Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr: Alles am F-150 ist fett, feist und mordsmäßig mächtig. Als Sondermodell "Harley-Davidson" wendet sich Ford bevorzugt an Motorradfahrer, die auch mal ein Dach überm Kopf brauchen. Oder etwas, um ihr Bike spazieren zu fahren.
Als wär' die Zeit dran vorbeigegangen... – baut Ford riesige Pick-ups und preist sie an wie deutsche Autohändler die Verschrottungsprämie. Dieser fährt trotz des Beinamens entgegen aller Annahmen auf vier Rädern statt auf zwei.
Und was für welche: Auf 22-Zöllern stakst das allradgetriebene Monstrum daher, das sind 56 Zentimeter. Mehr geht nicht, jedenfalls nicht beim Ford F-150. Sind die dick, Mann.
Basis ist der Pick-up F-150, ein wahrer Saurier mit einer Ladefläche, auf der eine ganze Heimatschutzbrigade Platz nehmen kann. Was aber an dem Monstrum lässt sich mit den legendären Motorrädern assoziieren? "Es kombiniert die legendäre Widerstandskraft und das weiche Handling von Amerikas bestverkauftem Truck mit dem authentischen Styling von Harley-Davidson", fällt Ford selbst dazu ein.
Eindrucksvoll an dem Viech ist vor allem die Gelassenheit, mit der Mobilität auf gut amerikanisch definiert wird. Anders gesagt: Das Wort "Auto" klingt echt niedlich dafür. Und eindrucksvoll auch, wie Ford sich über alle Probleme der Gegenwart hinwegsetzt. Mit Allradantrieb, nicht zu vergessen.
Aber lassen wir nach dem Verursacherprinzip doch den Konstrukteur selbst zu Wort kommen: "Der Truck baut auf dem Erbe der Härte auf, die immer schon ein Aushängeschild der Ford F-Serie war", wird da Matt O'Leary zitiert, der Chefingenieur. Endlich gebe man den Kunden mehr von all dem, was sie so liebten: "Ein vollkommen differenziertes Design, Allradantrieb und eine Inneneinrichtung, die einfach umhaut." Wow!
Natürlich gehört zu dem optischen Knock-out auch der erprobte Logo-Terror: Wohin auch das Auge blickt, überall reichhaltig Harley-Davidson. Auf der feisten Armlehne, ...
... auf den Rückenlehnen, einfach an jedem Eckchen haben die Ford-Designer es platziert. Nach dem Motto: So viel wie möglich herausholen aus dem Deal. Co-Branding heißt das, und angeblich potenziert es den positiven Effekt beider Marken.
Zum "co" gehört auch im Innern des Monolithen Motorrad-Flair zu versprühen: Die Sitze sind im Stil einer Harley-Davidson-Jacke gestaltet und sogar, hey, mit original Reißverschlüssen eben dieser Überzieher dekoriert.
Ach ja: Auf dem Schweller steht auch noch etwas, das auf einen nordamerikanischen Motorradhersteller hinweist. Seit dem Jahr 2000 baut Ford Pick-ups der F-Serie regelmäßig auch als Harley-Sondermodell.
Ford: "Wir wollen sicher sein, dass immer, wenn ein Harley-Davidson-Fahrer einen Truck kaufen will, er sich für einen F-150 entscheidet." Da freut es einen doch, wenn von den Partnern so viel Bestätigung kommt: "Keiner weiß besser über seine Kunden Bescheid als Harley-Davidson und Ford", sagt der Motorradhersteller. Unklar ist nur, welche drei Kunden gemeint sind...
Die Puste kriegt der Pick-up von einem Achtzylinder, der aus 5,4 Litern Hubraum schlappe 320 Pferde scheucht. Die zerren das Fossil über eine Sechs-Gang-Automatik auf der Straße bis zum Spitzentempo von 185 km/h.
Wir haben verstanden, Ford: Dein auf Räder gestellter Atavismus heißt Harley-Davidson, weil damit zumindest Uralt-Rocker etwas anfangen können. So sie denn von ihrem Moped absteigen möchten.
Huch, wer hat denn das hier vergessen? Tatsache, das Lenkrad ist garniert mit einem Ford-Logo. Jetzt warten wir noch auf das Sondermodell "Ford" von Harley-Davidson, mit Klimaanlage und Anhängerkupplung.
Aktuell mächtig angeschlagen (14,8 Milliarden Euro Minus im Jahr 2008), legt Ford besonderen Wert auf ein stabiles Rückgrat. Der in Detroit 2008 vorgestellte aufpolierte F-150 2009 strotzt nur so vor Kraft.
Die Hauptlast trägt ein neues Leichtgewicht-Chassis, das zehn Prozent mehr Torsionswiderstand und damit mehr Stabilität und Sicherheit bietet.
Im Führerhaus wartet High Tech at its best: Ein modernes Kommunikations- und Entertainment-System hält u.a. die Preise von 120.000 Tankstellen parat.
Amerikas beliebtester Truck fährt inzwischen in der elften Generation über die amerikanischen Highways.
Kampf der Giganten: Mit dem neuen Design "get-out-of-the-way" schickte Dodge vor einem Jahr den neuen Ram auf die Überholspur. Der Pick-up ist das Zugpferd der Widderkopf-Marke.
Es bleibt, wie es immer war: die Amis stehen auf dicke Dinger mit V8 unter der Haube.
Im Falle des bis zu 5,80 Meter langen Ram steckt als Topmotorisierung ein 5,7-Liter-Hemi unter der riesigen Haube. Mit 380 PS und knapp 550 Newtonmetern Drehmoment schiebt der "Ami-Golf" in unter sieben Sekunden auf Tempo 100 (Regular Cab).
Wer's etwas geruhsamer mag, der kann auch auf einen 4,7-V8 mit 310 oder den fast mickrigen V6 mit 3,7 Litern Hubraum und 215 PS zurückgreifen.
Allen Modellen gemein sind die pfiffigen Staufächer in den Flanken der riesigen Ladefläche.
Die misst je nach Modell (Regular Cab, Quad Cab, Crew Cab) bis zu 2,44 Meter.
Im Cockpit verwöhnt der Luxus-Laster mit jeder Menge Annehmlichkeiten: beheizbares Lenkrad, ...
.. beheizbare Sitze vorne und hinten, Klimaanlage, digitales Fernsehen für den Fond, Surround-Sound – wer den Dodge Ram pilotiert, muss auf nichts verzichten.
Außer vielleicht auf die weiße Weste oder das grüne Gewissen. Das könnte sich 2010 allerdings ändern.
Dann wird der Monster-Ami vielleicht auch einen Hybrid-Ableger bekommen.
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