Modellpflege oder wirklich neu? Neu natürlich, sagt
VW über den aufgefrischten
Tiguan. Ob das wirklich stimmt, klärt ein Abgleich mit dem
BMW X1. Damit stehen sich hier die beiden bestverkauften SUV in Deutschland gegenüber.
Den wichtigsten Fortschritt trägt der Tiguan weithin sichtbar vor sich her. Das neue Gesicht verabschiedet das Gute-Laune-Grinsen des Urmodells. Ernst statt lustig – steht ihm gut. Mit den Zügen des größeren Modellbruders
Touareg sieht er erwachsener aus, ...
... dafür muss er die Mode mit den stechenden Tagfahr-LED mitmachen. Und das immergleiche VW-Markengesicht bekommt bereits etwas von uniformer Langeweile.
Hinter der neuen Nase blieb der Vielseitigkeits-Künstler unangetastet. Türen, Dach, Kotflügel, Griffe – frei nach dem Motto: am besten nichts Neues.
Nur die Heckleuchten des Tiguan strahlen jetzt im Golf-Stil.
Auch innen alles wie gehabt: das Cockpit so einfach zu bedienen, dass man viele Knöpfe mit geschlossenen Augen findet. Gut so, weil das viele Grau nun wirklich keine Freude bereitet. Nach dem "Facelift" glänzen sogar die Lüftungsrosetten in "dark rhodius", einem (wir ahnen es) Grau metallic. Jedenfalls ...
... eröffnet es dem
X1 die Gelegenheit, fühlbar zu punkten. Jeder Schalter, jeder Hebel und Knopf sagt: "Ich bin ein
3er!" Das bringt nicht unbedingt einen Vorteil in der Bedienung, aber doch im Wertgefühl, das irgendwo zwischen Pupille und Portemonnaie liegt.
Im Nutzwert dagegen trennt die beiden eine halbe Welt. Oder genau gesagt sieben Zentimeter, die der Fahrer im BMW tiefer sitzt als im Tiguan.
In der zweiten Reihe wird es eng – der X1 spielt nicht den SUV, sondern den höhergelegten Touring. Dagegen ...
... bleibt der VW das vielseitigere Auto – hier sind wir der vorsichtigen Modellpflege ausnahmsweise dankbar. Man steigt ...
... rückenfreundlich höher ein, genießt die bessere Sicht, den größeren Kofferraum (bis zu 1510 statt 1350 Liter).
Die Töne stimmen auch unter der Haube, wo der Zweiliter-TDI mit 140 PS (mit 54 Prozent Kaufanteil beliebtester Motor im Tiguan) deutlich weniger rumort ...
... als der ungehobelte Geselle im BMW. Der ist es, der mal ein Facelift verdient hätte oder zumindest die Laufruhe stiftende Ausgleichswelle des stärkeren 20d.
Bei der Gelegenheit dürften die Münchener gleich ihrem Fahrwerk komfortablere Manieren beibringen – mit dem harten Abrollen übertreibt der X1 seine Rolle als Dynamiker. Ein Manko, das auch im größeren X3 zu spät korrigiert wurde.
Er fährt sich doch schon sportlich genug, dieser BMW, nimmt dem VW in den Fahrleistungen überall ein paar Zehntel und Zentimeter ab und verführt dazu, die Kurven mit der feinen Lenkung ganz un-SUV-gemäß anzupeilen. Das dürfte ...
... dürfte im VW nie passieren, denn die hohe Sitzposition legt sich besänftigend wie eine gütige Hand auf jeden Anflug von Vettel-Feeling. Gleichstand herrscht nun bei der Spartechnik, weil VW wie BMW ein Start-Stopp-System einbaut, das den Motor an Ampeln ausschaltet und den Normverbrauch des TDI um 0,3 auf 5,8 Liter senkt. Allerdings ...
... nur im BlueMotion-Modell, das sinnvoll investierte 400 Euro extra kostet und damit den Blick auf die Preise lenkt. Die sind beim neuen Tiguan nicht nur gleich geblieben, VW hat sogar ein bisschen Serienausstattung draufgepackt. In der Basisversion "Trend & Fun" ...
... gehören besonders komfortable Kopfstützen zum Programm. Sie stammen aus dem Passat und lassen sich nicht nur in der Höhe, sondern auch längs zum Kopf hin verstellen.
Auch Tagfahrlicht ist in der Basisversion serienmäßig an Bord. Die beliebtere Sport&Style-Version wurde noch stärker aufgerüscht: Regensensor, ...
... neue 17-Zoll-Räder, Türdekor und Müdigkeitssensor werten das Auto auf – oder machen je nach Sicht das Auslaufmodell unattraktiv.
Für 495 Euro ist zum Beispiel auch der Lane Assist mit an Bord. Er erkennt Fahrbahnmarkierungen
und lenkt selbsttätig gegen, wenn der Wagen unplanmäßig die Spur zu verlassen droht.
Es läppert sich ohnehin einiges zusammen bei diesen Mode-Püppchen. Zum Beispiel kostet der Tiguan als 140-PS-TDI mit Allradantrieb und BlueMotion-Paket 30.000 Euro. Da geht der Spaß aber erst los, bei VW blasen als neue Extras die Assistenzsysteme aus dem Passat die Preisliste weiter auf. Der Wunsch, etwa den Allradantrieb einzusparen, weil man viel in der Stadt fährt, ...
... wird weiter enttäuscht: Warum gibt es keine Benziner mit Frontantrieb und Automatik? "Wir überprüfen den Bedarf", heißt es bei VW. So werden Käufer zum teuren Diesel gedrängt.
Fazit von Redakteur Joachim Staat: Nach
Golf,
Passat und
Phaeton gibt
VW beim
Tiguan zum vierten Mal ein Facelift als neues Modell aus. Das geht nur, weil die Vorgänger als gute Autos an der Spitze mitfuhren. Besonders der Tiguan, der genau in der Mitte seiner Klasse steht. Der Trend zum Sparen ist richtig, allerdings sollte VW mehr Versionen mit Frontantrieb anbieten
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