Fünf für alle Fälle Kleinwagen wie Ford Fiesta, Seat Ibiza, VW Polo, Mazda2 und Peugeot 207 (von links, alle mit 90-PS-Diesel) meistern den Autoalltag so souverän, wie die Vertreter der Kompaktklasse. Welcher der Testkandidaten überzeugt als bester Partner?
Willkommen im Lions-Club: Beim Peugeot 207 steht der effektvolle Auftritt im Vordergrund. Das ist in diesem Testfeld zu wenig. Am Ende reicht es nur zu 292 von 500 möglichen Punkten – Platz fünf für den Franzosen.
Obwohl unterm Blech das gleiche Dieselherz schlägt wie in Ford und Mazda, zeigt der Peugeot einen anderen Charakter. Vor allem bei höherem Tempo wirkt sein Triebwerk überanstrengt. Kein Wunder, der Franzose wiegt deutlich mehr als die Kontrahenten, ...
... was man auch beim Tanken merkt: Er schluckt am meisten. Seine 5,5 Liter Testverbrauch weichen am stärksten von der Werksangabe (4,5 Liter) ab. Schnelle Spurwechsel absolviert der 207 brav wie ein Zirkuslöwe, doch sportliche Fahrweise ist nicht seine Stärke.
Unpräzise Schaltführung und weiche Lenkung verderben den Spaß an zügiger Kurvenfahrt. Gelassenheit hilft weiter. Dann zeigt der Peugeot ordentlichen Federungskomfort und lässt sich angenehm fahren. Die Entspannung ...
... endet jedoch beim Blick in die Preisliste. Die getestete Tendance-Version ist mit 18.196 Euro (inklusive 16-Zöller) das teuerste Auto im Vergleich. Dabei bietet es weder bessere Komfort- noch Sicherheitsausstattung. So kann der Salonlöwe nicht triumphieren.
Er hat zwar fünf Türen und (offiziell) fünf Sitze, doch der knappe Fond des 207 ist nicht wirklich für Erwachsene geeignet. Für Knie und Kopf haben sie auf längeren Fahrten einfach nicht genug Platz. Wer nur hin und wieder Passagiere an Bord nimmt, kann mit dem 207 aber gut leben.
Für den kleinen Einkauf groß genug, für längere Touren schnell zu eng: Der Kofferraum des kleinen Löwen fasst zwischen 270 und 923 Liter. Mit 600 Kilogramm darf der 207 am meisten zuladen.
Die weißen Instrumentenskalen fallen sofort auf und wirken edel. Der gelochte Lenkradbezug und glänzende Türgriffe verbessern den Qualitätseindruck.
Im 207 geht es gegen 410 Euro Aufpreis schön luftig zu – dafür sorgt das Panorama-Glasdach, das ab der Ausstattungslinie "Platinum" übrigens auf jeden Fall mit an Bord ist.
Komfortextra: Für 950 Euro Aufpreis ist für den 207 ein Navigationssystem zu haben.
Etwas fummelig: Die Lehnenverstellung per Hebel erfordert Feingefühl.
Platz vier geht mit 306 Punkten an den Mazda2. Das japanische Leichtgewicht ist ein Meister der Raumausnutzung, dem Fahrwerk fehlt allerdings die Reife.
Mit nur 4,8 Liter Testverbrauch beweist der Mazda vorbildliche Trinksitten. Beim Zwischenspurt auf der Landstraße liegt das Leichtgewicht dank kurzer Übersetzung sogar vorn. Funktional und bei den Kosten ist dem Japaner daher nichts vorzuwerfen. Ein rundum gutes Auto, ...
... solange es als reines Transportmittel dient. Wer darüber hinaus ein harmonisches Fahrerlebnis erwartet, wird enttäuscht. Trotz sportlich-straffer Abstimmung ...
... wirkt der Mazda weniger handlich als die Konkurrenz. Schnelle Fahrmanöver bringen sein Fahrwerk früh an Grenzen, sodass ein heftiger ESP-Eingriff nötig wird.
