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Formel 1: Die schillerndsten Teamchefs

Mallya
Vijay Mallya: Elf Jahre lang führte er das Force-India-Team – und er brachte es von Rang zehn auf Rang vier der Konstrukteurswertung. Teilweise musste er dafür vom Wohnzimmer aus dirigieren – weil er wegen Pleiten diverser Firmen und Haftbefehl in Indien Großbritannien nicht mehr verlassen durfte. Im Wohnzimmer ließ er sich daher einen eigenen, hochmodernen Formel-1-Kommandostand bauen! Jahrelang war er selbst Rennfahrer, erst mit abenteuerlichen Eigenbauten, dann aber steigerte er sich bis zum eigenen Formel-1-Rennwagen: Mit dem Ensign Ford Cosworth, mit dem Patrick Tambay in der WM 1977 zwei fünfte Plätze erzielte, gewann Mallya mehrere Rennen in Indien. Auch sein Sohn Siddarth Mallya genießt das Leben in der Öffentlichkeit, ist Schauspieler. Besonders beliebt im Formel-1-Zirkus waren die Partys auf Mallyas Yacht beim Monaco-GP.
Bild: Picture-alliance
Jordan
Eddie Jordan: In der Basis ist das Force-India-Team der Jordan-Rennstall, der 1991 in die Formel 1 kam und für den unter anderem die beiden Schumacher-Brüder Michael und Ralf ihr GP-Debüt gaben. Und schon Eddie Jordan war einer der schillerndsten Formel-1-Teamchefs überhaupt: Seine gelben Flitzer gewannen vier Grands Prix, Heinz-Harald Frentzen hatte 1999 sogar Außenseiterchancen auf den WM-Titel. Und: Die Jordan-Truppe brachte mit eigener Band und Boxenluder viel Lachen und Freude in den F1-Zirkus. Eddie Jordan war selbst Rennfahrer, brachte es 1981 sogar zu einem Formel-1-Test mit McLaren und zu einem Start in Le Mans im BMW M88, der aber mit einem Ausfall endete.
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Yip
Teddy Yip: „Meine Frau würde mir die Kehle durchscheiden, wenn sie wüsste, wie viel Geld ich in den Rennsport pumpe“, hatte der Geschäftsmann aus Hong Kong einmal gesagt. Yip war einer der größten Rennsportmäzene der Geschichte, hat nicht nur den Macau-GP begründet und ist den auch selbst gefahren, sondern war Teilhaber und Geldgeber in diversen Formel-1- und IndyCar-Teams, hat Formel-1-Stars wie Alan Jones oder Ayrton Senna unterstützt und in die Formel 1 gebracht. Sein Theodore-F1-Team bestritt 63 Grands Prix, kam aber nicht einmal auf das Podest. Sein Sohn Teddy Yip jr. unterstützt heute das Formel-3-Team Prema, für das Mick Schumacher an den Start geht.
Bild: Picture-alliance
Hesketh
Lord Hesketh: Beim Hesketh-Formel-1-Team,  von 1973 bis 1978 in der Formel 1 vertreten, war die Grenze zwischen Party-Truppe und Rennstall immer fließend. Wie das halt auch nicht anders zu erwarten ist bei einem Teambesitzer, der gerade erst 23 Jahre alt ist. Noch vor seinem fünften Geburtstag erbte der Adelige Lord Alexander Hesketh 3200 Hektar Land, eine Pferderennbahn und viel, sehr viel Geld. Und steckte das einige Jahre in den Rennsport. Nach jedem Rennen gab es Champagner, egal wie die Resultate ausfielen. Die Mannschaft schlief geschlossen in Fünf-Sterne-Hotels. Und doch waren auch Erfolge da: Formel-1-Playboy James Hunt gewann 1975 im Hesketh Ford Cosworth in Zandvoort den Grand Prix von Holland  –  sein Durchbruch in der Formel 1. 

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Chapman
Colin Chapman: Colin Chapman ist wohl einer der genialsten Techniker der Formel-1-Geschichte. In einer Zeit, in denen Formel-1-Autos nicht nach dem Ergebnis von Computer-Simulationen oder Windkanaltests entstanden, sondern schlicht und ergreifend nach spontanen Einfällen der Techniker, tat sich Lotus-Boss Chapman immer wieder mit genialen Ideen wie dem Ground-Effect-Auto 1978 hervor. Lotus wurde so zu einem der erfolgreichsten F1-Teams aller Zeiten, gewann sechs Fahrer-WM-Titel. 1982 starb Chapman, der 1956 beim Frankreich-GP mit einem Vanwall selbst starten wollte, an einer Herzattacke.
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Ferrari
Enzo Ferrari: Schon sein Geburtstag ist speziell: Er ist nämlich offiziell zwei Tage nach seiner Geburt – das Bergdorf im Norden Italiens war eingeschneit, die Eltern von Enzo Ferrari konnten nicht zu den Behörden. Auch das restliche Leben war ungewöhnlich: Er baute eine Mythos umworbene Automarke auf, die seit Beginn der Formel 1 in der Königsklasse engagiert ist. Zunächst war er selbst Rennfahrer, fuhr auch GP-Rennen, war aber vor allem als Teambesitzer bekannt – und gefürchtet. Gerhard Berger erinnert sich: „Wenn du in seinem Büro gesessen hast, war das, als säße man dem lieben Gott gegenüber.“ Ferrari ist nie in ein Flugzeug gestiegen, war selten an den Rennstrecken und doch machte er die Scuderia Ferrari zum erfolgreichsten F1-Team aller Zeiten.
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Williams
Frank Williams: Kein Firmel-1-Teamchef war körperlich so fit wie Frank Williams – bis 1986, als ihn ein Autounfall fürs restliche Leben an den Rollstuhl fesselte. Doch auch als Rollstuhlgeneral führte er seine Mannschaft zu vielen Erfolgen. Williams ist inzwischen das dritterfolgreichste F1-Team aller Zeiten. Heute führt seine Tochter Claire Williams die Geschicke des Rennstalls.
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Briatore
Flavio Briatore: Der Formel-1-Playboy war eigentlich Geschäftsmann, machte die Modemarke Benetton in Amerika bekannt. 1989 übernahm er dann die Geschicke des F1-Teams von Benetton, das 1985 aus dem Toleman-Team entstanden war. Briatore führte es mit Michael Schumacher zu zwei Weltmeister-Titel. Auch mit Renault und Fernando Alonso feierte der Italiener zwei WM-Titel. Briatore: „Ich hatte gewisse Vorstellungen, als ich in die Formel 1 kam – aber habe nie davon geträumt, dass es so super ist.“ In seinem Fahrwasser tauchten Supermodels wie seine Ex-Gespielinnen Naomi Campbell und Heidi Klum im Fahrerlager der Serie auf.

