Ford renoviert den
Mondeo grundlegend. Die gute Nachricht für die Kunden: Der Kölner (aus dem belgischen Genk) wird moderner und günstiger!
Dreieinhalb Jahre hat sich Ford Zeit gelassen, um ihr Flaggschiff aufzufrischen, und dabei vor allem auf die Kritik von Kunden und der Fachjournalie zu reagieren.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vor allem zwei neue Top-Motoren bringen den
Mondeo auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Kandidat Nummer 1: der neue Diesel, für die zahlreichen Flottenkunden in Zukunft ein Quell deftiger Kraft.
2,2 Liter Hubraum, 200 PS, bis zu 450 Newtonmeter Drehmoment (mit Overboost, sonst 420 Nm) zwischen 1750 und 3000 Touren, da bleibt wenig Zeit für Kritik.
Der Turnier, in Deutschland der Verkaufsschlager, spurtet so in 8,3 Sekunden auf Tempo 100 und rennt 225 km/h. Dabei soll er mit 6,0 Litern Diesel auskommen, bei flotter Gangart sind 7,5 Liter realistisch.
Dazu liegt der Mondeo satt auf der Straße, lässt sich durch (fast) nichts aus der Ruhe bringen und verwöhnt mit gutem Geräuschkomfort. Der Diesel grummelt sehr dezent vor sich hin, wird nie zum Störfaktor.
Am Fahrwerk gab es vorher schon wenig zu meckern, die Lenkung gehört mit feiner Rückmeldung ohnehin zu den Sahnestückchen bei den großen Mittelklasse-Vertretern.
Schade, dass der große Diesel nicht mit dem Doppelkupplungs-Getriebe Powershift zu haben ist, das würde den Genuss steigern. Sechs Gänge sind immer Serie, beide mittleren Diesel (2,0 Liter mit 140 und 163 PS) können mit dem DSG kombiniert werden, der Chef im Ring muss ohne auskommen.
Gerade auf nasser Fahrbahn zerren die Vorderräder schonmal an der feinfühligen Lenkung.
Den Sportler im Manne weckt der neue Top-Benziner. Neue Speerspitze ist ein aufgeladener (EcoBoost) 2,0-Liter-Vierzylinder, der 240 PS leistet und immer mit Powershift vorfährt. Bis zu 246 km/h Spitze (im Fließheck) und 7,5 Sekunden bis Tempo 100 stehen auf dem Datenblatt, ...
... der Fahrer muss sich selbst immer wieder einbremsen, um geltende Tempolimits nicht ständig zu übertreten. Ein sportlicher Sound fehlt, der
Mondeo ruft seine Kräfte dezent ab.
Für ein sparsames Fahrverhalten arbeitet der Motor mit Benzindirekteinspritzung, Turboaufladung und voll variabler Nockenwellenverstellung.
Ein Energie-Rückgewinnungs-System der Lichtmaschine (SRC = Smart Regenerative Charging), ein Fahrer-Informationssystem mit Schaltpunktanzeige oder der variable Kühlerlufteinlass (Active Grill Shutter System) helfen ebenfalls sparen.
Dieses elektronisch geregelte System kann den Kühlergrill komplett verschließen und dadurch den Luftfluss durch den Motorraum und die Kühler kontrollieren.
In der Theorie eine schöne Sache: 7,7 Liter Normverbrauch stehen auf dem Zettel, bei der ersten Ausfahrt mit flotter Gangart genehmigte sich der Top-Mondeo 12,3 Liter Super.
240 Pferde wollen gefüttert werden! Und wo ist eine Start-Stopp-Automatik, die
BMW, Mercedes und demnächst auch
VW im
Passat einbauen?
Ford pflegt mit dem Mondeo den großen Auftritt. Natürlich darf auch hier nicht der trapezförmige Grill als Markenrepräsentant fehlen, jeder neue Ford für den Weltmarkt trägt das "Kinetic Design", im Fall des
Mondeo gewürzt mit LED-Tagfahrlicht in der neu gezeichneten Frontschürze.
Auch die Haube und der Lufteinlass an der Front wurden an das "Ford-Gesicht" der Brüder
S-Max und
Galaxy angepasst, ...
... die Rückleuchten am ebenfalls modifizierten Heck strahlen in LED-Technik.
Auch bei den Assistenzsystemen rüstet Ford kräftig auf: Der Fahrspurassistent mit Spurhalte-Warnung (Lane Departure Warning), Müdigkeitswarner (Driver Alert) ...
... und das automatische Fernlicht (Auto High Beam) feiern ihr Debüt in einem Serienmodell von Ford.
Dazu kommen Helfer wie der "Tote-Winkel-Assistent" BLIS (Blind Spot Information System), der Geschwindigkeitsbegrenzer (Speed Limiter), oder die elektrische Tür-Kindersicherung für die hinteren Türen (Rear Door Power Child Locks).
Das hat seinen Preis: Der Top-Diesel kostet mindestens 33.600 Euro, der stärkste Benziner ist ab 34.100 Euro zu haben.
Mit diversen Extras lässt sich der Kölner bis an die 50.000-Euro-Marke aufrüsten.
Mit den starken Motoren und in der "Titanium S"-Ausstattung rollt der Mondeo auf bis zu 19 Zoll großen Rädern.
Die klassische Stufenheck-Limo entfällt für Deutschland, hier muss sich der Kunde zwischen Fließheck und dem Kombi Turnier entscheiden.
Das Interieur, vorher gern für die nicht gerade Luxus verströmende Atmosphäre kritisiert, wurde merklich aufgewertet: Fließende Formen für die Mittelkonsole, ...
... neue Tür-Innenverkleidungen mit bündig abschließenden Türöffnern oder in die modifizierte Dachkonsole integrierte Ambiente-Beleuchtung sollen laut Ford eine "gediegene" Atmosphäre schaffen.
Das etwas billig wirkende Plastik in Aluoptik aus dem Vorgänger an der Mittelkonsole weicht mattschwarzen Oberflächen, aufgelockert mit silbenen Applikationen.
Operation gelungen, der Mondeo muss sich keineswegs verstecken, Optik und Haptik stimmen.
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