Mit 150 bis 163 PS haben die drei Großraumwagen genügend Dampf unter der Haube, um lange Strecken auch mal im Expresstempo zu überbrücken. Wenn es sein muss, ...
... sogar nonstop, denn der Zuschlag hält sich – Diesel sei Dank – in akzeptablen Grenzen.
Frage Nummer eins: Was haben die Kandidaten zu bieten? Mit 4,77 Meter Länge schiebt der Ford S-Max seine neu gestylte Schnauze mit vergrößertem Kühlergrill und markanten LED-Tagfahrleuchten deutlich vor
Renault (4,56 Meter) und
Peugeot (4,53 Meter).
Auch innen beeindruckt der eher nüchtern und sachlich eingerichtete S-Max mit schierer Größe. Fünf Personen reisen hier wie in der ersten Klasse, überall gibt es Platz in Hülle und Fülle.
Sogar die drei Hinterbänkler fühlen sich auf den verschiebbaren Einzelsesseln wohl.
Wenig variabel: Die Sessel rücken nach vorn, außerdem klappt die Lehne. Das muss reichen.
Dennoch ist der S-Max für Transportaufgaben am besten gerüstet. Mit 757 Kilo Zuladung zeigt er sich deutlich belastbarer als Renault und Peugeot (604/600 Kilo).
Auch im luftigen Lounge-Ambiente des Renault Grand Scénic ...
... mit den bequemen Klubsesseln in Reihe eins lässt es sich aushalten.
Im Fond jedoch fallen die variablen Sitzmöbel schmaler aus, insbesondere in der Mitte. Dort sitzen auf Reisen nur Kinder halbwegs bequem.
Raus damit: Für maximalen Stauraum lassen sich die Sitze demontieren. Dann stehen mehr als zwei Kubikmeter Ladevolumen zur Verfügung.
Noch enger als im Renault geht es im Peugeot 5008 zu.
Vor allem im Fond bestätigt sich der Eindruck: Große stoßen im 5008 mit Knie und Kopf früher an Grenzen als in den beiden anderen Vans. Das Videosystem (600 Euro) tröstet ein wenig über das knappe Platzangebot hinweg.
Nur für Siebensitzer (700 Euro Aufpreis): Reihe drei entert man nach Hochklappen und Verschieben des Sitzes.
Das Gestühl verschwindet mit wenigen Handgriffen im Boden. Ausklappbare Faltelemente schließen die Lücken, ...
... ermöglichen so eine gut nutzbare, ebene Ladefläche für bis zu 1754 Liter.
Beim fünfsitzigen Grand Scénic müssen hierfür die hinteren Sessel gefaltet und aufgestellt werden. Nach deren Ausbau passen bis zu 2083 Liter ins Gepäckabteil, ...
... fast so viel wie in den größeren Ford (2100 Liter).
Ein Blick auf die Arbeitsplätze: Das Cockpit des S-Max wurde verfeinert, aber nicht verändert. Dekorleisten in Alu-Optik sorgen für etwas Noblesse.
DVD-Navigation ist ab 1750 Euro mit an Bord.
Für 495 Euro warnt bei Gefahr ein "Toter-Winkel-Assistent" mit aufblitzender Leuchte im Außenspiegel.
Nur auf den ersten Blick verwirrend: Das schwungvolle Cockpit des Grand Scénic mit der leicht ablesbaren Digitalanzeige lässt sich einfach bedienen. Serie beim "Luxe": Leder und TomTom-Navi.
Praktisch: Große Fächer im Boden bieten viel Platz für Krimskrams.
Abgehoben: Das Cockpit des 5008 erinnert an den Arbeitsplatz eines Piloten. Die sehr breite Mittelkonsole mauert die Passagiere unangenehm ein.
Das praktische Head-up-Display gehört beim "Platinum" zur Serienausstattung.
Die Testkandidaten treten hier durchweg in gehobener Ausstattung an, denen bis auf Xenon-Licht nichts Wesentliches fehlt. Zweizonen-Klimaautomatik, Alu-Räder, CD-Radio oder Tempomat sind stets an Bord.
Und so fahren die drei Kandidaten: Der Grand Scénic verwöhnt mit einem Klasse-Motor.
Der leise und sanft laufende Diesel mit 160 PS hängt gut am Gas, dreht willig und gewinnt mit seinem kräftigen Durchzug viele Sympathien. Die er sich auch an der Tankstelle nicht verscherzt, obwohl der Renault mit 7,2 Litern hier am meisten schluckt.
Bester Motor ist der mit durchschnittlich 6,5 Litern bemerkenswert genügsame 163-PS-Zweiliter des Ford. Er ersetzt den bulligen, 175 PS starken 2,2-Liter. Das macht er anständig, kann den Verlust von 60 Nm aber nicht ganz überspielen. Speziell beim Anfahren reagiert der Selbstzünder unentschlossen und verzögert auf Gasbefehle.
Zwischen Abwürgen und durchdrehenden Rädern ist beim Ford nur ein schmaler Grat, der Gewöhnung verlangt. Ansonsten überzeugt der kultivierte Motor jedoch mit gleichmäßiger Leistungsentfaltung, unterstützt vom harmonisch abgestuften Sechsganggetriebe.
Trotz Leistungsdefizits steht der antrittsstarke und sparsame (6,8 Liter Testverbrauch) Peugeot-Diesel mit 150 PS den Konkurrenten kaum nach, die Unterschiede sind im Alltag vernachlässigbar.
Für Komfort und Fahrdynamik gilt das nicht: Kurvige Passagen oder löchrigen Asphalt meistert der Ford gewohnt souverän, hält die Konkurrenten mit präziser Lenkung, agilem Handling, geschmeidiger Federung auf Distanz.
Am Steuer von Renault und Peugeot vermissen wir Gefühl und Rückmeldung. Der 5008 geht zudem recht behäbig ums Eck, das defensive ESP bremst ihn sehr früh ein.
Unharmonisch arbeiten außerdem die Federelemente der Franzosen: ziemlich stößig beim straffen Peugeot, etwas unterdämpft und schaukelig beim weichen Renault.
Und das kosten sie: Für den gut ausgestatteten S-Max 2.0 TDCi Titanium verlangt Ford 34.450 Euro. Das sind fast 5000 Euro mehr, ...
... als ein Renault Grand Scénic dCi 160 Luxe kostet (29.500 Euro).
Dem 400 Euro teureren Peugeot 5008 HDi 150 Platinum (Foto) hat der Renault Lederpolsterung und Tom-Tom-Navi voraus.
Generell aufpreispflichtig: die ausklappbaren Notsitze in Reihe drei (620 Euro bei Ford, jeweils 700 Euro bei den Franzosen). Für Urlaubsreisen sind die jedoch ungeeignet, sie kosten viel Stauraum und sind auf Dauer selbst Kindern kaum zuzumuten.
Fazit: Platz bietet der Ford S-Max im Überfluss. Seine Konkurrenten hält mit ausgewogenem Fahrverhalten auf Distanz, das Komfort mit Agilität gekonnt kombiniert. Auf Platz zwei folgt der Renault Grand Scénic. Auch er ist luftig geschnitten, überzeugt mit Klasse-Diesel, fährt auf welliger Bahn aber etwas schaukelig. Der Peugeot federt zu straff und ist relativ eng.
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