Mit 3,88 Meter Länge und 1120 Kilo Leergewicht zeigt Mazda, wie ein moderner Kleinwagen aussehen muss. Er ist leicht und kurz, bietet aber trotzdem den luftigsten Innenraum und gute Variabilität. Dazu kommt eine üppige Ausstattung: Ab "Impression" ...
... sind Kopfairbags, Lichtautomatik, Nebellampen, Regensensor, Sitzheizung und Fensterheber Serie.
Gut: Die breite, V-förmige Heckscheibe macht das Rückwärtseinparken zum Kinderspiel.
Kleines Kunstwerk: die Tachoskala des Mazda2.
Viele praktische Ablagen machen den Mazda wohnlich. Das zweigeteilte Handschuhfach hat vorn einen "Briefschlitz".
Beim Kofferraum bieten die anderen mehr: Unter die Heckklappe des Mazda2 passen minimal 250 Liter, ...
... der Laderaum lässt sich durch umklappen der Rücksitzlehnen bis auf 787 Liter erweitern.
Fairer Preis, auch wenn der Japaner das zweitteuerste Fahrzeug im Vergleich ist: Für den Mazda2 1.6 MZ-CD Impression werden 17.850 Euro fällig.
Auf dem dritten Platz landet mit 311 Punkten der Ford. Das gelungene Fahrwerk des Fiesta sorgt für entspanntes Fahren. Ansonsten ist der Kölner eher ein Durchschnittstyp.
Der Fiesta macht schwer auf Mode. Warum auch nicht? Die Ernsthaftigkeit eines Polo muss ja nicht allen gefallen. Allerdings bringt der frische Ford ein paar ...
... handfeste Nachteile mit: knappes Platzangebot im Fond, miese Sicht nach hinten. Da werden die optionalen Parkpieper (ab 355 Euro) zum Pflicht-Kreuzchen in der Bestellung.
Die Stunde des Fiesta schlägt beim Fahren, dank der gekonnten Fahrwerkabstimmung. Abrollkomfort und sportliches Talent erreichen eine fast perfekte Balance. Nur die Lenkung spricht zu spitz an und bringt so unnötige Hektik ins Geschehen. Das ESP regelt feinfühlig. Die Traktionskontrolle ...
... ist aber nicht abschaltbar – im Winter kann das Nachteile bedeuten. Querrillen dringen zudem bis ins Lenkrad durch. Ansonsten herrscht Siesta im Fiesta. Das Nageln des Diesels ...
... ist beim Beschleunigen zwar zu hören, wird aber nie lästig. Obwohl im Ford der gleiche Motor wie im Mazda und Peugeot arbeitet, stemmt der Fiesta etwas weniger Drehmoment, beschleunigt zäher. Der Verbrauch: 4,9 Liter/100 km.
Das durchgestylte Cockpit erreciht qualitativ ein hohes Niveau. Die flachen A-Säulen ...
... geben dem Fiesta seine gestreckte Optik, erschweren aber die Sicht nach schräg vorne.
Gegen Aufpreis: Startknopf und schlüssellose Türöffner kosten 430 Euro extra.
Kostspielig: Ein CD-Radio ist ab 805 Euro zu haben.
Das geht doch schöner: Bei den Türöffnern scheint den Fiesta-Designern ein wenig die Lust ausgegangen zu sein.
Freud und Leid: Der Ford bietet mit 295 bis 979 Litern den größten Kofferraum – blöd nur, dass der Fiesta gerade einmal 395 Kilo zuladen darf.
Den zweitgünstigsten Wagen schickt Ford ins Testfeld: Der Fiesta 1.6 TDCi Titanium kostet inklusive der 16-Zoll-Bereifung (250 Euro) 17.500 Euro.
VW-Technik mit südländischem Charme hat ihre Reize, kommt hier auf 323 Punkte und fährt auf den zweiten Platzt vor. In einigen Details zeigt der Seat Ibiza allerdings Schwächen.
Gleiche Technik, gleicher Motor, gleiche Elektronik– der Ibiza ist ein Klon des VW Polo. Geschickt hüllt er sich in ein spanisches Designerkleid und gibt den emotionalen Südländer. Dass so ein Seat aber weniger kostet als sein deutsches Schwestermodell, ...