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Malik
Prinz Malik Ibrahim: Er ist einer der geheimnisvollsten Formel-1-Teambesitzer aller Zeiten: Prinz Malik Ado Ibrahim. „Ich habe für 77 Millionen Pfund das Arrows-Team gekauft ­– aber nur zu 75 Prozent. Ganz der Formel-1-Teamboss will ich auch nicht sein, da mache ich mich ja unglaubwürdig. So viel verstehe ich davon dann auch nicht“, erklärte er, als er 1999 bei Arrows einstieg. Doch glaubwürdig war er nie. Die Behauptung, er sei mit einem Lamborghini unter einem Pseudonym selbst einmal die 24 Stunden von Le Mans gefahren, konnte nie belegt werden. Eine angebliche Beziehung zu Verona Feldbusch wurde zwar von ihm, aber nie von ihr bestätigt. Und die 77 Millionen Pfund kamen auch nie auf das Arrows-Konto. Nach nur neun Monaten war Malik Ibrahim, der aus einem der 75 Königshäuser Nigerias stammen soll, wieder aus dem Formel-1-Zirkus raus. Ein geplanter IndyCar-Rennstall platzte 2003 ganz, ein NASCAR-Team 2005 nach drei Rennen.
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Schmid
Günter Schmid: Mit ATS und Rial brachte Günter Schmid zwei deutsche Rennställe in die Formel 1, beiden gelang aber nie der Durchbruch. Das mag auch etwas an der überaus temperamentvollen Art von Schmid gelegen haben. Unzählige Anekdoten sind überliefert, etwa eine von 1981, als er einen Frontflügel in der Box aus Wut zusammenstampfte – er hatte sich mehr Performance-Gewinn erhofft...
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Alfred Neubauer: Der Mercedes-Rennleiter der beiden Erfolgsären der 30er und 50er Jahre. Alfred Neubauer überließ nichts dem Zufall, soll die Boxentafeln erfunden haben und auch so für seine Raffinessen bekannt gewesen sein. Ursprünglich war auch er Rennfahrer, fuhr in den 20er Jahren diverse Sportwagenrennen.

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Richard Branson: Der Milliardär hat mit Virgin einen riesengroßen Mischkonzern aufgebaut. Und das Geld steckt er in abenteuerliche Projekte: Heißluftballon-Marathon-Flüge, Weltraum-Tourismus – oder eben eigene Rennställe. Sein Virgin-Team, das er 2010 in die Formel 1 brachte, war ein Flop. Heute startet der Rennstall deutlich erfolgreicher in der Formel E.

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Bernie Ecclestone: Der große Formel-1-Zampano begann selbst als Rennfahrer und dann vor allem als Teamchef in der Formel 1. Er führte erst das Connaught-Team und ab den 70er Jahren auch den Brabham-Rennstall. Weil er die Interessen aller Teambesitzer vertrat, häufte er immer mehr Macht an und wurde zum großen Boss der Formel 1. Der klein gewachsene Ecclestone gilt als autoritär, macht Geschäfte mit Handschlag und wurde erst vor zwei Jahren von Liberty Media entmachtet.
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Guy Ligier: Als Rugby-Spieler lernte er, sich mit Härte durchzusetzen. So war er später auch in der Formel 1 bekannt, erst als Rennfahrer, dann als Chef seines eigenen Teams, das immerhin neun Grands Prix gewann. Ende 1996 verkaufte er den Rennstall an Alain Prost.
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Ron Dennis: Er brachte 1982 Ordnung ins Team bei McLaren. Sauberkeit und das Auge fürs Detail schärfte er seiner Mannschaft als Grundprinzipien ein – und so wurde es zum zweiterfolgreichsten Team der F1-Geschichte. Dennis begann selbst als Mechaniker, hatte dann jahrelang eigene Formel-2-Teams, die er aber nicht in der Formel 1 etablieren konnte. Vor zwei Jahren ist er durch Zak Brown entmachtet worden.
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Carl Haas: Vor Gene Haas – mit ihm ist er weder verwandt noch verschwägert – war Carl Haas vor 30 Jahren der letzte US-Teambesitzer in der Formel 1. Das Haas-Team hielt sich aber nur drei Jahre und hatte keinen Erfolg. Anders als in der IndyCar, wo Haas, der stets mit Zigarre am Kommandostand saß, mehrere Titel gewann. Sein großer Geschäftspartner da: Paul Newman, der rennfahrende Hollywood-Star.
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