Cooler Engländer oder heißblütiger Spanier?
Mini Cooper und
Seat Ibiza SC treffen aufeinander. Beide Kleinwagen treten zum Vergleich mit starken Dieselmotoren an.
Ein Typ mit Ecken und Kanten: Der Ibiza SC trägt ein Blechkleid mit scharfen Bügelfalten, guckt mit schlitzartig gezogenen Scheinwerfern grimmig aus der Wäsche.
Die Abstimmung des Seat-Fahrwerks könnte harmonischer sein: Kanaldeckel und Schlaglöcher ...
... reicht die stößige Federung recht ungehobelt weiter. Auf welligen Fahrbahnen ist der Ibiza in permanenter Unruhe, wirkt so wie ein nur halbherzig auf "Sport" getrimmter Polo. Da er mit 20.640 Euro über 4000 Euro günstiger ist als der Mini, gewinnt der Seat immerhin die Preis-Leistungs-Wertung.
Beim Seat drückt die lange Übersetzung in den großen Gängen fühlbar auf das Temperament. Trotz des höheren Drehmoments hat der Spanier daher bei Zwischenspurts das Nachsehen; von 80 auf 120 nimmt ihm der Mini im sechsten Gang 4,3 Sekunden ab – eine gefühlte Ewigkeit.
Vorbildlich (und besser als beim Briten) dagegen die Bremsleistung des Spaniers: Bei warmen Scheiben stand der Ibiza nach einer Vollbremsung aus 100 km/h bereits nach 33,6 Metern. Olé! So was schaffen sonst nur
Porsche & Co.
Im Seat Ibiza SC 2.0 TDI steckt der bekannte Zweiliter-Diesel aus dem VW-Baukasten. Das 143 PS starke Aggregat hat mit 320 Newtonmetern etwas mehr Drehmoment, aber trotzdem weniger Temperament als der BMW-Motor im Mini. Dafür verbrauchte der VW-Diesel mit glatt fünf Litern einen halben Liter weniger als der Mini.
Innen ist der Spanier eine Wohltat: Sein Cockpit sieht längst nicht so bieder aus wie das des deutschen Technik-Zwillings
VW Polo, ...
... lässt sich aber (fast) genauso leicht bedienen. Die Auto-Emotionen kühlen hier aus anderen Gründen ab.
Das sanitätshausgraue Narbenplastik wirkt nicht gerade edel, und auf den glänzend schwarz gelackten Flächen hinterlässt der Alltag fettige Fingerabdrücke. Die Instrumente sind bei ausgeschalteter Beleuchtung kaum ablesbar.
Das 330 Euro teure Winterpaket beinhaltet eine in zwei Stufen regelbare Heizung für die Vordersitze.
Beim Kofferraumvolumen liegt der Seat ganz klar vorn: Mit umgelegter Rückbank werden aus 236 ganze 882 Liter, über 200 Liter mehr als das maximale Stauvolumen des Mini.
Dafür muss sich der Seat in puncto Übersicht geschlagen geben: Mit seinen schmalen Scheiben ist er im Vergleich zum Mini ...
... ein Panzerspähwagen – vor allem, wenn es um den Ausguck nach rechts hinten geht. Insgesamt wird der Ibiza SC mit 315 von 500 Punkten knapper Zweiter.
Der Mini schwelgt im Formen-Fundus der Vergangenheit, versucht die (überwiegend weibliche) Kundschaft mit Kulleraugen und Rundungen zu bezirzen.
Die Mini-Ingenieure haben die Fahrwerksabstimmung besser hinbekommen: Obwohl die Karosserie auf straffen Federn ruht, die jede Seitenneigung unterbinden, ...
... fällt der Komfort passabel aus – wohl auch dank des schweren Diesels auf der Vorderachse und des Verzichts auf ultraflache Reifen.
In Sachen Handling ist der Mini eine Klasse für sich: So abgedroschen der Vergleich mit einem Gokart auch klingt, so sehr trifft er doch zu. In der Stadt rechtwinklig abbiegen? Auf winkeligen Landsträßchen Haken schlagen wie ein Hase? Das kann keiner besser. Die Lenkung zerschneidet Kurven mit der Präzision eines Stiletts, reagiert dabei trotzdem nicht übernervös.
Mit sanfter Gewalt, aber ohne lästige Druckspitzen zoomt der Mini-Motor (zwei Liter, 143 PS) durchs Drehzahlband. Keine nennenswerte Anfahrschwäche, kein Durchhänger bei hohen Touren. Stattdessen: Dampf in allen Lebenslagen. Von 50 bis 215 km/h geht eigentlich alles im Sechsten.
Sportsitze bringt der Cooper SD serienmäßig mit, Lederpolster gehen extra. Wer auf die Rückbank will, ...
... braucht biegsame Gelenke und ist in Sachen Kniefreiheit auf kompromissbereite Vorderleute angewiesen.
Sieht ja alles ganz nett aus hier. Schön verspielt, schön retro, jede Menge Liebe zum Detail. Aber hat die Mini-Truppe mal darüber nachgedacht, dass sich in diesem Wirrwarr aus Knöpfen und Kippschaltern auch jemand zurechtfinden soll?
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sogar den Tacho unter "britischer Humor" verbuchen: groß wie eine Turmuhr, aber schlechter abzulesen als ein Reisewecker.
Fummelige Startprozedur: Um den Cooper SD zum Leben zu erwecken, muss zunächst ein Designer-Stick in den dafür vorgesehenen Schacht geschoben werden, anschließend wird der Startknopf gedrückt.
Die optionale Sport-Taste (130 Euro) lässt Gas und Lenkung giftiger ansprechen. Start-Stopp-Funktion und ESP sind abschaltbar.
Schlanke Dachpfosten und große Fenster machen den Mini zum talentierten Parklücken-Hopser, denn da, wo man von der Karosserie nichts mehr sieht, da ist sie auch zu Ende.
Hier ist alles mini: 160 bis maximal 680 Liter Kofferraumvolumen reichen nur fürs Nötigste, in der Ladefläche bleibt bei geklappten Lehnen eine Stufe.
Mit 320 Punkten gewinnt der Mini Cooper SD den Vergleichstest knapp. Fazit von Martin G. Puthz: "Was mich überrascht hat: Ausgerechnet der Mini bringt, abgesehen vom dürftigen Platzangebot, Kurventalent
und Alltagskomfort am besten unter einen Hut. Seat blieb beim Versuch, die Polo-Basis auf sportlich zu trimmen, leider auf halber Strecke stehen."
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