... gehört zur Vergangenheit. Nur rund 300 Euro trennen den Ibiza vom Polo. Immerhin hat er die bessere Ausstattung mit Bordcomputer, ...
... CD-Radio, Reifendruckkontrolle und Fahrlichtautomatik. Gespart wird da, wo es nicht wehtut. An der Dämpfung der Haltegriffe zum Beispiel. Weniger gefällt ...
... die billigere Qualitätsanmutung, hier darf Seat ruhig noch mehr vom Mutterkonzern profitieren.
Bei der Fahrwerkabstimmung haben die Spanier einen guten Job gemacht. Der Seat federt straff, aber nicht zu hart. Im Vergleich zum Polo nimmt er Bodenwellen noch souveräner, ...
... selbst heftige Schläge können ihn nicht aus der Ruhe bringen. Die moderne Vorderachskonstruktion ...
... macht sich auch in der Lenkung bemerkbar. Obwohl ebenfalls identisch mit dem Polo, folgt der Ibiza den Steuerbefehlen des Fahrers noch präziser.
Typisch für Autos im VW-Konzern: Das Markenemblem dient als Öffner der Hecktür. Dahinter verbirgt sich ein Kofferraum, der zwischen 292 und 938 Liter schluckt.
Für den Fall der Fälle: Ein vollwertiges Ersatzrad kostet 50 Euro Aufpreis. Serienmäßig hat der Seat Reifendichtmittel an Bord.
Günstig: Für den Ibiza 1.6 TDI Style verlangt Seat 17.450 Euro.
Der VW Polo protzt nicht mit knalligem Design oder extravaganten Details, sondern mit Qualität. Viel Talente machen ihn in diesem Testfeld zum Sieger – mit 341 von 500 möglichen Punkten.
So einen Typ mögen die Schwiegermütter: dezent im Auftritt, freundliche Manieren, stets verbindlich. Und damit den vier Konkurrenten stets ...
... eine Nasenlänge voraus. Der Polo macht auf stille Weise zufrieden, bleibt mit 3,97 Meter Länge angenehm bescheiden.
Im Autoalltag glänzt der Polo mit komfortabler Federung. Wer das 90-PS-Modell als Sportdiesel begreift, wird mit der weichen Auslegung nicht ganz einverstanden sein. Auf welligen Straßen wird er zu unruhig und ...
... liegt in Kurven nervöser als Ibiza und Fiesta. Seine Lenkung könnte bei schnellen Fahrmanövern mehr Rückmeldung liefern. Was soll’s? In den meisten Fahrsituationen zeigt der Polo sein komfortables, sicheres Naturell. Mit serienmäßigem ESP, das unauffällig regelt.
15-Zoll-Räder sind Serie beim Polo. Ringsum sorgen Scheibenbremsen für Verzögerung. Mit 35,5 Metern von 100 auf 0 km/h verzögert der Wolfsburger in diesem Testfeld am besten.
Der Lenkradkranz ist zwar dünn,aber angenehm zu greifen. Die Schaltung ist präzise geführt, ...
... die Kunststoffe fassen sich solide an. Als einziger in diesem Test ist der Polo auch mit Automatik (DSG) zu haben – das kostet allerdings 1400 Euro Aufpreis.
4,8 Liter Testverbrauch krönen den Polo gemeinsam mit dem Mazda2 zum Sparkönig. Ein Grund ist die lange Übersetzung. Bei 130 km/h im fünften Gang dreht der TDI nur 2250 Touren. Trotzdem entfaltet der Vierzylinder seine Kraft jederzeit souverän. Wer aber mit zu wenig Gas anfährt, droht den Motor abzuwürgen.
Der doppelte Ladeboden ist serienmäßig, sorgt für mehr Variabilität im 280 bis 952 Liter großen Kofferraum. Bei umgeklappten Rücklehnen entsteht eine ebene Ladefläche.
Der Preis-Leistungs-Sieger: Längere Wartungsintervalle und die bessere Garantie bringen den Polo bei den Kosten gegenüber dem zweitplatzierten Seat nach vorn. Für einen 1.6 TDI Comfortline verlangt VW 17.785 Euro.
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