Einmal volltanken, bitte: Zum einen sollte man genügend Zeit, zum anderen ein prall gefülltes Portemonnaie haben. Denn es dauert eine Weile, bis 590 Liter Diesel in den Tank gelaufen sind. Bei einem Dieselpreis von 1,55 Euro sind 914 Euro auf den Tresen des Tankwarts zu legen.
Auf ausreichend breiten Straßen ist der Ford F-650 dank Sechsstufenautomatik, Luftdruckbremse und leichtgängiger Servolenkung spielend leicht zu fahren.
Das dicke Ende: Die Hinterachse des Ford hat Zwillingsbereifung. Der ständige Blick in die ausladenden Seitenspiegel ist Pflicht, und auf Dauer anstrengend. Er muss jedoch sein, um die 22,5 Zoll großen Zwillingsreifen in der Spur zu halten.
So wird das nichts: Legal parken lässt sich mit dem 6,50 Meter langen und 5,2 Tonnen schweren Truck so gut wie gar nicht. Beim Querparken ragt das Heck über den kompletten Bürgersteig.
Besser man sucht sich einen Parkplatz außerhalb der Stadt, um keine Strafzettel zu kassieren. Bei einer Scheibenwischerhöhe von 1,80 Meter dürften einige Überwachungskräfte jedoch Probleme haben, das Ticket unter das Wischerblatt zu klemmen.
Vor der Technischen Universität in München dreht sich Studentin Tanja Gerlach zwar nach dem Ford F-650 um, aber nicht gleich durch. "Man vermutet da eher irgendeinen Macker am Lenkrad", sagt die hübsche Blondine.
Sudent Philipp David findet den Ford F-650 mit 325 PS und 6,7 Litern Hubraum zwar "untauglich, um zur Arbeit zu kommen, zum Spaßhaben aber super."
Der F-650 weckt sofort das Interesse der Studenten. Aufmerksam inspizieren sie jedes Detail an dem gigantischen Truck, der auf deutschen Straßen seinesgleichen sucht.
Die F-650-Passagiere thronen auf einem stattlichen Hochsitz, der so manchen Jäger vor Neid erblassen ließe.
Der Ford Pick-up degradiert SUV wie Mercedes GL-Klasse, BMW X5 oder Audi Q7 zu Spielzeugautos. Aus dem Ford lässt sich hervorragend durch die getönten Sonnendächer der SUV spähen.
Die Ladefläche des Pick-up eignet sich eher für ein Picknick als für schwere Transportgüter. Zu hoch und zu klein ist die Ladefläche des F-650.
Landwirt Josef gruber rollt gerade im Trecker vom Feld. Wäre der Ford etwas für seine Farm? Nein. "Zu kleine Ladefläche und nur Hinterradantrieb. Nix für mich."
Groß und klein haben etwas gemeinsam: eine Ladefläche. Der F-650 neben Deutschlands kleinstem Pick-up, dem Piaggio Ape.
Selbst der ausladende Hummer H1 wirkt bescheiden neben dem Ford F-650. Hinsichtlich Vielseitigkeit und Geländegängigkeit kann der Ford dem Hummer jedoch nicht das Wasser reichen.
Unendliche Weiten: Bei einer theoretischen Reichweite von rund 4200 Kilometern mit einer Tankfüllung, der üppigen Bereifung und der großen Bodenfreiheit eignet sich der F-650 hervorragend für die Durchquerung von menschenleeren Wüsten, Steppen und unwegsamen Gebieten.
Jeans, grobes Schuhwerk, Holzfällerhemd und Cowboy-Hut sind typische Kleidungsstücke eines Ford F-650-Fahrers.
So unsportlich wie das Auto sollte der Fahrer hingegen nicht sein. Zum Entern der Kabine ist eine gewisse Gelenkigkeit notwendig.
Ausdauernd sollte der Halter eines F-650 ebenso sein. Bis 590 Liter Diesel im Tank sind, vergehen etliche Minuten.
Im Gegensatz zu dem 325 PS starken Ford F-650 dürfte das 2-PS-Gespann keine Probleme haben, einen Parkplatz in Münchens Innenstadt zu finden.
Möchte der Großstadtcowboy ein Mittagsschläfchen machen, so legt er sich einfach auf die Ladefläche seines Trucks. Dank des hohen Aufbaus und der hohen Ladebordwände ist er dabei von Passanten kaum zu sehen.
Im Vergleich zu dem spektakulären äußeren Auftritt gibt sich der Ford im Innenraum sehr trist. Graues Plastik, soweit das Auge reicht.
An der Bedienbarkeit gibt es nicht viel zu mäkeln, für europäische Verhältnisse ist die per Drucktasten betätigte Automatik gewöhnungsbedürftig.
Bereits ab 3500 Touren beginnt der rote Drehzahlbereich des 6,7-Liter-V8. Bis zu 125 km/h erreicht der Ford, wenn man ihm die Sporen gibt.
Gemessenm an den äußeren Abmessungen ist die Beinfreiheit der Fondpassagiere nicht eben üppig.
Für PKW-Fahrer ungewohnt ist die Anzeige für den Luftdruck der Bremsanlage.
Die Feststellbremse des F-650 wird bequem an einem Hebel rechts neben der Lenksäule bedient.
Um das Beladen ein wenig zu erleichtern, ist das Heck des F-650 per Knopfdruck absenkbar.
Die Aussicht auf das Verkehrsgeschehen ähnelt eher derjenigen aus einem Fern-LKw als aus einem gewöhnlichen PKW. Leider hilft die beeindruckende Aussicht beim Einparken nicht weiter.
Unter der riesigen Motorhaube wirkt selbst der 6,7-Liter-V8-Diesel ein wenig verloren.
Der Pick-up ist nur eine von zahlreichen Ausführungen des F-650, die Ford in den USA anbietet. Auf Basis des F-650-Fahrgestells werden u.a. Nutzfahrzeugaufbauten wie z.B. Kipper angeboten. Auch Wohnmobile oder Ambulanzfahrzeuge auf F-650-Basis sind lieferbar.
Fazit von AUTO BILD-Reporter Claudius Maintz: "Der Ford F-650 polarisiert. In der City dreht sich jeder nach dem F-650 um, Freunde wie Gegner. Er ist einerseits ein mutiges Statement gegen CO2-Hysteriker, andererseits aber auch vollkommen sinnfrei."
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