebbaren Einzelsitzen mit knapper Beinauflage. Außerdem stört der hohe Mitteltunnel.
Dafür funktioniert der Ausbau der Möbel kinderleicht: Lehne nach unten fallen lassen, Sitz aufstellen und herausnehmen. Das schafft eine ebene Ladefläche mit bis zu 1913 Liter Stauraum (Fünfsitzer: 600 Liter, Siebensitzer: 121 Liter) und satten 634 Kilo Zuladung. So entpuppt sich der VW als vorzüglicher Tourer, ...
... mit kräftigem und sparsamem Motor: Der TSI holt dank Kompressor- und Turboaufladung aus 1,4 Litern Hubraum 140 PS und 220 Nm Drehmoment. Mit 7,8 Litern Testverbrauch auf 100 Kilometern bleibt die Maschine sparsam, ...
... obwohl sie kräftig antritt (0–100 km/h: 10,4 s) und dem Touran mit 202 km/h die größte Höchstgeschwindigkeit in diesem Vergleich beschert.
Auch die harmonischer Federung und das flinke Handling überzeugen. Das adaptive DCC-Fahrwerk (955 Euro extra) kann man sich getrost sparen, die Dämpferraten unterscheiden sich zu wenig.
Auch beim Preis ist sich der Touran treu geblieben: Den 1.4 TSI in der Ausstattung "Comfortline" bekommt man bei VW für 27.885 Euro – inklusive dritter Sitzreihe (705 Euro) und DCC-Fahrwerk (955 Euro).
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Uli Holzwarth: "VW hat es beim Touran geschafft, Gutes noch besser gemacht. Er gewinnt den Vergleich mit seiner Ausgewogenheit, ohne jedoch Glanzlichter zu setzen. Zweiter ist der Renault Grand Scénic, ...
... der mit seinem günstigen Preis den Opel Zafira auf Distanz hält. Doch der Oldie schlägt sich wacker, überzeugt hier mit ungewohnter Dynamik. Letzter ist der Verso. Er fährt unharmonisch, Verarbeitung und Materialien enttäuschen. Das zeigt, wo Toyotas eigentliche Probleme liegen."
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